Banker retten einen der ältesten Zürcher Baumriesen

Die Bauarbeiten für die Limmattalbahn hätten für einen Mammutbaum in der Stadt beinahe das Todesurteil bedeutet. Jetzt kommt alles anders.

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Die Entrüstung war gross, als Tagesanzeiger.ch/Newsnet im Frühling berichtete, dass einer der seltenen Mammutbäume in der Stadt Zürich wegen Bauarbeiten (Strassenverbreiterung) im Zusammenhang mit der geplanten Limmattalbahn wahrscheinlich gefällt werden müsse. Der Tenor der Leserkommentare: «Riesensauerei. Das geht auf keinen Fall.» Für Robert T. (Name der Red. bekannt), der in der Stadt 50 Mammutbäume fotografiert und vermessen hat, war klar: «Die Bauarbeiten werden für den Baum das sichere Todesurteil sein.»

Das besagte Exemplar steht in Altstetten an der Hohlstrasse 602 vor dem Eingang der Bank Julius Bär und ist das Wahrzeichen des Gebäudes, welches einst um den Baum herum errichtet wurde. Der hölzerne Riese ist ungefähr 120 Jahre alt und über 15 Meter hoch.

Rechtlich gesicherter Baumschutz

Nun kann Entwarnung gegeben werden: Der Baumriese wird wegen der kommenden Bauarbeiten nicht gefällt. «Seit 2012 stehen wir mit der Limmattalbahn AG in regelmässigem Kontakt. Wir haben unsere Verhandlungen nun mit einer Vergleichsvereinbarung abgeschlossen», sagt Jan Vonder Mühll von der Bank Julius Bär.

Der Fokus bei den Verhandlungen lag auf der Landenteignung, der Erreichbarkeit des Firmenstandorts und auf dem Mammutbaum. «Damit ist gesichert, dass der Mammutbaum durch die Bauarbeiten nicht tangiert wird und somit geschützt ist», sagt Vonder Mühll. Und Roland Schneider von der Liegenschaftenverwaltung ergänzt: «Wir haben als Bank darauf bestanden, dass der Baum jetzt Bestandteil des Gestaltungsplans und im Zusammenhang mit der Anlage des Vorplatzes mitberücksichtigt wird.»

Baumspezialistin begleitet Bauarbeiten

Froh darüber, dass der Mammutbaum nicht sterben muss, ist auch Daniel Issler, Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn AG: «Wir haben uns von Anfang an dafür eingesetzt, dass er stehen bleibt. Wir sind ein ÖV-Projekt. Unser Ziel ist nicht, Bäume zu fällen, sondern zu erhalten.» Aus diesem Grund habe man bei der Projektierung schon früh eine Baumsachverständige zur Unterstützung beigezogen. «Die baubegleitenden Massnahmen, die wir jetzt getroffen haben, werden den Mammutbaum ausreichend schützen.»

Die Einigung mit der Bank sei ein weiterer Schritt auf einem langen Weg. Für das Projekt Limmattalbahn, so Issler, habe es insgesamt 230 Einsprachen gegeben. «Mit drei Vierteln davon konnten wir in den vergangenen drei Jahren eine Lösung finden.» Für das letzte Viertel ist Issler zuversichtlich: «Auch hier wird es noch zu Einigungen kommen.»

27 Haltestellen auf 13,4 Kilometern

Wo steht das Bauprojekt jetzt? Diesen Monat startete die Limmattalbahn AG die Ausschreibungen für die Tiefbauarbeiten der ersten Etappe der Limmattalbahn. Die Vergabe der Aufträge erfolgt im Frühling nächsten Jahres. Bei den ausgeschriebenen Arbeiten handelt es sich um ein geschätztes Auftragsvolumen im zweistelligen Millionenbereich.

Im September 2017 soll der Bau für die Limmattalbahn starten. Anschliessend bedient die Limmattalbahn das Entwicklungsgebiet Schlieren-West und das Regionalspital. Sie fährt weiter entlang der Kantonsschule durch Urdorf-Nord nach Dietikon-Zentrum. In Dietikon bindet sie das Entwicklungsgebiet Niderfeld an den öffentlichen Verkehr an. Im Anschluss rollt sie Richtung Spreitenbach. Hier erschliesst sie auf dem Weg zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach die grossen Entwicklungsgebiete und Einkaufszentren. Auf ihrer 13,4 Kilometer langen Strecke bedient die Bahn insgesamt 27 Haltestellen.

Erstellt: 22.11.2016, 11:27 Uhr

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