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Bilanz einer langen Medienball-Nacht

Fast alles war neu am ältesten Zürcher Ball. Er heisst jetzt Medien- statt Presseball – und seine Bühne am Samstag war das neue Dolder Grand. Ein Fazit in neun Punkten.

1. Die Stimmung. Die drohende Wirtschaftskrise sitzt zwar vielen im Nacken, nicht zuletzt der Medienbranche. Davon war am Samstagabend aber wenig zu sehen und zu hören – ausser Galgenhumor. Der meistgehörte Witz: «Was ist der Unterschied zwischen einer Rezession und einer wirtschaftliche Depression? In einer Rezession verliert dein Nachbar seinen Job; in einer Depression verlierst du selber deinen Job.»

2. Die Gäste. Möglicherweise noch einen Tick illustrer als in den letzten Jahren war die Gästeliste bestückt. Eine Auswahl: die Unternehmer Andy Rihs (Phonak) und Bruno Bencivenga (Navyboot), die beiden ehemaligen Bundesräte Arnold Koller und Christoph Blocher (siehe auch Punkt 10: das Missgeschick des Abends), Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre und SRG-Generaldirektor Armin Walpen, Kathrin Martelli (von Moderator Urs Leuthard bereits als künftige Stadtpräsidentin angekündigt) oder die Zürcher Regierungsmitglieder Rita Fuhrer und Markus Kägi. Alle Politiker waren übrigens auf der Tanzfläche überdurchschnittlich ausdauernd.

3. Die Festbekleidung. Wer von den Herren nicht gerade wieder an der Hüfte enorm zugelegt hatte, hatte sich in seinen treu ausharrenden Smoking gestürzt. Aber auch bei den Damen war dieses Jahr eher Stil als Glamour angesagt. Die grosse Ausnahme: Miss France Valérie Bègue in einem hinreissenden Schleppenkleid.

4. Die Tradition. Der Presseball ist seit urdenklichen Zeiten der wichtigste gesellschaftliche Herbstanlass in Zürich. Da kann nicht einmal ein glamouröser Newcomer wie der Kispi-Ball (wurde letzte Woche erst zum vierten Mal durchgeführt) etwas daran ändern. Und auch wenn er jetzt Medienball heisst, hat sich nichts daran geändert, dass hier Politiker, Wirtschaftsleute, Journalisten und «normale» tanzfreudige Ballbesucher so ungezwungen wie kaum an einem anderen Anlass miteinander tanzen, tratschen und tuscheln.

5. Das Essen. Die Dolder-Küchenbrigade hatte dem Chefkoch des Table au Sud in Marseille gut über die Schultern geguckt. Beim provenzalisch angehauchten 4-Gang-Menü überzeugten die raffinierte Fischsuppe und das perfekt gebratene Rindsfilet. Einziger gastronomischer Wermutstropfen: Wer sich nach dem Diner zum Durstlöschen eine Stange Bier genehmigen wollte, schuldete den Dolder-Kellnern dafür volle acht Franken (siehe dazu auch Punkt 7).

6. Das Dolder als Ballhotel. «Kühl» lautete das überwiegende Urteil der Medienballgäste. Grauer Granit statt roter Samt, Moderne statt Gründerzeit-Hotelherrlichkeit. Die Presseball-Habitués hatten während der Jahre der Verbannung im Marriott und im Kongresshaus sehnlichst die Rückkehr ins Dolder erwartet. Vielleicht waren die meisten gerade darum nicht hundertprozentig glücklich über den alten und neuen Ort des Geschehens.

7. Der gute Zweck. Wer die 690 Franken für die Ballkarte (inklusive Diner) und 25 Franken für ein Tombola-Los aufgeworfen hatte, investierte damit nicht nur ins eigene Vergnügen, sondern auch in die journalistische Qualität (Stiftung Journalistenpreis und Reporter ohne Grenzen).

8. Das Missgeschick des Abends. Der frisch aus Übersee zurückgekehrte Alt-Bundesrat Christoph Blocher holte sich beim ersten Tanz mit seiner Frau Silvia eine blutige Nase. Statt – wie in den letzten Jahren am Presseball üblich – bis lang nach Mitternacht zu tanzen, fuhren die Blochers schon früh nach Hause.

9. Die Nacht ohne Ende. Die meisten der übrigen (offiziell gezählten) 548 Gäste hielten locker durch bis zum üppig bestückten Katerfrühstück im Kongresshaus – begünstigt durch den Umstand, dass durch die Umstellung auf die Winterzeit die Nacht eine Stunde länger dauerte.

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