Dada darf nach draussen

Das Cabaret Voltaire in der Zürcher Altstadt hat die Bewilligung für ein Boulevardcafé erhalten – unter einer Auflage.

Tische statt Tags: In der Münster- und Spiegelgasse soll ab nächstem Frühling ein Boulevardcafé Gäste anlocken.

Tische statt Tags: In der Münster- und Spiegelgasse soll ab nächstem Frühling ein Boulevardcafé Gäste anlocken. Bild: Urs Jaudas

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Dem Cabaret Voltaire an der Spiegelgasse läufts derzeit rund: Am vorletzten Wochenende sagte das Volk klar Ja zum Immobiliendeal zwischen der Stadt und Swiss Life, womit die Stadt das Haus mit der Geburtsstätte des Dadaismus übernehmen kann. Zudem erhält die Kultureinrichtung neu jährlich 100 000 Franken Betriebsbeitrag von der Stadt.

Jetzt gibts erneut frohe Kunde für das Dada-Haus. Die Bausektion des Stadtrats hat das Baugesuch für ein Boulevardcafé mit 26 Sitzplätzen bewilligt. Dies geht aus dem Beschluss hervor, den die Stadträte André Odermatt (SP), Filippo Leutenegger (FDP) und Andres Türler (FDP) unterzeichnet haben. Das Boulevardcafé sei bereits im Vorfeld zusammen mit der Gewerbepolizei und der Einsatzplanung von Schutz & Rettung begutachtet worden: «Die eingegebene Variante entspricht der Vorbesprechung und kann so umgesetzt werden.»

Klapptische an der Fassade

Für die Boulevardbeiz vor dem denkmalgeschützten Gebäude sollen an der Münstergasse und an der Spiegelgasse klappbare Tische und Sitzplätze an der Hausfassade montiert werden. Das hat prompt die Denkmalpflege auf den Plan gerufen. Die Details der Befestigung an der Hauswand müssten von ihr bewilligt werden, heisst es in der Baubewilligung. Die geschützten Bauteile des Gebäudes dürften nicht tangiert werden, «ansonsten ist auf eine klappbare Lösung zu verzichten».

Die Bewilligung ist auch mit Auflagen zum Lärmschutz verbunden. Probleme könnte es in der engen Spiegelgasse geben. Die Dada-Gartenwirtschaft liegt in der Kernzone mit einem Wohnanteil von 60 Prozent. «Die nächstbetroffenen Nutzungen mit lärmempfindlichen Räumen befinden sich im gegenüberliegenden Gebäude in 5 Meter Entfernung zu den Aussenflächen des Lokals. Dabei handelt sich um eine Wohnnutzung in der Empfindlichkeitsstufe 3» – so steht es in der Baubewilligung.

Deshalb begrenzt die Stadt die Öffnungszeiten: Montags bis freitags darf von 11 bis 22 Uhr draussen gewirtet werden, samstags von 10 bis 22 Uhr und sonntags von 12 bis 19 Uhr. Verboten sind lärmige Aufräumarbeiten zwischen 20 und 7 Uhr, und im Freien dürfen keine Lautsprecher und Verstärkeranlagen betrieben werden. «Im Falle berechtigter Lärmklagen bleiben weitere Anordnungen, insbesondere eine Reduktion der Öffnungszeiten, vorbehalten», warnt die Bausektion.

«Keine grössere Lärmbelastung»

Cabaret-Voltaire-Direktor Adrian Notz freut sich über die Bewilligung. Die Bausektion des Stadtrates fördere damit die Bestrebungen des Niederdorfs, dieses lebendiger zu gestalten. «Da wir ein Kunstort sind, geht es uns bei den Aussensitzplätzen nicht primär um eine Umsatzförderung; wir möchten damit das Cabaret Voltaire und das kulturelle Leben im Niederdorf auch im Sommer attraktiv machen.» Die Betriebszeiten des Boulevardcafés seien dem Cabaret Voltaire nicht auferlegt, sondern von den Betreibern bewusst so gewählt worden. «Weil wir ein Boulevardcafé und keine Boulevardbeiz machen wollen», wie Notz sagt. In Anbetracht der Öffnungszeiten und der anderen Boulevardcafés in nächster Umgebung entstehe keine grössere Lärmbelastung als die bereits bestehende.

Rekurs nicht ausgeschlossen

Im Quartier fallen die Reaktionen gemischt aus. Laut Peter Rothenhäusler, Präsident des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat, sind Rekurse von Anwohnern nicht auszuschliessen. Einige Bewohner störten sich vor allem daran, dass die Platzverhältnisse sehr eng sind. «Man kann sich eigentlich gar nicht vorstellen, wo dieses Strassencafé hinsoll.»

Zudem fordert der Quartierverein, dass bezüglich Lärm Rücksicht auf die Anwohner genommen werde. Als Vorbild nennt Rothenhäusler Aktionen wie im Kreis 4, bei denen Bewohner und Barbetreiber involviert sind, nach dem Motto: «Vor der Bar ist vor dem Nachbarn» und «Nachtleben und -lassen». Falls keine Rekurse eingehen, soll das Dada-Boulevardcafé im Frühling 2018 seinen Betrieb aufnehmen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2017, 11:41 Uhr

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