Aus für die Bauschänzli-Tänzer?

Seit Jahrzen gibt es auf der Restaurantinsel im Sommer täglich Musik und Tanz. Weil diese Tradition mit dem Wirtewechsel zu verschwinden droht, werden nun Unterschriften gesammelt.

Steht vor einem Wechsel: Das Restaurant auf dem Bauschänzli wird künftig von Candrian geführt. (Bild: Raisa Durandi)

Steht vor einem Wechsel: Das Restaurant auf dem Bauschänzli wird künftig von Candrian geführt. (Bild: Raisa Durandi)

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Richard Lumegnon lässt sich auch von den hohen Temperaturen, die an diesem Freitagnachmittag auf dem Bauschänzli herrschen, nicht unterkriegen. Schwitzend, aber mit einem Lächeln im Gesicht schwingt der 80-Jährige seine Lebenspartnerin Irena Süess (75) zu Rock-’n’-Roll-Sound übers Parkett – Hebefiguren inklusive.

Für die beiden ist der «Nachmittagstanz», der seit mehreren Jahrzehnten von Mitte Mai bis Ende August jeweils von 15 bis etwa 17.30 Uhr auf der Insel am Stadthausquai veranstaltet wird, ein fester Bestandteil ihres Lebens. Ein Tanzparadies nicht nur für sie, sondern auch für rund 500 weitere, meist ebenfalls im Rentneralter stehende Menschen. «Eine regelmässige Tanzveranstaltung mit Liveband unter freiem Himmel – so etwas gibt es sonst nirgends in der Schweiz», lässt sich Marianne Locher (72) im «Tagblatt der Stadt Zürich» zitieren. Sie reist für dieses Vergnügen seit acht Jahren regelmässig aus Bern an.

Die gegenwärtigen Betreiber des Bauschänzli, die Fred-Tschanz-Gruppe, stützt die Aussage: «Das Angebot erfreut sich generationenübergreifend grosser Beliebtheit. Darum haben wir trotz steigender Kosten daran festgehalten», sagt Geschäftsführerin Stephanie Portmann.

Nur noch zwei Tanzabende?

Doch nun scheint diese Tradition infrage gestellt. «Von Angestellten auf dem Bauschänzli haben wir erfahren, dass die Candrian Catering AG, welche die Lokalität ab 2019 führt, das Angebot aus ihrem Programm streichen will», erzählt Ingeborg Werner (75) besorgt, die aus dem harten Kern der Bauschänzli-Tänzer eine Interessengemeinschaft gebildet hat und als deren Sprecherin fungiert.

Einsatz auch im höheren Alter: Richard Lumegnon (80) und Irena Süess (75) tanzen auf dem Bauschänzli Rock-’n’-Roll.

Schon ein Bericht im «Tages-Anzeiger» vom Januar 2018, in dem bezüglich der künftigen Pläne von Candrian lediglich von«zwei Tanzabenden zu Livemusik» die Rede ist, habe bei ihr die Alarmglocken läuten lassen. «Denn mit lediglich zwei Tanzabenden kann das Bedürfnis nie und nimmer gedeckt werden.»

Präventive Unterschriftensammlung

Im Mai fragt sie darum direkt bei Candrian nach, ob und wie der «Nachmittagstanz» in den Plänen des Unternehmens Berücksichtigung findet. Deren Antwort lässt alle Möglichkeiten offen: Man werde im Sommer das Programmkonzept erstellen und voraussichtlich im Spätherbst informieren.

Doch Ingeborg Werner und ihre Mitstreiter fürchten, dann vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Darum haben sie vorgebeugt und eine Unterschriften-aktion zum Erhalt des Nachmit-tagstanzes gestartet. Rund 600 Unterschriften sind schon zusammen. Sie sollen in den nächsten Wochen sowohl der Candrian-Gruppe wie der Stadt als Besitzerin der Liegenschaft überreicht werden.

Letztere war im Vorfeld ebenfalls informiert und gebeten worden, sich für das Anliegen der Tänzer einzusetzen. Die Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich lässt auf Anfrage verlauten, dass man mit der Candrian Catering AG im Gespräch über das Detailkonzept für den Betrieb auf dem Bauschänzli ab 2019 sei und Ingeborg Werner demnächst antworten werde.

Konzept wird geprüft

Der Mediensprecher fügt allerdings an, dass es die täglich stattfindenden Tanzveranstaltungen mit Livemusik in der heutigen Form nicht mehr geben werde. Bei diesem Entscheid würden nicht zuletzt auch Lärmbeschwerden aus der Umgebung wegen der nachmittäglichen Livemusik eine Rolle spielen. Offenbar bestehe vor allem bei älteren Bauschänzli-Gästen eine Nachfrage nach der Möglichkeit, an diesem schönen Ort und im Freien tanzen zu können – wobei der Andrang, wie Besuche vor Ort gezeigt hätten, keineswegs konstant hoch sei.

Die neue Mieterin des Restaurants, die Candrian Catering AG, prüfe nun, ob und in welcher Form die Tanzveranstaltungen an einem Nachmittag pro Woche weitergeführt werden können.

Dieser Artikel ist am 22. August 2018 im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.

Erstellt: 22.08.2018, 13:26 Uhr

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