Auf Diebestour im Hotelzimmer

Besteck, Matratzen und Kunstwerke: Touristen lassen im Hotel Erstaunliches mitgehen. Zürich ist allerdings ein Sonderfall.

Das Badezimmer als Selbstbedienungsladen: Sogenannte Badamenities wie Seifen und Lotionen nehmen Hotelgäste gerne mit.

Das Badezimmer als Selbstbedienungsladen: Sogenannte Badamenities wie Seifen und Lotionen nehmen Hotelgäste gerne mit. Bild: Keystone

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Ein Mitbringsel aus den Ferien gehört für viele Urlauber einfach mit dazu. Einige bedienen sich allerdings gleich im Hotel und lassen Erstaunliches mitgehen, wie eine aktuelle Umfrage von «Wellness Heaven» zeigt. Der Onlinehotelguide hat dazu über 900 4- und 5-Stern-Hoteliers in Deutschland befragt.

Klare Spitzenreiter unter den stibitzten Waren sind Handtücher und Bademäntel, gefolgt von Kleiderbügeln, Stiften, Besteck und Kosmetika. Einige Gäste geben sich aber ganz offensichtlich nicht mit Kleinkram zufrieden: 20,2 Prozent der am häufigsten entwendeten Gegenstände in Hotels machen Kunstwerke aus.

Schweizer greifen zum Föhn

Die Wahrscheinlichkeit eines Kunstraubs ist gemäss Erhebung in einem 5-Stern-Hotel sogar noch 5,5-mal Höher als in einem 4-Stern-Betrieb. Selbst Decken, Kissen und Matratzen lassen die Gäste gerne mitgehen. Diese seien mitten in der Nacht über Aufzüge direkt in die Tiefgarage abtransportiert worden, teilten die Hoteliers mit.

Die Umfrage schlüsselt das Diebesgut auch nach Nationen auf. Demnach liegt bei Schweizern der Haarföhn besonders hoch im Kurs, während Italiener Weingläser, Franzosen Fernsehgeräte und Holländer Glühbirnen und Toilettenpapier aus den Zimmern entwenden.

«Es kam auch schon ein TV weg»

Und wie sieht die Situation in Zürcher Hotels aus? Was lassen hiesige Gäste mitgehen? Laut Martin von Moos, Präsident des Zürcher Hotelier-Vereins (ZHV), gibt es hierzu keine Umfragen oder Statistiken. Allerdings würden auch in seinem eigenen Hotelbetrieb immer wieder Dinge mitgenommen – meist Frotteetücher oder Bademäntel. «Wenn wir feststellen, dass ein Bademantel entwendet wurde, dann informieren wir die Gäste, dass wir den Mantel über ihre Kreditkarte verrechnen», sagt von Moos.

Im Allgemeinen handle es sich aber um Kleinigkeiten, weshalb man sich beim ZHV nicht gezwungen sehe, aktiv zu werden. «Ich habe allerdings auch schon gehört, dass jemand einen Fernseher aus dem Zimmer mitgenommen hat», sagt von Moos. Es sei eben ein Risiko, mit dem jedes Hotel einen Umgang finden müsse.

Kunstraub wäre denkbar

Der ZHV-Präsident kann sich auch vorstellen, dass Kunstgegenstände aus Hotels gestohlen werden. «Es kommt ja öfter vor, dass Ausstellungen von Künstlern in Lobbys oder in Gastrobereichen stattfinden. Mir persönlich ist aber noch kein solcher Fall gemeldet worden.»

Die wohl bekannteste Kunstsammlung in einem Hotel befindet sich im Dolder Grand auf dem Zürichberg. Sind seit der Razzia der Eidgenössischen Zollverwaltung vom März 2017 noch weitere Kunstgegenstände aus dem Hotel getragen worden? Im Luxushotel wollte auf Anfrage niemand zum Thema Stellung nehmen – «wegen der Privatsphäre unserer Gäste».

Ladekabel verschwinden für immer

Auskunftsfreudiger ist man beim Park Hyatt – und das mit gutem Grund. «Das Park Hyatt Zürich ist vor 15 Jahren eröffnet worden, seither kam praktisch gar nichts weg. Nicht einmal Bademäntel», sagt die Medienverantwortliche Laura Amanzi. Die Gäste würden höchstens Briefpapier oder sogenannte Badamenities wie Bodylotions, Shampoos oder Slippers mitnehmen. «Diese Sachen sind aber im Zimmerpreis inbegriffen.»

Was allerdings in den letzten Jahren laut Amanzi immer häufiger vorkommt, ist, dass die Gäste die Ladekabel für Smartphones mitnehmen, welche das Hotel bei Bedarf als Leihgabe zur Verfügung stellt. «Wir gehen aber davon aus, dass dies aus Versehen geschieht. Ein Problem ist es jedenfalls nicht, da wir die Kabel gegen ein Pfand abgeben.»

Sogar die Freitag-Tasche bleibt da

Eine ähnlich positive Bilanz zieht Anouk Heller, Marketingverantwortliche bei 25 Hours Hotel. Die Hotelkette betreibt in Zürich Häuser an der Langstrasse und der Pfingstweidstrasse. Auch dort kommt gemäss Heller praktisch nichts weg, und das, obschon das Hotel den Gästen während ihres Aufenthalts Gadgets zur Verfügung stellt, die durchaus zum Mitnehmen verleiten könnten. Unter anderem eine Freitag-Tasche, eine UE-Boombox und ein Stofflöwe für die Kleinen.

«Wenn die Gäste mit den Sachen abgereist sind, schreiben wir ihnen eine nette Erinnerung. Dann schicken sie sie uns jeweils zurück.»Anouk Heller,
25 Hours Hotel Zürich

«Am Ende des Aufenthalts sind die Sachen immer noch da», sagt Heller. Sollte doch jemand eine Tasche oder eines der anderen Produkte mitnehmen, lasse sich das Missverständnis spätestens beim Auschecken problemlos klären. «Und wenn die Gäste mit den Sachen abgereist sind, schreiben wir ihnen eine nette Erinnerung. Dann schicken sie sie jeweils zurück. Probleme hatten wir deswegen noch nie.»

Es sieht also ganz danach aus, als ob die Touristen, die in Zürcher Hotels absteigen, wesentlich gesitteter sind als jene in deutschen Hotels. Und für all jene, die sich auf legalem Weg doch noch ein Kunstwerk aus dem Dolder sichern möchten: Am 5. Dezember 2019 werden in der Zürcher Galerie Koller 114 Kunstgegenstände von Dolder-Besitzer Urs Schwarzenbach im Auftrag der Eidgenössischen Zollverwaltung zwangsversteigert. Man sollte allerdings das nötige Kleingeld dabeihaben. Der Mindestpreis für die Kunstwerke liegt bei insgesamt 2,8 Millionen Franken.

Erstellt: 03.12.2019, 15:23 Uhr

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