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Aus «Zoo-Situation» heraus über Obdachlose berichten

Der Pfarrer vom Offenen St. Jakob am Zürcher Stauffacher beobachtet das Radio-24-Obdachlosen-Experiment mit gemischten Gefühlen.

Pfarrer Patrick Schwarzenbach als «Obdachloser» in Bern im Oktober 2013. Bild: Stefan Anderegg (Berner Zeitung)
Pfarrer Patrick Schwarzenbach als «Obdachloser» in Bern im Oktober 2013. Bild: Stefan Anderegg (Berner Zeitung)

Ein Radio-24-Moderator lebt eine Woche lang auf der Strasse. Wie sinnvoll ist eine solche Überlebensaktion? Pfarrer Patrick Schwarzenbach von der Kirche Offener Sankt Jakob am Stauffacher hat dazu eine zwiespältige Haltung: «Es ist eine Gratwanderung zwischen Obdachlose zur Schau stellen und sich und die Gesellschaft für das Thema Obdachlosigkeit zu sensibilisieren.»

Der Pfarrer weiss, wovon er spricht: Im Oktober 2013 lebte er mit drei anderen Freiwilligen eine Woche lang auf Berns Strassen. Die Gruppe gehörte zum Projekt «Street Retreat», das der Pfarrer initiiert hatte. Es war kein «Survival-Camp», sagt Schwarzenbach. Ziel der Woche sei gewesen, sich mit der Situation eines Obdachlosen auseinanderzusetzen und mitzuerleben, wie sich die Leute fühlen und was sie erleben.

Die Zuhörer wollen «action»

Er habe viele dieser Eindrücke in die Arbeit des Offenen St. Jakob einbringen können, wo man mit vielen Leuten aus der Obdachlosenszene und mit Randständigen zu tun habe. «Es hat mir geholfen, nicht von oben herab auf die Leute zu schauen.» Denn ihre Schicksale hätten auch ihn treffen können, «wenn das Leben eine andere Kurve genommen hätte».

Gefragt, ob mit einer Radiosendung ein ähnlicher Zugang zu diesen Leute gefunden werden könne, gibt sich Schwarzenbach skeptisch. Eine Sendung müsse von Anfang an eine gewisse Spannung haben, da der Zuhörer «action» wolle und sonst das Radio abschalte. Es sei problematisch, aus einer «Zoo-Situation» heraus über Leute zu berichten, die teils schwere Schicksalsschläge erlitten hätten.

Die Fähigkeit, sich auf der Strasse zu behaupten

Aber wenn es gelingt, dass die Sendung mehr als nur das Überleben in der Kälte übermittelt, könne sie sinnvolle Aspekte sowohl für den betreffenden Moderator als auch für die Zuhörer bieten. So könne beispielsweise das Thema Obdachlosigkeit nicht nur mit Schwere und Leiden dargestellt werden, sondern auch aufzeigen, dass viele dieser Leute eine enorme Fähigkeit haben, sich auf der Strasse zu behaupten. Das sei für Aussenstehende eine ganz andere Optik.

Positiv sei bestimmt die Zusammenarbeit mit Siebers Sozialwerken. Das sei ein guter Deal für beide Seiten. Die Sozialwerke erhalten eine Plattform und Spenden, das Radio eine gute Gelegenheit, sich mit einem Thema tiefer auseinanderzusetzen.

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