Bye Bye Hosenbein

Die legendärste und waghalsigste aller Zürcher Autobahneinfahrten ist ab Montag Geschichte. Wir mussten sie einfach noch einmal nehmen.

Vielleicht am berühmtesten Stopp-Schild Zürichs vorbei und Vollgas: Fahrt vom Hosenbein auf die A1. Video: Patrice Siegrist, Chauffeur: David Sarasin

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Von null auf 60 Stundenkilometer in wenigen Sekunden. Jede Autofahrerin und jeder Autolenker kennt die Autobahneinfahrt zur sogenannten Schwamendinger Schneise, zur A1L, wie sie in Beamtendeutsch heisst. Eigentlich zum Schandstreifen Schwamendingens, dieser seit etlichen Jahrzehnten geteilten Gartenstadt.

Die Einfahrt heisst Zürich-Aubrugg, und vielleicht kennen sie doch nicht alle. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Zürich-Saatlen aber schätzten sie, weil die Zufahrt ihr Quartier vor dem Durchgangsverkehr schützte.

Der Stunt von Zürich-Nord

Das Halten beim Stoppschild, die von der Schallschutzwand begrenzte Sicht, vom Stopp direkt auf die Autobahn. Es war eine Herausforderung, nicht zuletzt für Fahrschülerinnen und Fahrschüler. Es war der ultimative Test im kontrollierten, aber auch zügigen Beschleunigen. Denn genau das war hier nötig, wollte man nicht von der Verkehrslawine aus dem Norden überrollt werden. Eine extra Spur dafür gibt es an dieser Stelle nicht. Es war ein eigentlicher Stunt.

Der Volksmund sagte zu dieser eigentümlichen Autobahneinfahrt auch Hosenbein. Doch warum in der Vergangenheitsform? Am Montag, 7. Januar 2019, um 9 Uhr, wird das Hosenbein hinaufgelitzt oder – nochmals in Beamtensprache – permanent gesperrt.

Kein Platz für ein «Tunnelbein»

Grund für den Eingriff, der mehr ist als eine modische Korrektur, ist der Bau der Einhausung. Die Autobahn wird zum Haus. Zum oberirdischen Tunnel. Da hat es keinen Platz mehr für ein solches Hosenbein. Alle politischen Bestrebungen, den Bund als Bauherrn von einem Tunnelbein zu überzeugen, schlugen fehl. «Entspricht nicht den aktuellen Normen und Richtlinien für Nationalstrassen», heisst es trocken. Der Mehrverkehr im Quartier nach der Hosenbein-Aufhebung soll nicht mehr als 10 Prozent betragen, versichern die Verkehrsplaner des Bundes.

Für uns war dieses für Zürich-Nord einschneidende Ereignis Grund genug, nochmals diese waghalsigste aller Autobahneinfahrten abzufahren.


Schwamendingen erhält ein Dach:

Einhausung Schwamendingen: Zwischen Schöneich und Aubrugg wird die Autobahn überdacht. Video: Lea Blum


Video: Geisterstadt in Schwamendingen

Mehr als zwanzig Gebäude müssen dem Bauwerk weichen: Der Bau der Einhausung Schwamendingen hat begonnen. Video: Tamedia Webvideo/leu (Dezember 2017)


(pu/dsa)

Erstellt: 04.01.2019, 17:40 Uhr

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