Aufruhr am Kinderspital Zürich

Seit die Spitalleitung die Kaderärzte mit einem neuen Lohnsystem verschreckte, herrscht Unruhe. Jetzt reden die Konfliktparteien miteinander.

Das Kinderspital schreibt schwarze Zahlen und plant einen Neubau der Stararchitekten Herzog & de Meuron. Foto: Reto Oeschger

Das Kinderspital schreibt schwarze Zahlen und plant einen Neubau der Stararchitekten Herzog & de Meuron. Foto: Reto Oeschger

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Eben gaben sie sich noch aufs Dach, jetzt reden sie wieder miteinander: Die Ärzte und das Management des Zürcher Kinderspitals werden sich dieser Tage zu Verhandlungen über die Gehälter treffen. Dies, nachdem es Anfang Jahr zum Eklat kam wegen eines neuen Reglements, das für viele Ärztinnen und Ärzte Lohneinbussen bedeutet.

Zwei Drittel der Kaderärzte rebellierten dagegen und weigerten sich, die neuen Arbeitsverträge zu unterzeichnen. Die Spitaldirektion goss Öl ins Feuer, indem es die kritischen Personalvertreter an einer Sitzung angeblich «offen verlachte», wie die «NZZ am Sonntag» unter Berufung auf Protokolle der Personalkommission berichtete.

Dass die Direktion jetzt eine Delegation zu Gesprächen empfängt, wertet der Vertreter der betroffenen Kaderärzte in der Personalkommission, Walter Knirsch, als «grossen Erfolg». Denn das neue Lohnreglement sei noch erlassen worden, ohne dass die Kommission zuvor angehört worden wäre.

Echte Dialogbereitschaft?

Wie viel Verhandlungsbereitschaft bei der Spitaldirektion besteht, ist unklar. Einerseits versteht diese die nun anlaufenden Gespräche laut Generalsekretär Urs Rüegg primär als «Überzeugungsarbeit». Man will dem unzufriedenen Personal aufzeigen, dass das neue Lohnsystem «zukunftsweisend und gut durchdacht» sei. Andererseits habe die Direktion aber Offenheit für Verbesserungen signalisiert.

Knackpunkt sind die Zusatzverdienste, die sich zahlreiche Kaderärzte bisher mit der Behandlung zusatzversicherter Patienten sichern konnten. Diese machten je nach Funktion einen beträchtlichen Teil des Lohns aus. Das Kinderspital will diese Gelder stattdessen zentral einziehen und fair auf alle Ärzte verteilen, damit auch jene zum Zug kommen, die wertvolle Arbeit in Bereichen ohne zusätzliche Verdienstmöglichkeiten leisten.

Rüegg betont, dass dies keine Sparübung sei. Das Spital lege bei der Gesamtlohnsumme sogar noch eine Million dazu. Zudem gelte für die bisherigen Ärzte punkto Gesamtentschädigung Besitzstandswahrung, erst für ihre dereinstigen Nachfolger gelte das neue Regime. Zudem hätten alle Ärztinnen und Ärzte den Vorteil, dass neu ihr gesamter Lohn bei der Pensionskasse versichert sei.

Der Streit soll intern bleiben

Welche Positionen die Personalvertreter in der Diskussion mit der Spitalleitung vertreten, wollen sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich machen. Die Belegschaft hat sich angesichts des medialen Wirbels entschieden, erst zu kommunizieren, wenn konkrete Resultate vorliegen. Sie geht davon aus, dass die Verhandlungen bis im Sommer abgeschlossen sind.

Die Auseinandersetzung dürfte damit zu tun haben, dass die Belegschaft mit dem Lohnniveau am Zürcher Kinderspital generell unzufrieden ist. Verglichen mit anderen Arbeitgebern könnte der Grundlohn «besser sein», ist seitens Ärztinnen und Ärzten zu hören.

Laut Rüegg orientiert sich das Spital an den kantonalen Lohnlisten, obwohl es als privater Betrieb nicht dazu verpflichtet wäre. Diese sehen für Kaderärzte mit Facharzttitel je nach Erfahrung und Funktion zwischen 145 000 und 220 000 Franken Grundlohn im Jahr vor. Die Belegschaft weist darauf hin, dass «orientiert» ein weicher Begriff sei. Der Verband der Zürcher Spitalärztinnen und Spitalärzte mag keine Einschätzung abgeben, da er in die Verhandlungen involviert ist.

Für Prestigebau ist Geld da

Vereinzelt bringen Ärztinnen ihren Unmut auch in einen Zusammenhang mit dem Spitalneubau der Stararchitekten Herzog & de Meuron: Es sei stossend, dass die Spitalleitung fürs teure Prestigeprojekt viel Geld aufwerfe, aber beim eigenen Personal spare. Andere halten dagegen, dies sei kein Thema, man freue sich auf den Neubau. Zudem gehe es dem Spital finanziell gut genug, sich den Bau leisten zu können. Es schreibe im Gegensatz zu anderen Kinderspitälern schwarze Zahlen – ob auf Kosten des Personals, sei dahingestellt.

Von den rund 625 Millionen Franken, die der Neubau kostet, sollen 100 Millionen Franken aus Spenden bezahlt werden. Der ärztliche Direktor des Kinderspitals, Michael Grotzer, sorgte kürzlich für Aufsehen, als er öffentlich um die Jubiläumsmillionen der ZKB warb. Man solle das Geld, das die Bank anlässlich ihres 150. Geburtstags den Zürcherinnen und Zürchern für besondere Projekte schenken will, doch ins neue Spital stecken.

Ein Hinweis, dass die Geldsammlung stockt? Oder sogar, dass sie unter den Negativschlagzeilen leidet? Bei der Fundraisingabteilung des Kinderspitals tönt es auf Anfrage genau gleich wie schon vor drei Jahren: Man habe Zusagen in zweistelliger Millionenhöhe. Und es bleibe noch genug Zeit.

Erstellt: 13.03.2019, 07:56 Uhr

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