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Christoph Mörgeli muss Iris Ritzmann entschädigen

Die Hauptverdächtige in der Mörgeli-Affäre wurde freigesprochen. Nun beginnt ihr nächster Kampf.

Angeklagt wegen Amtsgeheimnisverletzung: Iris Ritzmann auf dem Weg zum Zürcher Bezirksgericht am Freitag, 28. November 2014. Im Folgenden eine Chronologie des Falls in Bildern.
Angeklagt wegen Amtsgeheimnisverletzung: Iris Ritzmann auf dem Weg zum Zürcher Bezirksgericht am Freitag, 28. November 2014. Im Folgenden eine Chronologie des Falls in Bildern.
Walter Bieri, Keystone
11. September 2012: Der «Tages-Anzeiger» veröffentlicht Auszüge aus einem internen Bericht der Universität Zürich. Der Bericht erhebt schwere Vorwürfe gegen Christoph Mörgeli. (Bild: Im Medizinhistorischen Museum am 10. September 2012)
11. September 2012: Der «Tages-Anzeiger» veröffentlicht Auszüge aus einem internen Bericht der Universität Zürich. Der Bericht erhebt schwere Vorwürfe gegen Christoph Mörgeli. (Bild: Im Medizinhistorischen Museum am 10. September 2012)
Sabina Bobst
10. September 2014: Auch Flurin Condrau kommt nicht um eine Strafuntersuchung herum. Mörgeli hatte seinen früheren Chef 2012 angezeigt. Condrau wehrte sich bis vor Bundesgericht gegen ein Verfahren – vergeblich.
10. September 2014: Auch Flurin Condrau kommt nicht um eine Strafuntersuchung herum. Mörgeli hatte seinen früheren Chef 2012 angezeigt. Condrau wehrte sich bis vor Bundesgericht gegen ein Verfahren – vergeblich.
Walter Bieri, Keystone
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Für die Medizinhistorikerin Iris Ritzmann geht eine lange Leidenszeit zu Ende. Wie die NZZ berichtet, wurde die Hauptverdächtige in der Affäre Mörgeli definitiv freigesprochen. Dies hält das Zürcher Obergericht in einem Beschluss vom 14. März 2017 fest.

Der Rechtsstreit hatte damit begonnen, dass die Staatsanwaltschaft davon überzeugt war, dass Ritzmann im Herbst 2012 dem «Tages-Anzeiger» zwei brisante Berichte weitergab, in denen SVP-Politiker und Medizinhistoriker Christoph Mörgeli massiv kritisiert wurde. Christoph Mörgeli musste daraufhin seine Professur am Medizinhistorischen Institut der Universität Zürich abgeben. Die Strafverfolger versuchten Ritzmann Amtsgeheimnisverletzung nachzuweisen. Im November 2013 wurden Ritzmann und ihr Ehemann festgenommen und ihre Wohnung durchsucht. Die Universität Zürich kündigte der Titularprofessorin und ehemaligen stellvertretenden Leiterin des Medizinhistorischen Instituts wegen illoyalem Verhalten, das das Vertrauensverhältnis schwer erschüttert habe.

Nun ist von diesen Vorwürfen wenig übrig geblieben. Nachdem das Bezirksgericht Zürich Ritzmann im Dezember 2014 mangels Beweisen freigesprochen hat, haben Privatkläger Christoph Mörgeli und die Staatsanwaltschaft ihre Berufung gegen das Urteil zurückgezogen. Mörgeli muss Ritzmann zudem 5000 Franken Prozessentschädigung zahlen. Weitere 5000 Franken bekommt sie aus der Gerichtskasse.

Dann wäre sie zusammengebrochen

Ganz überraschend kommt die neuste Entwicklung in der Affäre Mörgeli nicht. Im Dezember erklärte das Bundesgericht Beweise gegen Ritzmann für ungültig, weil sie nicht rechtmässig erhoben worden waren, und bestätigte damit einen Entscheid des Zürcher Obergerichts. Die Staatsanwaltschaft hatte die Uni ersucht, alle universitären Telefonanschlüsse und E-Mail-Adressen von Mitarbeitenden und Studierenden rückwirkend auf Kontakte mit bestimmten Journalisten und Medien zu überprüfen und die Ergebnisse ihr zu übergeben. Das gleiche Ersuchen ging an das Hochschulamt des Kantons. Trotz Zweifeln kamen beide Institutionen dem Begehren nach und lieferten die Daten.

Während Christoph Mörgeli sich nicht mehr zum Fall äussern wollte, sprach Ritzmann mit der NZZ: «Wenn ich gewusst hätte, dass dieses absurde Strafverfahren über vier Jahre dauert, wäre ich zusammengebrochen.» Sie sei jedoch immer überzeugt gewesen, dass ein Justizirrtum vorliege und sich der Fall demnächst aufkläre. Das habe die Situation erträglicher gemacht.

Mit dem Ende des Strafverfahrens beginnt für die 54-jährige der nächste juristische Kampf. Sie will zurück an die Universität Zürich. Gegen ihre Entlassung hat sie bei der Rekurskommission der Universität Beschwerde eingereicht. Das Verfahren war allerdings sistiert, solange das Strafverfahren noch im Gang war. Nun kann die Kommission die Arbeit wieder aufnehmen.

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