Coop bleibt bis mindestens 2019 im Globus-Provisorium

Wie erst jetzt bekannt wird, hat die Stadt den Mietvertrag mit dem Grossverteiler verlängert. Für die Zeit danach verlangt der Gemeinderat aber den Abbruch und eine neue Nutzung.

«Die Subkultur ins Erdgeschoss, den Kommerz ins Untergeschoss»: So wünscht sich der Verband Kreativwirtschaft das Globus-Provisorium. Foto: Sophie Stieger

«Die Subkultur ins Erdgeschoss, den Kommerz ins Untergeschoss»: So wünscht sich der Verband Kreativwirtschaft das Globus-Provisorium. Foto: Sophie Stieger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für sechs Millionen Franken hatte Coop seine Filiale an der Bahnhofbrücke renoviert, als er 2009 mit der Stadt einen weiteren Mietvertrag bis Ende 2015 unterschrieb. Der Vertrag enthielt die Option für eine Verlängerung bis 31. Dezember 2019. Diese Option haben die städtische Liegenschaftenverwaltung und der Grossverteiler inzwischen wahrgenommen, ohne dies an die grosse Glocke zu hängen.

Mit über 6000 Kundinnen und Kunden täglich ist die Bahnhofbrücke eine der meistfrequentierten Filialen von Coop, und mit einem umsatzabhängigen Mietzins ist der Laden für die Stadt eine höchst willkommene Einnahmequelle. Wie viel die Stadt im Globus-Provisorium einnimmt, verrät sie nicht. Was die Vermutungen auf mehrere Millionen Franken pro Jahr hochtreibt.

Coop und Stadt haben die Mietverlängerung um vier Jahre schon vor einem Jahr, im August, unterschrieben. Davon wusste der Verband Kreativwirtschaft Schweiz nichts, als er im vergangenen Mai mit seiner Forderung an die Öffentlichkeit trat: Die Stadt soll den Mietvertrag per Ende 2015 auslaufen lassen, damit aus dem 54 Jahre alten Globus-Provisorium eine Zukunftswerkstatt werden kann.

Eine Werkstatt fürs Digitale

Dies ist seit langem die konkreteste Idee, wie man dieses Haus an bester Lage nutzen könnte. Im Obergeschoss arbeiten junge Talente an innovativen Medienprojekten in den Bereichen Visual Art, Game Design, Medienkunst oder Film. Das Erdgeschoss wird zur Ausstellungshalle, wo Werke und Programme der digitalen Gegenwart und Zukunft ausgestellt und diskutiert werden. Auf dem Dach wird Urban Gardening mit einem Restaurant betrieben. Coop, sofern er denn will, kann das Untergeschoss nutzen.

Andrew Katumba, Generalsekretär des Verbandes Kreativwirtschaft Schweiz, nimmt die Mietverlängerung enttäuscht zur Kenntnis. An einem öffentlichen und so wichtigen Ort klandestin Verträge abzuschliessen, wie es die Stadt getan hat, geht seiner Meinung nach nicht. Aber es zeige einmal mehr, dass der Stadtrat beim Globus-Provisorium nicht an der öffentlichen Meinung interessiert sei, sondern einzig am Mietzins des Grossverteilers.

Auch wenn der Verband sein erstes Ziel verpasst hat – die provisorische Nutzung des Provisoriums ab nächstem Jahr –, hält er doch an seiner Forderung fest: eine Zukunftswerkstatt für die neuen Technologien an diesem zentralen Ort und im bestehenden Gebäude. «Wir verstehen das auch philosophisch: die Subkultur ins Erdgeschoss und der Kommerz ins Untergeschoss.»

Das Haus muss weg

Generalsekretär Katumba hofft, dass der Stadtrat die Idee der Zukunftswerkstatt im Globus-Provisorium bald aufnehmen wird. Bis Februar 2016 hat die Stadtregierung Zeit, eine Motion aus dem Gemeinderat zu erfüllen: «Der Stadtrat wird aufgefordert, eine kreditschaffende Weisung vorzulegen, welche die Neugestaltung des Bereichs Papierwerd-Areal (Globus-Provisorium) nach 2020 zum Ziel hat. Das dazugehörige Nutzungskonzept soll einen Platz mit möglichst flexiblen, temporären Nutzungsmöglichkeiten und einen auf­zuwertenden Zugang zur Limmat beinhalten.»

Väter der Motion sind die Grünliberalen Guido Trevisan und Gian von Planta. Der Vorstellung der Kreativwirtschaft, das Globus-Provisorium ab 2020 als Zukunftswerkstatt zu nutzen, kann Trevisan wenig abgewinnen. Er verweist auf den Wortlauf der Motion, worin ausdrücklich ein Platz mit flexiblen Möglichkeiten verlangt wird. Ihm geht es darum, endlich einmal frei und offen über die Nutzung dieses zentralen Grundstücks nachzudenken und zu diskutieren. Und das funktioniere nur, wenn das Gebäude weg sei.

Erstellt: 09.07.2015, 20:32 Uhr

Artikel zum Thema

Die Kreativen wollen ins Zentrum von Zürich

Eine neue Idee für das Globus-Provisorium an der Bahnhofbrücke: Der Verband Kreativwirtschaft Schweiz möchte dort eine Zukunftswerkstatt einrichten. Der Coop soll ins Untergeschoss. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...