Burglind bremste Zürich aus

Das Sturmtief fegte durch den Kanton, riss Bäume um und schüttelte Flugzeuge durch. Die Einsatzkräfte waren im Dauereinsatz.

Hart am Wind: Ein Flugzeug startet durch. (Video: Leserreporter)

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Das Sturmtief Burglind hat sich inzwischen wieder verzogen. Die Sturmwarnung des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie galt aber bis am Mittwochabend um 21 Uhr – die Polizei rät noch immer zur Vorsicht im Freien.

Besonders stark wütete Burglind am Mittwochvormittag zwischen 10 und 12 Uhr im Kanton Zürich. An exponierten Lagen wie dem Uetliberg haben Meteorologen in dieser Zeit Windspitzen von 155 km/h gemessen. Laut Meteo Schweiz wurde in Wädenswil mit 150 km/h die stärkste Flachland-Böe schweizweit verzeichnet.

Burglind reisst Bäume um (Video: Leserreporter)

Meldungen im Minutentakt

Die Kantonspolizei wurde buchstäblich von Meldungen überrollt. Mehr als 230-mal klingelte in der Einsatzzentrale das Telefon. Die Polizei wurde unter anderem aufgeboten, weil der Wind Trampoline, Blachen, Ziegel und andere Gegenstände auf die Strasse geweht hatte. Um 13 Uhr musste die Kantonspolizei schliesslich die Bevölkerung per Medienmitteilung dazu auffordern, «die Notfallnummer 117 nur für Notfälle zu wählen und alle anderen Meldungen an die Hauptnummer 044 247 22 11 zu richten».

Timber am Helvetiaplatz: Burglind wütet in der Stadt Zürich (Bild: Doris Fanconi)

Die Einsatzkräfte waren im ganzen Kantonsgebiet unterwegs. Über 600-mal musste Schutz & Rettung Zürich bis am Mittwochabend ausrücken. Laut Peter Wullschleger, Kommandant Feuerwehr & Zivilschutz, standen fast alle Milizfeuerwehreinheiten im Einsatz. Das sei im Kanton Zürich sehr selten notwendig.

Nach bisherigen Erkenntnissen sind im Zusammenhang mit dem Sturm keine Verletzten zu beklagen. Gemäss Medienmitteilung der Kantonspolizei Zürich löste der Sturm aber Alarmanlagen aus und deckte bei einigen Häusern die Dächer ab. Mehrere Anhänger kippten wegen starker Windböen um, und auf Zürcher Seen wurden diverse Boote losgerissen.

Der Sturm tobt am Zürichsee: Wellenschlag in Männedorf (Video: Lea Koch)

Weil Burglind derart tobte, mussten Tausende Haushalte in der Region Zürichsee während rund fünf Stunden ohne Strom auskommen: Zwei Hochspannungsmasten wurden von umstürzenden Bäumen beschädigt. Die Stromleitung von Stäfa nach Aathal sowie von Stäfa nach Herrliberg war unterbrochen. Ein Stromausfall sorgte auch dafür, dass einige Lichtsignale auf Kantonsgebiet zwischenzeitlich ausgefallen sind.

Bahnbetrieb unterbrochen, Busstrecke gesperrt

Am Flughafen Zürich herrschte um die Mittagszeit Warnstufe 4 von 6. Am Vormittag mussten wegen der starken Winde zehn Flugzeuge durchstarten, elf Flüge wurden annulliert, vier Maschinen mussten auf andere Flughäfen ausweichen. Bis am Abend wurden 20 Durchstarts verzeichnet.

Dieser Pilot hat die Winde ebenfalls gespürt, ist aber gelandet. (Video: Pascal Unternährer)

Aufgrund der Sturmböen musste die Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) den Schifffahrtsbetrieb einschränken, an Land haben umgestürzte Bäume oder andere Unwetterschäden im ganzen Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) zu zahlreichen Kursausfällen, Betriebseinstellungen und Umleitungen geführt. So konnten die Buslinien 701, 743 und 751 während gut vier Stunden nicht auf ihren regulären Strecken verkehren. Auch die Forchbahn war blockiert, weil in Zumikon ein Baum auf die Fahrleitung gefallen war.

Zwischen 10 und 13 Uhr hatten die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) den Betrieb der Polybahn und der Seilbahn Rigiblick eingestellt, die Luftseilbahn Adliswil–Felsenegg (LAF) verkehrte seit den frühen Morgenstunden nicht mehr. Auch mit der S 10 konnte man zeitweise nicht auf den Uetliberg gelangen: Die Strecke war zwischen Uitikon-Waldegg und Uetliberg unterbrochen. Von einem Waldspaziergang ist nach wie vor aufgrund herunterfallender Äste oder Bäume abzuraten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.01.2018, 13:26 Uhr

Surfer auf dem Zürichsee



Surfer wagt sich trotzt Sturm bei Meilen auf den Zürichsee (Video: Leserreporter)

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