«Da muss ich ja direkt lachen»

Alfred Heer nannte den Wahlkampf seiner Partei «gaga» und setzt sich für den Weltfrieden ein. Doch all dies soll nichts mit seinem Rücktritt als Präsident der Zürcher SVP zu tun haben.

Bindet sich die Krawatte neu: Alfred Heer will sich auf seine Aufgaben im Parlament fokussieren.

Bindet sich die Krawatte neu: Alfred Heer will sich auf seine Aufgaben im Parlament fokussieren. Bild: Keystone

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Herr Heer, Sie sagen, Ihr Rücktritt komme davon, dass Sie sich auf Ihre Tätigkeiten im Nationalrat konzentrieren wollen. Das kann ja nicht der echte Grund sein. Können Sie etwa nicht mehr hinter der Zürcher SVP stehen?
(Lacht.) Da muss ich ja direkt lachen. Natürlich stehe ich noch hinter der Zürcher SVP, sonst müsste ich ja den Austritt aus der Partei geben.

Warum wollen Sie denn nicht mehr Präsident sein?
Als Präsident muss man im 4-Jahres-Rhythmus arbeiten. Entweder hätte ich jetzt noch vier Jahre weitergemacht oder aufgehört. Wir waren bei den Wahlen wieder vorne dabei, haben zwei Regierungsräte, zwölf Nationalräte, der Generationenwechsel ist vollzogen, und es herrscht wieder Ruhe in der Partei. Der Zeitpunkt zum Aufhören ist jetzt gut. Es sind gute Voraussetzungen für jemanden Neues.

Solche Bedingungen wären doch für Sie auch toll gewesen. Warum geben Sie die Parteileitung trotzdem ab?
Ich bin nun Präsident der Geschäftsprüfungskommission und der Delegation beim Europarat. Das ist eine grosse Arbeitsbelastung. Man kann nicht alles gleichzeitig machen. Herkules kann das vielleicht. Aber in der Politik muss man sich fokussieren.

Kommt der Rücktritt zu diesem Zeitpunkt, weil auch Christoph Blocher, Walter Frey und Toni Brunner sich aus hohen Parteiposten verabschieden?
Nein, das ist reiner Zufall.

Sie haben sich ja mit der Parteispitze ab und zu auch gestritten. Unter anderem haben Sie den letzten Wahlkampf als «gaga» bezeichnet. Eigentlich hätte man erwartet, Sie bleiben jetzt noch ein bisschen, wo der Weg frei ist.
Der Weg wohin? Wir hatten nie wirklich Streit, das waren kleine Meinungsverschiedenheiten. Das darf man bei uns auch haben, wir sind ja keine Sekte.

Die Zürcher SVP wird immer mehr von einer neuen Generation dominiert: junge Akademiker mit guten Manieren und geschliffener Sprache. Gibt es für Sie keinen Platz mehr?
Naja, ich habe bei den Wahlen immerhin das viertbeste Resultat gemacht. Dieser «Umbruch in der Partei» wird von Journalisten erfunden. In Wirklichkeit gab es auch Akademiker wie Christoph Mörgeli, die abgewählt wurden. Und es kamen Leute, wie Claudio Zanetti, die schon seit Jahren für die Zürcher SVP politisieren. Es gibt weder einen Wechsel im Stil noch in der Politik.

Aber dann gibt es auch die zwei Zürcher Aufsteiger Roger Köppel und Hans-Ueli Vogt.
Natürlich kamen auch neue Köpfe. Das ist auch richtig und gut so.

Als Kantonalpräsident der SVP konnten Sie sich politisch profilieren. Ihr Vorgänger, Ueli Maurer, hat es so bis in den Bundesrat geschafft. Mit Ihrem Rücktritt muss man davon ausgehen, dass Sie keinen weiteren politischen Aufstieg mehr sehen.
Doch, UNO-Generalsekretär. Nein, im Ernst. So etwas kann man nicht planen. Im Moment will ich einfach die Aufgaben als Kommissionspräsident richtig erfüllen.

Erstellt: 29.01.2016, 16:22 Uhr

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