Couvert für Zürcher Neuzuzüger: «Armselig im Vergleich zu Basel»

Wer in die Stadt Zürich zieht, soll künftig ein dickeres Willkommenspaket erhalten, fordern zwei Gemeinderäte. Dagegen wehrt sich die SVP.

Die Begrüssung von Neuzuzügern in Zürich sorgen für Diskussionsstoff: Das Seebecken und die Stadt von oben. Foto: Urs Jaudas

Die Begrüssung von Neuzuzügern in Zürich sorgen für Diskussionsstoff: Das Seebecken und die Stadt von oben. Foto: Urs Jaudas

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SP-Gemeinderat Urs Helfenstein und sein GLP-Kollege Matthias Wiesmann enervieren sich: Das Willkommenscouvert, das Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger in der Stadt Zürich erhalten, sei im Vergleich zu Basel armselig. Das wollen sie ändern. Deshalb haben sie ein Postulat eingereicht, das der Gemeinderat gestern gegen die Stimmen der SVP überwiesen hat.

Bisher haben die Neuzuzüger von der Stadt ein Begrüssungsschreiben von Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) und Infobroschüren zum ZVV, zur Vision des Stadtverkehrs, zu Schutz und Rettung oder der Milizfeuerwehr erhalten. Und noch ein paar mehr.

Ein Gratis-Cüpli im Kellertheater

In Basel dagegen erhalten Personen, die aus anderen Gemeinden oder auch aus dem Ausland zuziehen, ein ganzes Büchlein mit Gutscheinen. Im Postulat führen Helfenstein und Wiesmann, der selbst nicht mehr dem Rat angehört, diese Willkommensgeschenke auf fast einer A4-Seite auf. Es geht vom Gratiseintritt für den Zoo Basel über zwei Champagner-Cüpli im Kellertheater im Lohnhof, einen Reduktionsgutschein für ein ÖV-Monatsabo oder ein Gratisabo der «Basler Zeitung» für vier Wochen.

«Wer nach Zürich zieht, weiss bereits um das riesige Kulturangebot hier.» Stefan Urech, SVP-Gemeinderat

Dass Basel ein solch grosses Welcome-Package nötig habe, erstaune nicht, meinte SVP-Gemeinderat Stefan Urech – natürlich mit ironischem Unterton. Es gehe nicht, dass die Stadt Gratistickets verteile von Kulturinstitutionen, die schon x-fach subventioniert würden. «Wer nach Zürich zieht, weiss bereits um das riesige Kulturangebot hier.» Unterstützt wurde er von seiner Parteikollegin Susanne Brunner. «Für Zürich müssen wir nicht Werbung machen. Wer in die Stadt zieht, ist bereits eine der wenigen glücklichen Personen, die hier eine Wohnung gefunden haben», sagte sie.

Mehrere 10’000 Neuzuziehende im Jahr

Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) machte klar, dass die Stadt die Willkommensgeste an Neuzuziehende auch ohne Postulat überdenken würde – zum Beispiel, wie Informationsmaterial der Stadt Leuten zur Verfügung gestellt werden könne, die sich digital bei der Stadt anmelden. Den Hinweis des Postulats, die Information über das Gesundheitswesens zu verbessern, nehme sie auf. Und gern werde sie auch die Idee mit Gutscheinen von Kulturinstitutionen weiterverfolgen. Doch sie warnte, dass das auch ins Geld gehen könnte. Schliesslich würden mehrere 10’000 Personen pro Jahr neu in die Stadt ziehen.

Erstellt: 31.10.2019, 09:00 Uhr

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