«Die Autofahrer auszuschliessen, wäre keine Lösung»

Wo sich die Verkehrsbetriebe Zürich verbessern wollen und wieso sie trotz Verspätungen zufrieden sind: Peggy Neubert, Leiterin VBZ-Qualitätsmanagement, im Gespräch.

So oft verspätet wie kein anderer: Der 32er ist die unpünktlichste VBZ-Linie auf dem Stadtgebiet.

So oft verspätet wie kein anderer: Der 32er ist die unpünktlichste VBZ-Linie auf dem Stadtgebiet. Bild: Thomas Egli

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Knapp jedes sechste Fahrzeug der VBZ ist verspätet. Sind Sie mit diesem Resultat zufrieden?
Wir wissen, wie schwierig die Verkehrslage in der Stadt Zürich ist. Deshalb, ja, wir können zufrieden sein mit dem, was wir bisher erreicht haben.

Aber?
Es gibt noch Verbesserungspotenzial. Die Tramverbindungen sind relativ pünktlich, aber bei den Bussen gibt es noch Probleme.

Gerade die langen Buslinien in der Innenstadt – 31er, 32er, 33er – sind in den Top 15 der meistverspäteten Linien. Beim 32er ist im Schnitt jedes dritte Fahrzeug unpünktlich.
Die Busse sind im Mischverkehr unterwegs. Das erschwert die Pünktlichkeit. Bei diesen Linien gibt es zusätzliche Hotspots. Beim 31er ist es zum Beispiel die Hohlstrasse. Dort hat es viel Verkehr, und die Baustelle für die Tramverbindung Hardbrücke behindert den Bus zusätzlich. Zudem steht er regelmässig am Zeltweg im Stau. Beim 32er sind die Verkehrsüberlastungen an der Lang- und der Wehntalerstrasse die Verursacher der Verspätungen.

Und wie wollen Sie diese Probleme lösen?
Wir versuchen, Lösungen zu erarbeiten, zusammen mit anderen Dienstabteilungen der Stadt Zürich. Eine schnelle Lösung gibt es aber nicht.

Weshalb?
Nehmen wir das Beispiel des 32ers an der Langstrasse. Dort prallen viele Interessen aufeinander: Jene der Autofahrer, der Velofahrer, der Fussgänger und unsere. Einfach die Autofahrer auszuschliessen, wäre keine Lösung. Der Verkehr würde sich einfach verlagern. Hinzu kommt der begrenzte Platz: Busspuren wären optimal für pünktliche Busverbindungen, sind dort aber kaum möglich.

Wieso führt man die Busse nicht auf einer anderen Linie?
Die vielen Passagiere zeigen uns: Die Streckenwahl ist die richtige. Es gibt eine grosse Nachfrage. Was würde es bringen, wenn wir eine andere Linie leer fahren würden? Zudem: Grosse Busse durch die Quartiere und Nebenstrassen zu leiten, ist problematisch.

Das klingt etwas verzweifelt.
Nein. Nur gibt es keine einfachen Lösungen, die wir sofort umsetzen könnten.

Richten wir den Blick nach Kilchberg. Dort verkehrt der 163er-Bus. Die unpünktlichste Linie der VBZ.
Das ist so. Die Ursache für die vielen Verspätungen liegt darin, dass der Bus nach dem S-Bahn-Anschluss gerichtet ist. Verspätet sich ein Zug, wird die Verspätung direkt auf die Buslinie übertragen, da wir unseren Passagieren den Anschluss an die Busverbindung garantieren.

Dann könnte man doch die Abfahrtszeit am Bahnhof einfach einige Minuten nach hinten schieben.
So einfach ist das nicht. Dadurch würden wieder unbeliebte Wartezeiten entstehen, wenn die S-Bahn pünktlich ist. Wir müssen bei der Planung jeweils von pünktlichen Verbindungen ausgehen. Zudem würde sich dies auch auf den Anschluss zur S-Bahn auswirken, den wir dann nicht mehr gewährleisten können.

Der 163er hat aber noch ein weiteres Problem: die engen Strassen. Wieso setzen Sie keine kleineren Busse ein?
Weil diese zu wenig Kapazität haben. Das Fahrgastaufkommen entspricht den Midibussen, die dort im Einsatz sind.

Werden Sie Änderungen an dieser Linie vornehmen?
Beim kommenden Fahrplanwechsel wird sich nichts ändern. Wir werden die Abfahrtszeiten aber prüfen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.10.2016, 14:29 Uhr

Zur Person

Peggy Neubert

Peggy Neubert ist Leiterin Qualitätsmanagement der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ).

Artikel zum Thema

Das ist die unpünktlichste VBZ-Linie

Mit wie viel Verspätung sind die Bus- und Tramlinien in Zürich unterwegs? Dazu liegen erstmals detaillierte Daten vor. An einer Haltestelle in der Stadt fährt jede dritte Verbindung zu spät ab. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Geldblog Was taugt die digitale Vermögensverwaltung?
Tingler Moden des Geistes
Mamablog Kind, es tut mir leid!

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Adieu und Adiós: Die Matrosen des mexikanischen Segelschulschiffs Cuauhtémoc haben für die grosse Parade auf der Seine die Masten erklommen. Die Fahrt zum Meer bildet den Abschluss der Armada von Rouen, eine der wichtigsten maritimen Veranstaltungen Frankreichs. (16. Juni 2019)
(Bild: Charles Platiau) Mehr...