Block in Stadt Zürich evakuiert – wegen Bettwanzen

Das Ungeziefer hat eine Wohnüberbauung in Albisrieden heimgesucht. 79 Menschen mussten umgesiedelt werden.

Bettwanzen-Alarm in Albisrieden: 79 Personen dmussten aus einer Wohnüberbauung am Wydäckerring evakuiert werden.

Bettwanzen-Alarm in Albisrieden: 79 Personen dmussten aus einer Wohnüberbauung am Wydäckerring evakuiert werden. Bild: Screenshot Google Maps

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Es wimmelt nur so von ihnen in den Schlafzimmern. Weltweit, landesweit, in Zürich. Marcus Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Schädlingsprävention der Stadt Zürich, spricht aktuell von einer rekordverdächtigen Bettwanzeninvasion. Tag für Tag würden mehrere verzweifelte Bewohner anrufen und professionelle Hilfe anfordern. Und noch immer zeige die Kurve nach oben.

Auf solch professionelle Hilfe angewiesen sind beim jüngsten grösseren Befall derzeit 79 Personen des Asylbereichs. Sie mussten aus der älteren Wohnüberbauung am Wydäckerring in Albisrieden evakuiert werden, die von der Stadtzürcher Fachorganisation AOZ seit Mai 2011 zwischengenutzt wird. Fast alle sind nun für etwa einen Monat in leer stehenden Liegenschaften in den Kreisen 4 und 5 untergebracht.

Die AOZ habe im vergangenen April die Meldung erhalten, dass eine Klientin von Bettwanzen gestochen worden sei, erklärt Thomas Schmutz, Leiter Kommunikation der Fachorganisation. Ihre Wohnung sei anschliessend mit einem Bettwanzenspürhund überprüft und ihre Möbel tiefgekühlt worden, um die Schädlinge zu eliminieren. Nach erneuten Meldungen weiterer Bewohnerinnen und Bewohner liess die AOZ in der betreffenden Überbauung eine umfassende Befallsanalyse durchführen. Dabei habe es sich gezeigt, dass 32 von insgesamt 49 Studios befallen seien. «Damit war klar, dass die ganze Liegenschaft gegen Bettwanzen zu behandeln ist», so Schmutz weiter.

Grosse Säuberungsaktion

Seit knapp zwei Wochen läuft am Wydäckerring im Triemli-Quartier eine gross angelegte Säuberungsaktion. Wenn das Haus dank der speziellen Wärmebehandlung aller Räumlichkeiten wieder hundertprozentig wanzenfrei ist, werden die ausquartierten Personen gegen Mitte Oktober dahin zurückkehren können. Gemäss den Erfahrungen der letzten Jahre bei der Bettwanzenbehandlung in der Stadt Zürich ist für eine Schädlingsbekämpfung in dieser Grössenordnung mit 30'000 bis 55'000 Franken zu rechnen.

Bettwanzen werden aus dem Ausland eingeschleppt. Es gilt als erwiesen, dass Reisende, die sich häufig in Hotels aufhalten, die Verbreitung begünstigen, ebenso Einwanderer aus ärmeren Ländern. Auch die Zunahme des internationalen Warenverkehrs fördert die Invasion des Ungeziefers.

Die Viecher sind fies. Sie haben es auf Menschenblut abgesehen, machen sich in Schlafzimmern in allen möglichen Spalten, Ritzen und Fugen breit und stechen in der Dunkelheit zu. Bis die beissenden Stiche ausgeheilt sind, dauert es mindestens 14 Tage. Hin und wieder kommt es zu Infektionen, die mit einer antibiotischen Salbe behandelt werden müssen.

Ein seltener Fall

Die Frage, wie häufig ein Haus wegen Bettwanzen geräumt werden müsse, kann die Schädlingsprävention vom Umweltund Gesundheitsschutz Zürich nicht abschliessend beantworten. Laut Marcus Schmidt werden solche Fälle selten gemeldet, momentan seien es nicht mehr als fünf pro Jahr. «Bei den meisten Fällen, in denen ganze Wohnblocks betroffen sind, wenden sich die Eigentümer oder Liegenschaftsverwaltungen direkt an professionelle Schädlingsbekämpfer.» Deswegen sei die genaue Zahl nicht bekannt.

Für die AOZ ist es laut Mediensprecher Thomas Schmutz bisher das dritte Mal, dass die umfassende Behandlung einer Liegenschaft vonnöten war. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.09.2017, 09:38 Uhr

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