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Fans in Zürich: «Champion du monde, c’est moi!»

Es war ein hochemotionaler WM-Final im Zürcher Public-Viewing. Auch, oder besonders, aus Kinderperspektive.

Mitfiebern auf den Schultern: Französische Fans am Zürcher Public Viewing.
Mitfiebern auf den Schultern: Französische Fans am Zürcher Public Viewing.
Sabina Bobst

Es war alles hergerichtet für das grosse Fest. Womöglich das grösste, dass die Kroaten aus sportlicher Sicht je hätten feiern können. Vor der Public-Viewing-Arena auf dem Turbinenplatz im Zürcher Kreis 5 reihen sich die Autos der kroatischen Fans Tür an Tür. Die Blau-rot-weissen Flaggen säuberlich an die Scheiben montiert, bereit für die Abfahrt zum erhofften Hupexzess.

Nach dem Spiel jubeln allerdings jene, die heute in krasser Unterzahl vertreten sind: Les bleus! Immerhin 4458 Menschen mit französischem Pass wohnen in der Stadt. Wo sind sie alle bloss geblieben?

Video - Fans feiern an der Langstrasse

Zwischen Schreikrampf und Freudenschrei

Im Inneren des Public-Viewings haben sich in den vergangenen 90 Minuten emotionale Dramen abgespielt. Bei Kindern waren die Gefühlsstürme am besten zu beobachten: Ungefiltert, stets zwischen Schreikrampf und Freudenschrei. Lionel ist bei letzterem angelangt. Mit seinen Grosseltern befindet sich der sechsjährige Franzose auf Durchreise in der Schweiz. Diesen Abend auf dem Turbinenplatz wird er vermutlich sein Leben lang nicht vergessen. «Champion du monde, c’est moi!», schreit Lionel. Auf der Rückseite seines Shirts prangt die Nummer 15 für Paul Pogba, einer der französischen Superstars und Torschütze zum 3:1. Viele Fans, mit denen Lionel sein Glück hätte teilen können, befinden sich aber nicht in der Arena.

In der obersten Reihe sitzen die kroatischen Geschwister Ana und Nikola, beide noch nicht im Schulalter angekommen. Sie weinen. Es war das bittere Ende einer emotionalen Achterbahnfahrt, die schon früh in der ersten Hälfte begann:

17. Minute: Ana und Nikola müssen sich in Pose bringen. Ihre Mutter möchte die sorgfältig verkleideten Kinder auf einem Foto verewigen: Rot-weisse Schminke im Gesicht, gut sitzende Fussballshirts und strahlendes Gelächter. 18. Minute: Ausgerechnet jetzt fällt das 1:0 für Frankreich. Die Mutter möchte das Foto aber doch noch machen. Ana weint, Nikola kann sich knapp zurückhalten. 28. Minute: Ausgleich durch Periši?. Die Kinder spicken in die Höhe. Nikola rüttelt an der Abschrankung der VIP-Zone – bei einem Erwachsenen wäre nun der Security herbeigeilt. 36. Minute: Elfmeter für Frankreich, Griezmann versenkt, Nikola schreit: «Neeein, neeein!» Die Geschwister weinen jetzt beide. 40. Minute: Die Mutter setzt zum nächsten Foto an – ausgerechnet jetzt, wo die Kinder wieder weinen! 47. Minute: Die Kinder erscheinen überraschend munter aus der Pause zurück, ob es am Glacé liegt, das beide in der Hand halten? 49. Minute: Ana muss aufs Klo. Das Spiel plätschert jetzt so vor sich hin. 59. Minute: Pogba schiesst das vorentscheidene Tor. Ein paar Dutzend Sitzreihen weiter unten jubelt Lionel, der Bub mit dem Pogba-Shirt. Bei Ana und Nikola gibt es für den Rest des Spiels nur noch eins zu sehen: Bittere Tränen.

Video - Franzosen bejubeln den WM-Titel

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