Bastien Girod will in den Stadtrat, aber …

Wäre er eine Frau, würde er kandidieren, sagt der grüne Nationalrat. Nun stellt er seinen Anhängern die Gretchenfrage.

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Der grüne Nationalrat Bastien Girod lanciert eine Umfrage und legt den Entscheid, ob er für den Stadtrat kandidieren soll, in die Hände seiner Anhänger. Am heutigen Dienstagmorgen hat er an rund 1500 Leute einen Newsletter versendet: «Bevor ich mich definitiv entscheide, wüsste ich deshalb gerne, was Sie dazu meinen. Soll ich kandidieren?», heisst es darin.

In einem Video erläutert Girod, wieso er eigentlich sehr gerne für den Stadtrat kandidieren würde. Da es grüne Themen auf nationaler Ebene derzeit schwer haben, sei es wichtig, dass in den Städten eine grüne Politik vorgelebt werde. Will heissen: dass die Lebensqualität erhöht und gleichzeitig die Lebenskosten gesenkt würden, so Girod. «Es ist klar, dass die Bürgerlichen das verhindern wollen», sagt er. So hätten sie für die Wahlen «bürgerliche Hardliner» aufgestellt, welche die Energiewende bekämpften und «den Umweltschutz ablehnen». Mit diesen «bürgerlichen Hardlinern» meint Girod wohl unter anderem FDP-Nationalrätin Doris Fiala, die kürzlich bekannt gegeben hat, für den Stadtrat kandidieren zu wollen, und derzeit öffentlich für das Referendum gegen die Energiestrategie kämpft.

Nationalrat Bastien Girod erklärt, weshalb er gerne für den Stadtrat kandidieren würde. Video: Youtube

Girod begründet sein ungewöhnliches Vorgehen mit den internen Ausmarchungs-Prozedere der Grünen. «Es findet eine Ur-Abstimmung statt. Es entscheiden die Mitglieder, nicht Delegierte», sagt Girod. Deshalb wolle er von seinen Anhängern wissen, ob sie eine mögliche Kandidatur unterstützen würden.

Frau oder Mann?

Sollte das Umfrageresultat Bastien Girod überzeugen, wäre er der zweite mögliche Stadtratskandidat für die Grünen. Bereits vergangene Woche hat Gemeinderätin Karin Rykart Sutter bekannt gegeben, sie wolle antreten. Und Nationalrat Balthasar Glättli und der langjährige Gemeinderat Markus Knauss haben sich gegen eine Stadtratskandidatur entschieden. Pikant: Glättli hat in einer Videobotschaft die Gemeinderätin Karin Rykart Sutter als Kandidatin empfohlen – Knauss hingegen Girod.

Umfrage

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Glättli begründete seinen Verzicht unter anderem damit, dass nur zwei von neun Stadtratsmitgliedern derzeit Frauen sind. Und angesichts der Ausgangslage, dass Stadtrat Daniel Leupi erneut kandidiert, könnten es sich die Grünen nicht leisten, mit einem zweiten Mann anzutreten. Knauss hingegen gewichtete die Geschlechterfrage weniger hoch und begründete seine Empfehlung damit, dass dem Stadtrat neben Leupi eine Person mit einer ganz klaren ökologischen Haltung fehle.

Will Girod durch seine Umfrage nur der Geschlechterfrage aus dem Weg gehen? «Es ist unbestritten: Wäre ich eine Frau, würde ich definitiv antreten», sagt er. Die Idee der Umfrage sei aber eine andere: Er wolle mit der Basis vor seinem Entscheid in Kontakt treten und ausloten, welche Argumente für und gegen eine Kandidatur sprächen. «Dazu gehört auch die Geschlechterfrage, aber auch Fragen wie jene, ob es mich mehr in Bern braucht.» Mit seiner Aktion betrete er Neuland. Das sei auch riskant, sagt er, aber ohne Unterstützung der Basis gehe es sowieso nicht. Sollte das Resultat knapp ausfallen, würde das wohl gegen eine Kandidatur sprechen. Bis wann er sich entscheiden werde, lässt Girod offen.

Die Grünen werden an ihrer Mitgliederversammlung am 4. Juli entscheiden, mit wem sie den 2014 verlorenen zweiten Sitz im Stadtrat zurückerobern wollen. Im Juni wird die Strategiegruppe unter Parteipräsident Felix Moser ihren Vorschlag präsentieren.

Erstellt: 25.04.2017, 12:38 Uhr

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