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Burkhalter sieht in Zürich das «Zentrum des Wissens»

Am traditionellen ETH-Tag hat Bundesrat Didier Burkhalter die Hochschule gelobt. Die ETH fühlt sich jedoch von der Politik in mehreren Punkten im Stich gelassen.

Die ETH habe zur Prosperität der Schweiz Wesentliches beigetragen, sagte der Bundesrt. Gleichzeitig appellierte er an die Wissenschaftler, ihre Verantwortung gegenüber der Welt wahrzunehmen.

Die Forschenden der ETH leisteten ohne viel Aufhebens herausragende Arbeit, sagte der Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) am Samstag gemäss Redetext. Dabei seien sie nie alleine gestanden, sondern hätten stets den Austausch mit anderen Hochschulen, Forschungsanstalten und Firmen gepflegt.

Burkhalter fordert «Wissenschaftsdiplomatie»

Die nationale und internationale Vernetzung der ETH Zürich bezeichnete Burkhalter als «beeindruckend». Diese Kontakte seien wichtig in einer Zeit, in der auf der internationalen Bühne neue Partner in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft auftauchten.

Heute und in Zukunft gelte es, im Bereich der «Wissenschaftsdiplomatie» Brücken zu schlagen zu Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien. Es gehe darum, diese aufstrebenden Länder als Partner anzuerkennen, ohne deshalb die traditionellen Beziehungen etwa zu den USA und Deutschland zu vernachlässigen.

Massnahmen zur Qualitätssicherung

Zur wachsenden Zahl europäischer Studierender an der ETH sagte Burkhalter, der Bundesrat werde deren Einfluss auf die Qualität der Studien aufmerksam analysieren. Falls nötig, werde man «notwendige Massnahmen» ergreifen, auch wenn diese unbeliebt seien.

Gleichfalls stellte der Departementschef eine ausreichende Finanzierung in Aussicht: Die Beiträge für Bildung und Forschung würden weiterhin stärker erhöht als in anderen Bereichen. Dies sei ein «bescheidenes, aber klares Zeichen», hielt Burkhalter fest.

Auf die Finanzierungsfrage kam auch ETH-Rektorin Heidi Wunderli- Allenspach zu sprechen. In ihrer Ansprache betonte sie, dass die Budgetmittel seit 2003 nur um 4 Prozent angestiegen seien. Gleichzeitig habe aber die Anzahl Studierender um 23 Prozent, jene der Professoren um 9 Prozent zugenommen.

Diese Entwicklung habe zu einer dramatischen Raumknappheit geführt, die in den nächsten sechs Jahren Bauvorhaben in der Höhe von einer Milliarde Franken nötig machten. Weil diese Ausgaben grösstenteils aus Budgetmitteln bestritten werden müssten, sei die Schulleitung gezwungen, das Globalbudget um 2,5 Prozent zu kürzen.

Unpopulärer Entscheid

Dies sei «ein bitterer und unpopulärer Entscheid in Zeiten, in denen andernorts sogar bei weniger guten Leistungen Boni ausgeschüttet werden», sagte die Rektorin gemäss Redetext.

Laut Wunderli-Allenspach hat sich die ETH in den vergangenen sieben Jahren nur durch die Umlagerung von Mitteln sowie durch eine Steigerung des Drittmittelanteils entwickeln können. Dieser mache mittlerweile rund 20 Prozent des Gesamtbudgets aus.

Herausforderung Bologna-Reform

Die Entwicklung der Studierendenzahlen stelle die Lehre vor besondere Herausforderungen. Mit der Bologna-Reform und der Einführung des Bachelor- und Master-Studiums erweise sich die ETH als äusserst attraktiver Studienort: So seien im letzten Bewerbungszeitfenster rund 2600 Anträge von Bachelors aus 60 Ländern eingegangen - etwa 700 mehr als im Vorjahr.

Die Rektorin appellierte deshalb an die Politik, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, damit die Qualität gewahrt werden kann. Diese Massnahmen sollen ermöglichen, dass die ETH sowohl qualitative wie auch quantitative Kriterien bei der Aufnahme von Nicht-ETH- Bachelors anwenden könne.

Am ETH-Tag wurden ferner sieben Ehrendoktorwürden verliehen. Ausgezeichnet wurden unter anderem die beiden Entdecker der Quantenkryptographie, der US-Amerikaner Charles H. Bennett und der Kanadier Gilles Brassard sowie der deutsche Ingenieur Norbert Peters.

SDA/miw

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