«FCK SVP»: Stadt entschuldigt sich

Die SVP protestiert gegen eine Aktion des Jugendkulturhauses Dynamo. Jetzt geht der Veranstalter auf Distanz. Und auch die Stadt hat reagiert.

Das Corpus Delicti: Der Stempel auf dem Unterarm eines Konzertbesuchers.

Das Corpus Delicti: Der Stempel auf dem Unterarm eines Konzertbesuchers.

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Die Stadtzürcher SVP legt sich mit dem Jugendkulturhaus Dynamo an. Grund ist ein Stempel, der Konzertbesuchern am vergangenen Dienstagabend während eines Konzerts an der Eingangskontrolle auf den Unterarm gedrückt wurde: «FCK SVP» stand darauf, was laut der Partei eindeutig als «Fuck SVP» zu lesen ist – eine derbe Beschimpfung.

Die SVP bezeichnet es in einer Mitteilung als Frechheit, dass eine vollständig von den Zürcher Steuerzahlern finanzierte Institution solche Botschaften gegen eine politische Partei verbreite. Das Dynamo verwirke dadurch ihre Existenzberechtigung. Der fürs Jugendkulturhaus zuständige Stadtrat Raphael Golta (SP) müsse dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederhole. Ansonsten werde die SVP im Gemeinderat darauf hinwirken, die städtischen Gelder dafür ersatzlos zu streichen.

Die Stadt entschuldigt sich

Die sozialen Dienste der Stadt Zürich entschuldigen sich in einer Medienmitteilung für den Vorfall. Die Botschaft auf dem Stempel entspreche «in keiner Art und Weise» der Haltung, die man gegenüber der SVP habe. Das Konzert im Dynamo sei von einem privaten Veranstalter organisiert worden.

Dabei handelt es sich um die Firma Good News. Deren Geschäftsleiter Stefan Matthey distanziert sich ebenfalls vom Anti-SVP-Stempel. «Das geht gar nicht», sagte er gegenüber Radio 1. Matthey betont, dass Good News politisch neutral sei. Den Stempel habe man vom Dynamo erhalten und es versäumt, ihn zu kontrollieren. Das solle künftig nicht mehr geschehen.

Neumarkt: Regierungsrat gab SVP recht

Dass die Drohungen der SVP ernst zu nehmen sind, hat zuletzt der Fall des Neumarkt Theaters gezeigt. Nachdem dort eine Berliner Gruppe mit einem Exorzismus von SVP-Nationalrat Roger Köppel provoziert hatte, ihn verfluchte und ihm eine Ebola-Erkrankung wünschte, wurde die Partei auf mehreren Ebenen aktiv.

Im Gemeinderat reichte sie zusammen mit FDP und CVP eine Motion ein, die vom Stadtrat verlangt, den Subventionsvertrag mit dem Theater auf den nächstmöglichen Termin zu kündigen. Dabei geht es um jährlich 5,4 Millionen Franken.

Die SVP gelangte auch an die Kantonsregierung und stiess dort auf offene Ohren: Die Aktion gegen Köppel wurde von höchster Stelle scharf verurteilt. Noch ist offen, ob der Kanton weiterhin einen Beitrag ans Theater Neumarkt entrichten wird. Der Regierungsrat will im Herbst darüber entscheiden. Bisher hat die kantonale Kulturförderung dem Theater jährlich 330'000 Franken gezahlt. (hub)

Erstellt: 18.08.2016, 08:05 Uhr

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