Brunaupark: Mieterverband will zurückbuchstabieren

500 neue Wohnungen will die Pensionskasse der Credit Suisse in Zürich-Wiedikon bauen. Doch die Linke stellt sich quer.

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Auf dem Gebiet Brunaupark zwischen Saalsporthalle und Albisgütli kündigen sich grosse Umwälzungen an. Die Pensionskasse der Credit Suisse will den grössten Teil der jetzigen Siedlung, in der beispielsweise die Migros eingemietet ist, abbrechen. Betroffen sind rund 240 Wohnungen. Drei Bauten aus den Jahren 1982, 1993 und 1996 sollen ersetzt und durch Neubauten ersetzt werden. Diese sollen knapp 500 moderne Wohnungen umfassen, wie die CS-Pensionskasse am Donnerstag mitgeteilt hat.

Die bestehenden Mieterinnen und Mieter haben heute die Kündigung erhalten. Man habe den Betroffenen «viel Vorlaufzeit» gewährt, teilte die Pensionskasse mit. Jenen Bewohnern, deren Wohnungen von der ersten Bauetappe betroffen sind, wurde als Auszugstermin der Juni 2020 bezeichnet. Der Start der zweiten Etappe ist für 2023 terminiert. Die Betroffenen würden bei der Wohnungssuche unterstützt, man habe eine Hotline eingerichtet. Zudem gebe es für Personen über 65 Jahren ein zusätzliches Beratungsangebot.

2200 bis 2650 Franken für 3,5-Zimmer-Wohnung

Die neuen Wohnungen sind gemäss Mitteilung preislich im «mittleren Segment» angesiedelt. Das heisst konkret: Die Nettomiete für eine 3,5-Zimmer-Wohnung soll zwischen 2200 und 2650 Franken liegen, jene für eine 4,5-Zimmer-Wohnung zwischen 2750 und 3200 Franken. Gemäss dem Zeitplan der CS-Pensionskasse soll die Überbauung bis 2026 realisiert sein.

Nicht betroffen ist die Siedlung Wannerstrasse 31 bis 49 mit 166 Wohnungen. Sie bleibt bestehen. Auf dem restlichen Areal am Fuss des CS-Üetlihofs sollen neben den neuen Wohnungen grosszügige Grün- und Gartenräume sowie eine Verbindung zur nahen Allmend entstehen.

Auch das Einkaufszentrum wird gesamterneuert, die Migros mit ihren Fachmärkten bleibt auf dem Areal. Das Dach des Zentrums wird begrünt und der Mieterschaft zugänglich gemacht, schreibt die CS. Die neue Siedlung soll weitgehend ohne fossile Brennstoffe auskommen: Der Energiebedarf wird mit Erdwärme und Fotovoltaikanlagen gedeckt.

Die Arbeit am Ladenzentrum wird als Erstes aufgenommen. Während des Baus ist ein grosses Provisorium mit «ausreichend Parkplätzen» vorgesehen.

Streit um Mietzinskontrolle

Ob die CS-Pensionskasse ihre Pläne gemäss ihren Vorstellungen realisieren kann, ist allerdings fraglich. Stadt und Pensionskasse sind sich nicht einig, wie mit der Mietzinskontrolle umgegangen werden soll. Aktuell ist es so, dass bis 2023 92 Wohnungen nur zur Kostenmiete vermietet werden dürfen, für weitere 78 Wohnungen gilt diese Bestimmung bis 2026.

Konkret geht es darum, was mit den 78 Wohnungen geschieht, die bis 2026 der Mietzinskontrolle unterstehen. Offenbar hatten sich die CS-Vertreter zusammen mit Vertretern der Stadt auf eine Abmachung geeinigt: Demnach wäre die Zahl der Kostenmiete-Wohnungen auf 16 reduziert worden, dafür wären sie weitere 20 Jahre verbilligt vermietet worden.

Stadtrat André Odermatt hat nun aber am Mittwochabend im Gemeinderat erklärt, dass der Stadtrat mit dieser Abmachung nicht einverstanden sei. Der Stadtrat will, dass die vertraglich vereinbarte Mietzinskontrolle bis 2023 beziehungsweise 2026 regulär erfüllt wird. Das hat zur Konsequenz, dass die CS-Pensionskasse den Zeitplan ihres Projekts ändern muss. Die Stadt will nun mit den Vertretern der Pensionskasse über eine neue Etappierung des Brunaupark-Projekts reden.

«Kündigungen zurücknehmen»

Der Zürcher Mieterverband fordert nun umgehend den «Rückzug der voreilig ausgesprochenen Kündigungen». Zudem brauche es einen runden Tisch, an dem über die Zukunft des Areals diskutiert werde. Die CS-Pensionskasse will weder einen solchen Tisch noch einen Widerruf der Kündigungen, betont aber, dass man mit der Stadt Zürich «im Gespräch bleibe».

Mieterverband, SP, Grüne und AL haben ihr Missfallen gegenüber dem Brunauprojekt bereits in einer Motion zum Ausdruck gebracht, welche der Gemeinderat für dringlich erklärt hat. Darin fordern sie eine Gestaltungsplanpflicht für das Areal.

(pu/han)

Erstellt: 28.03.2019, 10:27 Uhr

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