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Aus den Plänen im Untergrund wird nichts

Der stillgelegte Lettentunnel sollte auf aussergewöhnliche Weise neu genutzt werden. Filippo Leutenegger hat die Idee «nach intensiver Diskussion» beerdigt.

Der Eingang zum stillgelegten Lettentunnel: Ende Mai 1989 haben die SBB den Bahnbetrieb durch den Tunnel eingestellt.
Der Eingang zum stillgelegten Lettentunnel: Ende Mai 1989 haben die SBB den Bahnbetrieb durch den Tunnel eingestellt.
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Das Ende des Tunnels: Ab 2002 liess man den einsturzgefährdeten Bahntunnel in Wipkingen zuschütten.
Das Ende des Tunnels: Ab 2002 liess man den einsturzgefährdeten Bahntunnel in Wipkingen zuschütten.
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M Zürich. Badi. Oberer Letten. Tiefer Wasserstand.Bildtext: Badi obere Letten bei Tiefwasser aufgrund von Bauarbeiten
M Zürich. Badi. Oberer Letten. Tiefer Wasserstand.Bildtext: Badi obere Letten bei Tiefwasser aufgrund von Bauarbeiten
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Es waren kühne Pläne, mit denen der Stadtzürcher Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger (FDP) vor einem guten Jahr aufwartete. Bei der Präsentation der Ausbaupläne fürs Hochschulviertel brachte er neben Rolltreppen und Förderbändern vom Central und Bellevue ins Hochschulgebiet auch eine Reaktivierung des alten SBB-Tunnels zwischen dem Letten und dem Stadelhofen ins Spiel.

Der zwei Kilometer lange Eisenbahntunnel wurde vor der Eröffnung der S-Bahn 1989 stillgelegt und durch den Hirschengrabentunnel ersetzt. Zwar wurde damals eine Umnutzung zu einem Parkhaus oder Entwässerungsstollen diskutiert, allerdings ergebnislos. 2002 liessen die SBB den Lettentunnel auffüllen.

Univiertel besser erschliessen

Doch Leutenegger wollte den Tunnel vom Schutt befreien und neu nutzen: als unterirdischen Zugang zum Hochschulgebiet, das direkt über dem Tunnel liegt. Stadt und Kanton Zürich beabsichtigen, die Gebäude der Universität und der ETH grosszügig zu erweitern, was zu einer markanten Zunahme der Passantenströme führen wird.

«Wir haben die Idee, den Lettentunnel für eine bessere Erschliessung des Univiertels zu nutzen, ernsthaft geprüft», sagt Leutenegger auf Anfrage. Dabei sollte im Tunnel ein Fahrsteig ähnlich wie an Flughäfen eingerichtet werden plus ein Schnelllift, um die Menschen zur darüber liegenden Uni und ETH zu transportieren.

Das Projekt erinnerte an die ehrgeizigen Pläne für die Porta Alpina, eine unterirdische Bahnstation in der Mitte des Gotthard-Basistunnels mit einem Expresslift ins darüberliegende Sedrun GR. Das Projekt wurde 2012 aus Kostengründen fallen gelassen.

Lift hätte zu wenig Kapazität

Ein ähnliches Schicksal hat jetzt auch die Zürcher Mini-Porta-Alpina ereilt. «Nach intensiver Diskussion sind wir zum Schluss gekommen, dass wir die Idee leider nicht weiterverfolgen können», sagt Leutenegger.

Den Ausschlag habe der Lift gegeben, der vom Fahrsteig an die Oberfläche führen würde. Dieser hätte zu Stosszeiten nicht die notwendige Kapazität erreicht. Ausserdem gebe es im aufgefüllten Tunnel mit Schadstoffen belastetes Material, unter anderem Russ. Leutenegger: «Dessen Entsorgung würde für einen ohnehin kostspieligen Bau zusätzliche Kosten generieren.» Das Fazit: Da die Idee zu einem teuren Bau mit zu wenig Kapazität führen würde, wird sie nicht weiterverfolgt.

«Wenn auf mehrere gute Ideen eine realisiert werden kann, ist das schon ein Erfolg.»

Stadtrat Filippo Leutenegger

Velobalkon und Pontons im See

Der Lift im Lettentunnel war nur eine von mehreren unkonventionellen bis abenteuerlichen Ideen zur Verkehrspolitik, mit denen Leutenegger seit seinem Amtsantritt als Stadtrat 2014 auf sich aufmerksam macht. Anfang Jahr etwa schlug er den Bau eines Velobalkons über der Rämistrasse zwischen Bellevue und Kunsthaus vor, um das dortige Nadelöhr für Velofahrer zu beseitigen.

Im März folgte der nächste Coup: Leutenegger brachte eine schwimmende Brücke im Zürichsee zwischen Utoquai und Tiefenbrunnen ins Spiel, als Ausweichroute für Autos während der Sanierung der Bellerivestrasse 2019. Auch für den Gütertransport hat Leutenegger eigene Zukunftsvorstellungen, etwa unterirdische Tunnels oder selbstfahrende Autos, die künftig Waren in der Nacht transportieren, statt tagsüber die Strassen der Stadt zu verstopfen. Auch Seilbahnen im innerstädtischen Bereich sind für ihn eine Option.

Grosse «Filippo-Show»

Die teils hochfliegenden Pläne trugen ihm auch schon Kritik ein: Sie seien Teil einer grossen «Filippo-Show» und oft nicht viel mehr als heisse Luft, monieren seine Gegner. Damit lenke der FDP-Politiker davon ab, dass es bei anderen, konkreten Verkehrsprojekten mit der Umsetzung harze.

Leutenegger nimmt die Kritik gelassen: «Wenn auf mehrere gute Ideen eine realisiert werden kann, ist das schon ein Erfolg.» Und betont: Trotz des Rückschlags am Letten würden die Pläne zur besseren Erschliessung des Hochschulgebiets mit Rolltreppen vom Bellevue zum Pfauen ebenso weiterverfolgt wie diejenigen einer allfälligen Ergänzung der Polybahn beim Central durch eine Röhre samt Rollband.

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