Brand bei Smide: Ist in Zürich ein E-Bike explodiert?

Beim E-Bike-Anbieter in Wiedikon ist am Montagabend ein Feuer ausgebrochen. Anwohner mussten wegen des Rauchs evakuiert werden.

Die Akkus von Smide-Rädern sind brandgefährlich.

Die Akkus von Smide-Rädern sind brandgefährlich. Bild: Urs Jaudas

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Kurz nach 20 Uhr ist am Montagabend in einem Mehrfamilienhaus an der Birmensdorferstrasse im Kreis 3 ein Feuer ausgebrochen. Der Brand war zwar schnell gelöscht, aber es kam zu starker Rauchentwicklung mit teilweise giftigen Dämpfen. Pikant am Vorfall ist: Im Erdgeschoss und Keller des Gebäudes ist der E-Bike-Sharing-Anbieter Smide seit einigen Monaten mit seiner Hauptfiliale eingemietet. Platz hat es für 300 Elektrofahrräder. Und Smide soll auch für den Brand verantwortlich sein.

Denn der Brandherd befand sich im Keller. Dort lagert und lädt Smide einen Teil seiner mit Lithium-Ionen-Batterien betriebenen Räder. Die Feuerwehr sprach gegenüber Anwohnern am Montagabend davon, dass die Batterien gebrannt und die ätzenden Gase verursacht hätten. Die Bewohner wurden für den zweieinhalbstündigen Einsatz von Schutz und Rettung Zürich evakuiert.

Smide will die Aussage, Batterien hätten den Brand ausgelöst, dem «Tages-Anzeiger» nicht bestätigen. «Wir hatten einen technischen Defekt», heisst es vonseiten der Pressestelle. Die Verantwortlichen des E-Bike-Anbieters wollen zu einem späteren Zeitpunkt genauer über den Vorfall informieren. Die Stadtpolizei macht ebenfalls noch keine Angaben zur Brandursache.

Entladung als Brandursache

Lithium-Ionen-Batterien sind das Herzstück der neuen Elektromobilität, weil sie auf kleinem Raum viel Energie speichern können. Aber längst ist bekannt, dass die Batterien auch ein gewisses Gefahrenpotenzial bergen. Keller und Wohnungen sind wegen Akkus von E-Bikes schon ausgebrannt. In Winterthur ging vor Jahren aus dem gleichen Grund ein ganzes Velogeschäft in Flammen auf.

Gründe für eine Entzündung gibt es viele. Der Defekt eines Akkus kann eine der Ursachen sein. Sobald aus einer Batterie Gase austreten, sollte man deshalb die Feuerwehr alarmieren. Zu grosse Hitzeeinwirkung kann eine Batterie auch entzünden. Deshalb sollte man E-Bikes und E-Scooter sommers in den Schatten stellen. Zuletzt kann auch eine Tiefenentladung einen Brand auslösen. Diese tritt ein, wenn man ein Gerät weiter benutzt, auch wenn der Akku bereits auf dem Minimum ist. Eine Tiefenentladung kann zu Zellschäden und damit zu einer Selbstzerstörung führen. Im Ausnahmefall kann es auch zu einer unkontrollierten Freisetzung der gespeicherten Energie kommen – der Akku explodiert.

Akkus richtig überwintern

Die Beratungsstelle für Brandverhütung rät deshalb: Akkus bei Umgebungstemperaturen zwischen 10 und 30 Grad zu laden. Wer die Akkus länger nicht benutzt, etwa während der Einwinterung des Bikes, soll sie vom Gerät trennen und halbvoll geladen lagern.

Mit der immer grösseren Anzahl Batterien, die im Umlauf sind, werden sich aber die Brände häufen. Die Möglichkeit, dass es bei einem E-Bike-Sharing-Anbieter erneut zu einem Brandfall kommt, ist deshalb gross.

Sicherheitsrisiko E-Bike-Anbieter?

Die Hausbewohner machen sich deshalb Sorgen um ihre Sicherheit. Im Fall von Smide hat eine Person aus dem Haus Schutz und Rettung alarmiert. Eine speziell Rauchmeldeanlage fehlt im Keller. Auch sonst sind einige Frage nach geeigneten Brandschutzmassnahmen noch offen. Experten haben für diese Fragestellungen noch keine adäquaten Lösungen.

Die Bewohner konnten kurz vor Mitternacht wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Verletzt wurde niemand. In den kommenden Tagen müssen sie aber mit dem Rauch leben, der sich im ganzen Haus ausgebreitet hat.

Erstellt: 14.01.2020, 12:07 Uhr

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