Die Steppe am See

Die Wiesen in den Seeanlagen gleichen immer mehr Steppenlandschaften. Die Hitze droht die Graswurzeln zu zerstören.

Von der grünen Wiese im Arboretum nahe der Rentenanstalt ist nicht mehr viel zu sehen.

Von der grünen Wiese im Arboretum nahe der Rentenanstalt ist nicht mehr viel zu sehen. Bild: Benno Gasser

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Vor wenigen Wochen leuchtete die Wiese beim Arboretum nahe der Rentenanstalt noch in sattem Grün in der Sonne. Jetzt präsentiert sich die Fläche als braunes Stoppelfeld mit ein paar wenigen Grasbüscheln. Einerseits hat die starke Sonneneinstrahlung die Gräser versengt, andererseits wird die Fläche am Abend und vor allem an den Wochenenden intensiv genutzt. Badetuch reiht sich an Badetuch. Viele Besucher spielen Fussball, Volleyball und schwimmen im See.

Ist diese Wiese überhaupt noch zu retten? Lukas Handschin, Sprecher von Grün Stadt Zürich, beruhigt: «Nach ein paar Regentagen spriessen die Gräser wieder und das Grün kehrt zurück.» Sollte allerdings die Hitzewelle noch längere Zeit anhalten, könnte das Wurzelwerk nachhaltig beschädigt werden. Untätig bleibt Grün Stadt Zürich aber nicht und bewässert beispielsweise die noch stärker frequentierte Blatterwiese beim Chinagarten, die auch nur wenig beschattet ist.

Äste brechen wegen der Hitze spontan ab

Auch in Badeanstalten setzen die Bademeister oder Angestellte von Grün Stadt Zürich Wassersprenger ein, um die Wiesen vor dem Austrocknen zu bewahren. Nach dem Hitzesommer 2003 mussten in den Seeanlagen gewisse Rasenstücke ersetzt werden. Handelt es sich dabei um eine Wiese, die sehr stark frequentiert wird, füllen Spezialisten die Lücke mit Rollrasen. Lässt sich das Wiesenstück einfach absperren, wird neuer Rasen angesät.

Die Hitze hinterlässt nicht nur ihre Spuren in den Wiesen, sondern auch bei den Bäumen. «Gefahr! Spontane Astabbrüche», warnt ein Plakat von Grün Stadt Zürich auf der besagten Wiese nahe der Rentenanstalt. Die Äste einer mehr als 100 Jahre alten Buche drohen wegen der heissen Temperaturen abzubrechen. Deshalb stehen Gitterabsperrungen rund um den mächtigen Baum. Bereits 2011 fiel ein grosser Ast zu Boden. Glücklicherweise verletzte sich dabei niemand. Warum diese Äste abbrechen würden, sei nicht restlos geklärt, sagt Handschin. Vermutlich sei dies ein Schutzmechanismus des Baumes.

Erstellt: 17.07.2015, 14:42 Uhr

Achtung beim Grillieren

Wegen der ungewöhnlichen Trockenheit ist besondere Vorsicht geboten beim Feuern im Freien. Ein Feuerverbot ist im Kanton Zürich zurzeit jedoch nicht vorgesehen. Immer mehr Bauern reichen derweil Gesuche für die Bewässerung ihrer Kulturen mit Fluss- und Seewasser ein. Die Gefahr von Flur- oder Waldbränden ist besonders gross an sonnigen Waldrändern, an lichten Stellen im Wald sowie an Südhängen und windexponierten Lagen. Trockene Gräser und Laub können schnell in Brand geraten.

Daher sollten Feuer nur in befestigten Feuerstellen entfacht, gut überwacht und anschliessend vollständig mit Wasser gelöscht werden, wie die kantonale Baudirektion am Donnerstag mitteilte. Raucherwaren und Zündhölzer dürfen nicht weggeworfen werden.

Kein Wasser aus Bächen

Die anhaltende Trockenperiode hat auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft im Kanton Zürich. So sind beim Kanton mehr Gesuche für Bewässerungen von landwirtschaftlichen Kulturen eingegangen, wie die Baudirektion am Donnerstag mitteilte. Damit die Gesuche möglichst schnell behandelt werden, können nun die Gemeinden Wasserentnahmen aus bestimmten Gewässern bewilligen. Dabei handelt es sich um den Zürich-, Greifen- und Pfäffikersee, sowie Rhein, Thur, Limmat, Sihl, Reuss und Glatt und die Töss unterhalb der Brücke Neftenbach-Pfungen.

Für alle anderen Gewässer bleibt das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) zuständig. Nicht mehr möglich sind provisorische Bewilligungen für die Wasserentnahme aus Bächen. Bereits erteilte Konzessionen können im bisherigen Umfang weitergenutzt werden. (SDA)

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