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Konsi verkauft Wohnungen im Kreis 4 – Bewohner besorgt

Die Förderstiftung des Zürcher Konservatoriums veräussert Wohnungen an den Meistbietenden. Ohne Not, kritisieren Bewohner. Sie fürchten die baldige Kündigung.

Es geht um die Häuser an der Ecke Diener-/Nietengasse in der Bildmitte.
Es geht um die Häuser an der Ecke Diener-/Nietengasse in der Bildmitte.
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Die Förderstiftung Musikschule Konservatorium Zürich hat mit dem Verkauf des prunkvollen Florhofes für über 30 Millionen Franken an die Stadt Zürich vor drei Jahren ein gutes Geschäft gemacht. Ein zu gutes, wie Kritiker damals einwandten. Nun will die Stiftung weitere Millionen einnehmen: Sie verkauft fünf Liegenschaften im Kreis 4 an den Meistbietenden - für einen Mindestpreis von 16 Millionen Franken, wie den Anzeigen auf Homegate zu entnehmen ist.

Zu 6,6 Millionen Franken hat sie die Häuser mit einer Grundfläche von 750 Quadratmetern 1999 übernommen. Damals ging die von Lillyan Ziegler zur Förderung der klassischen Musik gegründete Stiftung in der Förderstiftung der MKZ auf. Zu dem Liegenschaften gehören Häuser an der Nietengasse 5 und 7 an der Dienerstrasse 75/77, der ehemaligen Spenglerei Ziegler im Kreis 4. Betroffen vom baldigen Besitzerwechsel sind die Mieter von 26 Wohnungen, mehrere Kleingewerbler, und die Wirtschaft zum Pflug.

Stadträte eingeschaltet

Dass die Häuser an den Meistbietenden verkauft werden sollen, schreckt Betroffene und Anwohner gleichermassen auf. Hannes Lindenmeyer wohnt eine Strasse weiter an der Hellmutstrasse und hat soeben ein Buch zur Geschichte «seiner» Strasse veröffentlicht. Wer dermassen hohe Preise für die Häuser bezahle, sagt der Autor und Präsident der offen Citykirche St. Jakob, der müsse den bestehenden Mietern bald kündigen. «Weiterwirtschaften wie bis anhin geht dann kaum mehr.»

Lindenmeyer und weitere Quartierbewohner haben Kontakt mit der PWG Stiftung zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen der Stadt Zürich aufgenommen, mit Stadträten Filippo Leutenegger (FDP) und Daniel Leupi (Grüne) sowie mit dem Mieterverband. Sowohl AL als auch die SP haben mit Vorstössen im Gemeinderat reagiert. «Es ist uns wichtig, dass die Häuser in gute Hände kommen», so Lindenmeyer.

Die Anwohner stören sich besonders daran, dass die Stiftung «unnötigerweise» ihre Liegenschaften verscherble. «Sie ist mit einem bescheidenen Auftrag ausgestattet», sagt Lindenmeyer. Tatsächlich nutzt die Stiftung den Erlös aus den 40 Millionen Anlagevermögen grösstenteils, um über die nächsten 30 Jahre die mit der Stadt beim Kauf des Florhofes vereinbarten jährlichen 300'000 Franken an die Musikschule zu überweisen. Nach Abzug der Gebühren fürs Portfoliomanagement reiche das problemlos für die wenigen, jährlich von der Stiftung vergebenen Förderpreise, heisst es im Vorstoss der AL im Gemeinderat.

Konservatorium schwiegt

Weder das Konservatorium noch die Förderstiftung will zur Änderung ihrer Immobilienstrategie und und den zum Verkauf stehenden Liegenschaften etwas sagen, solange die Vorstösse von AL und SP hängig sind.

Die AL möchte mit ihrer Interpellation von der Regierung in Erfahrung bringen, ob Stiftungsgründerin Lillyan Ziegler Vorgaben zur Bewirtschaftung der Liegenschaften gemacht hat, dazu bittet sie um Bekanntgabe des ursprünglichen Zweckartikels. Weiter will sie wissen, ob bei den Verhandlungen zum Verkauf des Florhofes auch die Übernahme der Liegenschaften im Kreis 4 durch die Stadt diskutiert wurden, und sie macht Druck auf die beiden städtischen Vertreter im Stiftungsrat. Sie fragen, ob sich diese für ein Vorkaufsrecht der Stadt Zürich oder der städtischen Wohnbaustiftungen eingesetzt, oder ein solches Angebot haben. Und ganz direkt, ob die Stadt bereit sei, der Stiftung ein Angebot für die Übernahme der Häuser zu machen.

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