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Auf «Züri wie neu» sorgt Klebriges für Ärger

Die Online-Plattform, auf der Schäden gemeldet werden können, wurde jüngst erfolgreich ausgebaut. Seit diesem Jahr häufen sich die Einträge vor allem in einer Rubrik.

Ein Ärgernis, aber kein Schaden: Kleber auf einem Verkehrsschild in der Stadt Zürich.
Ein Ärgernis, aber kein Schaden: Kleber auf einem Verkehrsschild in der Stadt Zürich.
zueriwieneu.ch

Ein umgefallener Baum auf dem Spazierweg, ein geborstener Kanaldeckel, das Graffito auf der Mauer, ein Loch im Strassenbelag, ja sogar die Kirchenuhr, die nicht richtig tickt: Das sind sechs von rund 19’200 Meldungen, die bisher auf der Online-Plattform «Züri wie neu» eingegeben wurden.

Seit April 2013 können aufmerksame Beobachterinnen und Beobachter dort per App oder am Computer auf Schäden an den städtischen Infrastrukturen hinweisen. Und sie tun es mit zunehmendem Engagement: Das federführende Tiefbau- und Entsorgungsdepartement der Stadt (TED) rechnet damit, dass bereits im Herbst dieses Jahres die 20’000. Meldung in einer der acht Kategorien eingegeben wird.

Grosser Nutzen, tiefe Kosten

Gestartet ist die Plattform mit den Bereichen «Abfall/Sammelstellen», «Beleuchtung/Uhren», «Graffiti», «Grünflächen/Spielplätze» sowie «Strassen/Trottoir/Platz». Seither hat das TED das Angebot laufend erweitert. Zunächst um die Kategorien «VBZ/ÖV» und «Brunnen/Hydranten», seit rund einem Monat gibt es nun auch die Kategorie «Schädlinge».

Damit nutzen neben dem TED auch das Sicherheitsdepartement, das Departement der Industriellen Betriebe, das Hochbaudepartement und nun auch das Gesundheits- und Umweltdepartement die Plattform. «Ein weiterer Ausbau ist denkbar», sagt TED-Sprecher Mike Sgier. Es mache Sinn, dieses Online-Meldesystem gemeinsam zu nutzen, um der Bevölkerung ein niederschwelliges Angebot für Schadensmeldungen zu bieten. «Und mit 8000 Franken Unterhaltskosten pro Jahr ist es auch sehr günstig.»

Genaue Ortung schneller möglich

Gabi Müller, die Leiterin der Schädlingsprävention und -beratung der Stadt Zürich, ist jedenfalls von den Vorzügen der Plattform überzeugt. «Gerade bei Schädlingsmeldungen ist ein solches Angebot gut, weil die Sichtungen zu jeder Zeit von überall in der Stadt Zürich einfach und effizient gemeldet werden können und man dazu nicht nach Hause an den Computer gehen muss.»

Die Eingänge können die Mitarbeitenden der Beratungsstelle laut Müller sehr viel speditiver beantworten und bearbeiten als Telefonanrufe und Mails. Das System helfe auch bei der genauen Datenerfassung: «Bei regulären Meldungen an unsere Fachstelle müssen wir mit Adressen und Hausnummern arbeiten. Die App hingegen ortet Fundstellen digital, so haben wir die genauen Koordinaten – auch in Wäldern oder Parks.»

Tigermücke oder nicht? Es ist eine Buschmücke, die grösser ist als die Tigermücke und drei statt fünf weisse Ringe an den Hinterbeinen hat. (Bild: zueriwieneu.ch)
Tigermücke oder nicht? Es ist eine Buschmücke, die grösser ist als die Tigermücke und drei statt fünf weisse Ringe an den Hinterbeinen hat. (Bild: zueriwieneu.ch)

Müllers Fazit seit dem Start bei «Züri wie neu» fällt daher positiv aus. «Es läuft sehr gut. Wir haben schon über 100 Meldungen erhalten», sagt sie. Die Mitarbeitenden geben die Informationen in die Datenbank der Fachstelle ein, eingesandte Exemplare kommen in die Insektensammlung. Jede Meldung sei wertvoll, auch wenn es sich nicht um einen Schädling oder eine invasive Tierart handle, sagt Müller. «Es kann sein, dass es ab und zu invasive Tierarten auf dem Stadtgebiet gibt, von denen wir noch nichts wissen. Da ist ein solches Erfassungstool natürlich von grosser Bedeutung, weil wir so rascher an Informationen gelangen.»

Meistens melden Männer Schäden

Auch bei den Userinnen und Usern selbst kommt das Tool gut an. Laut einer Studie der Universität Bern von 2016 sind 85 Prozent mit dem Angebot zufrieden. 90 Prozent von ihnen finden die Plattform sehr benutzerfreundlich. Die Studie belegt auch, dass Männer weitaus häufiger einen Schaden melden als Frauen – und dass die meisten User die Applikation zwischen ein- und fünfmal nutzen. So etwas wie Stammkunden gibt es also nicht.

Insbesondere in den Rubriken «Abfall/Sammelstelle» und «Strasse/Trottoir» haben die Nutzer viel zu beanstanden. Im Winter und Frühjahr, wenn vereistes Wasser im Asphalt taut und den Belag abplatzen lässt, werden laut TED-Sprecher Sgier Löcher im Belag über die App gemeldet. Solche Schäden seien früher nach einem standardisierten Prozess behoben worden. «Heute können wir aufgrund der Meldungen die Reparaturen den Nutzern anpassen und dort starten, wo viel gefahren wird.»

800 Meldungen zu Signalisationen

Seit diesem Jahr haben die Meldungen aber in einem anderen Bereich markant zugenommen: In der Kategorie «Signalisation» seien seit Anfang Jahr 800 Meldungen eingegangen, sagt Sgier. «Die Hälfte davon machen Meldungen von Klebern auf Verkehrstafeln aus. Das sind im Schnitt zwei Klebermeldungen pro Tag.» Diese Kleber seien zwar ein Ärgernis, aber kein Schaden, den man melden müsste, so Sgier. Es gebe eine Reinigungsequipe, die sie in regelmässigen Abständen entferne.

«Wir erhalten vermehrt Meldungen zu eigentlichen Bagatellen», sagt der TED-Sprecher. Diese würden zwar wie alle anderen Eingaben auch bearbeitet, «aber die Idee der Seite wäre schon, dass uns die Leute bekannt geben, wenn sie Schäden und Mängel an der städtischen Infrastruktur entdecken». Vor allem solche, die sicherheitsrelevant seien wie beispielsweise kaputte Ampeln oder umgefahrene Signalisationen. «Auch bei nächtlicher Ruhestörung oder randalierenden Gruppen ist das Tool nicht geeignet. Da ist ein Anruf bei der Polizei angebracht.»

«Wir erhalten vermehrt Meldungen zu eigentlichen Bagatellen.»

TED-Sprecher Mike Sgier

Es könnten sich eben punkto Nutzung «gewisse Unschärfen» einschleichen, wenn ein solches System schon lange zur Verfügung stehe, sagt Sgier. Trotzdem bezeichnet er die Plattform als einen Erfolg. «Wir durften ‹Züri wie neu› schon an verschiedenen Fachtagungen präsentieren. St. Gallen, Winterthur, Schaffhausen, Schlieren und Gossau haben eine App nach unserem Vorbild eingeführt, und auch die SBB nutzen inzwischen ein solches Tool. Wir finden es nach wie vor eine gute Sache.»

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