«Da muss ich mich nicht rechtfertigen»

Andres Türler (FDP) teilt auf fast schon aufreizend beiläufige Art mit, dass er nach 16 Jahren im Zürcher Stadtrat aufhört. Er erklärt, warum er das so macht.

Er macht lieber keinen Lärm: Andres Türler am Tag, an dem er seinen Abgang bekannt gegeben hat. Bild: Sabina Bobst

Er macht lieber keinen Lärm: Andres Türler am Tag, an dem er seinen Abgang bekannt gegeben hat. Bild: Sabina Bobst

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Sie verkünden Ihren Abgang per Mitteilung an einem Freitagnachmittag. Als wollten Sie, dass es niemand mitbekommt.
Ich mache nicht gerne einen grossen Wirbel um mich, das ist nicht mein Stil. Zudem passte der Zeitpunkt vom Ablauf her: Am morgen war Parteiausschuss, dann Stadtratssitzung und zuletzt konnte ich meine engsten Mitarbeitenden informieren. So ging das über die Bühne, da machen wir keinen Lärm. Der Grundsatz «servir et disparaître» liegt mir näher.

Nicht mal der Stadtrat wusste vorher Bescheid?
Natürlich nicht. Ich bin jetzt lange genug dabei, um zu wissen: Wenn man sowas zu früh herumerzählt, sickert immer irgendwo etwas durch. Dass das nicht passiert ist, erfüllt mich mit Zufriedenheit.

Aber der Entschluss stand schon?
Ich habe mich schon lange mit dem Gedanken getragen, ja.

War es ausschlaggebend, dass die letzte Amtszeit für Sie enttäuschend verlief?
Ich finde nicht, dass diese Legislatur schlechter war als andere. Es gab in jeder ein paar Highlights und Dinge, an denen ich zu beissen hatte. Manchmal fällt man bei der gegenwärtigen politischen Lagerbildung zwischen die ideologischen Fronten – dann geht es halt einfach nicht.

Sie meinen die gescheiterte Verselbstständigung des EWZ.
Natürlich. Ich bin felsenfest überzeugt, dass wir eine hervorragende Vorlage hatten. Einfach zur falschen Zeit. Aber ich gehe nicht, weil ich genug habe. 16 Jahre sind einfach ein gutes Mass – da muss man sich nicht rechtfertigen.

Sie hätten nochmals antreten und mit einem Erfolg abtreten können.
In der Mitte einer Legislatur davonzulaufen, wäre nicht meine Art. Und wir werden bald noch das Tram Hardbrücke eröffnen, das wird sicher etwas Schönes. Ich wollte nicht, dass die Leute irgendwann sagen: Zum Glück geht er endlich. Jetzt bin ich noch voll im Saft und bereit, nochmals etwas Neues anzupacken.

Haben Sie schon einen neuen Job in Aussicht?
Nein, jesses Gott. Wir arbeiten jetzt erst mal noch ein Jahr weiter, ohne Abstriche. Aber wenn man 16 Jahre Erfahrungen sammeln kann an der Schnittstelle zwischen öffentlicher Verwaltung, Politik und Wirtschaft, ergibt sich sicher das eine oder andere.

16 Jahre ÖV, Wasser und Strom. Warum haben Sie nie gewechselt?
Natürlich überlegt man sich das manchmal. Aber das Departement der industriellen Betriebe ist sehr spannend und vielseitig. Keiner meiner Vorgänger hat danach je in ein anderes Departement gewechselt. Alle haben hier aufgehört. Ich hatte das Glück, schon hier anzufangen.

Wie wäre es mit einer neuen Aufgabe in der Politik?
Wenn man mal in der Stadtzürcher Exekutive war, hat man erlebt, was man als Politiker erleben kann. Ich will niemandem zu nah treten, aber für mich sind andere Ämter keine Herausforderung mehr. Hier ist man am Leben dran, im Kontakt mit der Bevölkerung, versorgt man die Leute mit Wasser – nicht nur mit Verordnungen und Gesetzen.

Erstellt: 10.02.2017, 18:10 Uhr

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