Blaulichtorganisationen rüsten für die Street Parade auf

Rettungskräfte sind an der Techno-Parade auf das Handynetz angewiesen. Weil dieses aber stets überlastet ist, reagieren sie.

Menschen, so weit das Auge reicht an der Street Parade 2018 – das überfordert die Handynetze.

Menschen, so weit das Auge reicht an der Street Parade 2018 – das überfordert die Handynetze. Bild: Dominique Meienberg

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Das überlastete Handynetz an der Street Parade ist nicht nur für Besucherinnen und Besucher ein Problem, sondern auch für die Blaulichtorganisationen.

Deshalb setze man während der Street Parade 2019 erstmals ein eigenes Mobilfunknetz mit zwei Antennen ein, bestätigt Felix Fischer eine entsprechende Meldung des Regionaljournals Zürich Schaffhausen von Radio SRF. Fischer ist bei Schutz & Rettung verantwortlich für die einsatzkritische Telekommunikation. Aufgestellt würden die Antennen an der Limmat und am Seebecken – also dort, wo auch das Besucheraufkommen am grössten ist.

Daten für die Ortung

Zwar benutze man für die Sprachkommunikation ein eigenes Sicherheitsfunknetz, sagt Fischer. Die Datenkommunikation haben bisher aber ausschliesslich auf den Netzen öffentlicher Provider basiert. Wenn diese zusammenbrechen, könnten etwa die Einsatzkräfte nicht mehr geortet und damit im Gedränge nicht optimal an den Einsatzort geleitet werden. Ausserdem könnten keine Einsatzaufträge mehr übertragen werden.

Das neue Netz funktioniere technisch gleich wie jene von öffentlichen Mobilfunkanbietern, sende aber in einem leicht anderen Frequenzbereich, sagt Fischer. Dadurch könnten handelsübliche Geräte genutzt werden, die dann mit speziellen, nur für die Blaulichtorganisationen erhältlichen SIM-Karten ausgerüstet würden. Die Antennen sollen künftig an allen Grossanlässen im Bereich des unteren Seebeckens eingesetzt werden können.

«Ein Riesenevent wie die Street Parade ist die ultimative Herausforderung für Mobilfunkanbieter.»Jean-Claude Frick, Comparis

Schon bei kleineren Festivals, bei Demos oder in einem vollen Zug könne es zu Überlastungen kommen, sagt Jean-Claude Frick, Telekommunikationsexperte beim Online-Vergleichsservice Comparis. «Ein Riesenevent wie die Street Parade ist die ultimative Herausforderung für Mobilfunkanbieter.» Die Rettungsdienste hätten zwar schon jetzt eine höhere Priorität. Der Aufbau eines eigenen Netzes biete aber zusätzliche Sicherheit.

Echte Entlastung bringt erst 5G

Echte Entlastung bringe der neue Mobilfunkstandard der fünften Generation (5G), sagt Frick. Damit würden die Datenmengen pro Antenne bis zu tausendmal grösser. Es sei damit auch einfacher, die Daten pro Person zu drosseln, sodass alle weiter kommunizieren können. Und die Rettungsdienste hätten darin schon von Beginn weg eine Art eigenes Netz.

Es dauere aber noch, bis die Provider genügend Antennen nachgerüstet und neue aufgestellt hätten – auch wegen Widerständen aus der Bevölkerung.

Die Mobilfunkanbieter rüsten sich

Für die Besucherinnen und Besucher nützt auch der neue Ausbaustandard aber erst dann etwas, wenn sie neue Mobiltelefone haben, die diesen unterstützen, um an der Street Parade dereinst garantiert ohne Empfang dazustehen.

Bis dahin behelfen sich auch die Telekommunikationsanbieter während Grossanlässen mit Sondermassnahmen. Sunrise stellt laut Mediensprecher Rolf Ziebold vier zusätzliche, mobile Anlagen auf. Damit seien jederzeit Sprach- und Datenverbindungen möglich und Netzüberlastungen grundsätzlich ausgeschlossen.

Die Swisscom installiert ebenfalls eine mobile Antenne. Das Netz entlang der Street Parade sei auch abgesehen davon gut ausgebaut, sagt Mediensprecherin Esther Hüsler. Trotzdem könne man nicht ausschliessen, dass das Mobilfunknetz an Spitzenzeiten an seine physikalische Grenze gelangt.

Die Medienstelle von Salt meldet, man optimiere die bestehenden Antennen, ohne deren Sendeleistung zu erhöhen. Zudem verfüge man in Zürich über ein umfassendes Netz an sogenannten «Small Cells». Das sind Stationen mit geringer Ausgangsleistung, die spezifisch zur Unterstützung von Grossanlässen mit erhöhten Sprach- und Datenanforderungen konzipiert worden seien.

Erstellt: 08.08.2019, 17:19 Uhr

Vorschriften für Drohnen

Die Stadtpolizei Zürich rät in einer Medienmitteilung dringend davon ab, an der Street Parade mit Drohnen zu fliegen. Würden mit Drohnen Menschenleben, die Gesundheit von Personen oder Sachen Dritter gefährdet – was bei einem Überflug von Menschenmengen an der Street Parade in der Regel der Fall sein werde – könnten die Betreiberinnen und Betreiber kontrolliert und ans Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) rapportiert werden. Beim BAZL liegt die Strafverfolgungskompetenz.

Schon während des Züri-Fäscht beschäftigten private Drohnen über dem Festgelände die Polizei. Allein am Samstag habe man mehrere Dutzend Drohnen registriert, meldete die Stadtpolizei Zürich nach dem Fest – und kündigte an, Massnahmen für künftige Grossanlässe zu prüfen, etwa ein Flugverbot. Darauf verzichtet sie nun an der Street Parade.

Ein Verbot bringe nur dann etwas, wenn man auch die technischen Mittel habe, um es durchzusetzen, gab die Polizei nach dem Züri-Fäscht zu bedenken. Diesbezüglich stecke man noch in der Anfangsphase, sagte Sprecher Marco Cortesi. Man prüfe geeignete technische Systeme.

Zwar ist es grundsätzlich erlaubt, mit privaten Drohnen ohne Bewilligung über öffentlichen Grund zu fliegen. Doch gibt es rechtliche Schranken: So dürfen Drohnenpiloten nicht näher als 100 Meter an Menschenansammlungen heran. Auch das Überfliegen grosse Personengruppierungen ist untersagt. Für Ausnahmen dieser Regelung bräuchte es eine Bewilligung des BAZL. (hwe/saf)

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