O-Bike geht, doch das Leihvelo bleibt Zürich erhalten

Offenbar plant Leihvelo-Anbieter O-Bike, alle 600 Velos aus der Stadt Zürich abzuziehen. Andere Bike-Sharing-Anbieter sind zufrieden mit ihrem Geschäft.

Sie standen an allen möglichen und unmöglichen Orten, nun kommen sie weg: die O-Bike-Leihvelos.

Sie standen an allen möglichen und unmöglichen Orten, nun kommen sie weg: die O-Bike-Leihvelos. Bild: Doris Fanconi

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Die gestrige Meldung von Radio 1 dürfte der Anfang vom Ende sein – der Anfang vom Ende von O-Bike in Zürich. Der Radiosender berichtete, dass der Leihvelo-Anbieter O-Bike bis Ende Monat sämtliche 600 Velos aus Zürich abziehen wolle. «O-Bike hat uns informiert, dass das Unternehmen seine Velos bis Ende Juni einziehen wird», bestätigt Pio Sulzer, Mediensprecher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements. Die Stadt gehe davon aus, dass sich O-Bike an diese Vereinbarung halte. Man habe vor einigen Wochen mit O-Bike eine Sitzung abgehalten und dabei den Abzug besprochen.

Über die Gründe des Rückzugs könne er nichts sagen, so Sulzer. Er könne und wolle nicht für O-Bike sprechen. Jedenfalls habe die Stadt keinen Druck auf O-Bike ausgeübt. O-Bike selber hat sich bisher nicht zum Rückzug aus Zürich geäussert – der TA versuchte die Firma heute auf verschiedenen Wegen zu kontaktieren, hatte aber keinen Erfolg.

Ärger und Chaos

Der Rückzug von O-Bike aus der Stadt Zürich bedeutet das Ende einer Ära, die zwar nur ein Jahr dauerte, aber von viel Aufregung begleitet war: Im Juli 2017 war das Velo-Sharing-Unternehmen aus Singapur plötzlich in der Stadt präsent – mit Hunderten von gelb-grauen Velos, die man ausleihen und nach der Fahrt an einem beliebigen Ort wieder abstellen konnte.

Fortan lagen oder standen an allen möglichen und unmöglichen Orten O-Bikes, manche funktionstüchtig, andere defekt. Um das Leihvelo-Chaos in den Griff zu bekommen, intervenierte die Stadt und definierte Regeln. Namentlich begrenzten die Behörden die Anzahl Fahrräder, die eingesetzt werden durften. In der Folge entspannte sich die Situation.

Neben Zürich «eroberte» O-Bike im vergangenen September auch Winterthur. Auch dort sorgte die plötzliche und mitunter chaotische Präsenz der Velos für Verärgerung. Im Unterschied zu Zürich gibt es in Winterthur aber keinen formellen Rückzug des Singapurer Unternehmens. «Wir haben im Moment keinen Kontakt mit O-Bike und können auch niemanden dort erreichen», sagt Sarah Paul, Sprecherin der Stadtpolizei Winterthur. Allerdings habe sich das O-Bike-Problem in Winterthur weitgehend von selber gelöst. Es seien nur noch vereinzelt O-Bikes zu sehen. Von den Velos, welche die Polizei eingesammelt habe, seien noch etwa ein Dutzend bei der Stadt eingelagert. Sie würden verschrottet, sollten sie von niemandem abgeholt werden, sagt Sprecherin Paul.

«Raum für mehrere Anbieter»

Offen ist, ob der Rückzug von O-Bike mit der Marktsituation in Zürich zu tun hat. Neben O-Bike sind inzwischen weitere Bike-Sharing-Anbieter in Zürich präsent – so etwa Lime-Bike oder die Postauto-Tochter Publibike mit ihrem «Züri-Velo». Während Lime-Bike wie O-Bike auf ein Freefloating-System setzt, also auf ein System ohne feste Stationen, funktioniert das «Züri-Velo» mit solchen Stationen.

Weder Lime-Bike-Sprecher Roman Balzan noch Postauto-Sprecher Urs Bloch wollen den Rückzug von O-Bike kommentieren und über die Gründe spekulieren. Hingegen betonen beide, dass sie keine Rückzugspläne hegen. «Das Geschäft in Zürich läuft gut, und wir sind mit unseren Nutzerzahlen sehr zufrieden», sagt Balzan. Ähnlich tönt es bei «Züri-Velo»: «Wir starteten am 6. April. Die seither gemachten Erfahrungen stimmen uns zuversichtlich», so Bloch. An schönen Tagen würden die «Züri-Velos» über 1200 Mal gemietet.

Für Lime-Bike-Sprecher Balzan steht denn auch fest: «Die Stadt bietet genügend Raum für mehrere Anbieter. Wir bemerken weder durch die aktuelle Entwicklung bei O-Bike noch durch ‹Züri-Velo› eine signifikante Veränderung bei der Nachfrage.»


Video: Zürichs Publibike im Test

Halten die Stadt-Velos dem Test stand?

Erstellt: 22.06.2018, 11:15 Uhr

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