Bekommt die Stadt Zürich die Gemeinde-Tageskarte zurück?

Zürich soll wieder günstige Bahn-Tageskarten verkaufen. Einst hat die Stadt sie aus Kostengründen abgeschafft.

Stadtzürcher sollen wieder günstig mit der Gemeinde-Tageskarte durch die Schweiz fahren: Der Glacier-Express beim Bahnhof Preda. Foto: Keystone

Stadtzürcher sollen wieder günstig mit der Gemeinde-Tageskarte durch die Schweiz fahren: Der Glacier-Express beim Bahnhof Preda. Foto: Keystone

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Aeugst am Albis verkauft sie. Rorbas und Regensdorf ebenfalls. Und in Weiningen wären für morgen Dienstag sogar noch zwei SBB-Tageskarten für 44 Franken erhältlich, wie ein Blick auf die Internetplattform Tageskarte-gemeinde.ch am Montagmorgen zeigt. 20 Zürcher Gemeinden sind darauf gelistet, die grösste allerdings, die Stadt Zürich, fehlt.

Die beiden Stadtzürcher Sozialdemokraten Michel Urben und Florian Blättler wollen dies jetzt ändern. Sie haben im Gemeinderat einen Vorstoss eingereicht. Sie fordern den Stadtrat auf, zu prüfen, wie die Stadt in Zukunft wieder SBB-Gemeinde-Tageskarten verkaufen kann. «In Anbetracht der Klimadebatte», schreiben die beiden SP-Gemeinderäte, «ist heutzutage nicht mehr nachvollziehbar, weshalb ausgerechnet die grösste Schweizer Gemeinde keine Gemeinde-Tageskarten zur Verfügung stellt.»

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Es ist nicht der erste Versuch, die Gemeinde-Tageskarte zurückzubringen, die den gleichen Gültigkeitsbereich wie ein Generalabonnement hat. Zürcher Bürgerinnen und Bürger konnten bis 2013 beim Stadtpavillon Urania am Werdmühleplatz die Tickets kaufen. Ein privater Verein erwarb die Tageskarten-Pakete von den SBB, organisierte den Verkauf und trug das finanzielle Risiko. 2013 zog sich der Verein zurück, die Stadt prüfte, ob sie selber in die Bresche springen möchte, entschied sich aber dagegen.

Es hätte zusätzliches Personal gebraucht, sagte eine Sprecherin zu 20min.ch, was das Budget der Stadt belastet hätte. Damals versuchte die CVP im Gemeinderat, den Service für die Bevölkerung zurückzubringen, und forderte, dass ein privater Anbieter gefunden werden solle, der den Verkauf für die Stadt hätte übernehmen sollen. Dies ist laut SBB durchaus möglich, wenn es die Gemeinde denn wünscht.

Hier konnte man früher die Gemeinde-Tageskarten kaufen: Der Stadtpavillon Urania am Werdmühleplatz im Jahr 2013. Foto: Tamedia-Archiv

Bis heute ist dies aber nicht gelungen. Prominent gescheitert ist das Magazin «K-Tipp». Es hätte den Vertrieb gerne übernommen, die Stadt hätte die Lösung begrüsst. «Doch die SBB stellten sich quer», schrieb der «K-Tipp» 2015. Das Konsumentenmagazin wollte die Tickets über eine Buchhandlung im Shop-Ville verkaufen, «die sich auf Grund und Boden der Stadt Zürich und nicht auf ‹Hoheits­gebiet› der SBB» befindet, heisst es weiter.

Denn die SBB untersagen, dass die Tageskarte in Bahnhöfen inklusive dort befindlicher Läden verkauft wird. Die SBB blockten ab. Die Begründung: «Es geht uns darum, eine zu starke Kannibalisierung unseres Standard­sortiments zu vermeiden. Wir wollen mit den Ge­mein­detageskarten Kunden ausserhalb des Bahnumfelds ansprechen», zitiert der «K-Tipp».

Sieg der Gemeinden

Heute sei die Ausgangslage aber eine andere, meinen die beiden SP-Gemeinderäte. Erstens wegen der Klimadebatte. Zweitens wegen der Budgetfragen. Sie sind davon überzeugt, dass das Geld kaum mehr eine Rolle spielen sollte, da heute eine Internetplattform existiere, «über welche diese Tageskarten mit minimalstem personellem Aufwand verkauft werden können.»

Dass die beiden Sozialdemokraten überhaupt noch Gemeinde-Tageskarten fordern können, ist nicht selbstverständlich. Die ÖV-Branche prüfte, das Angebot einzustellen. Doch die Gemeinden und Passagierorganisationen wehrten sich vehement – und erfolgreich. Die Pläne wurden fallen gelassen, die Gemeinde-Tageskarte existiert weiterhin. Und vielleicht auch bald wieder in Zürich.

Erstellt: 14.10.2019, 11:00 Uhr

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