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Dancing in the moonlight

Das Kunsthaus hat anlässlich der Mondlandung vor 50 Jahren eine Mottoparty veranstaltet. Sie wirkte selber wie aus einer anderen Sphäre.

Wer macht den besten «Moonwalk»? Ausserirdische Partygänger schwingen am Mondball das Tanzbein. (Video: Lea Blum)

Zwei silberne Gestalten stehen vor dem Eingang des Kunsthauses und bücken sich, als würden sie von einem entfernten Stern auf etwas sehr Kleines hinunterspähen. Sie blicken in den Raum, gleich findet hier der Mondball statt. Zu sehen ist eine mit weissem Kunstfell überzogene, ­glühende Rakete. Sonst: noch unbewohnt.

Es ist Samstagabend, 20 Uhr, das Kunsthaus hat anlässlich der 50-jährigen Mondlandung zur Mottoparty geladen. Es verspricht «Weltraum-Schönheiten, Mondgöttinnen, Marsmännchen und einen festlich glitzernden Mond-Ballsaal» – ganz im Sinne der menschlichen Verklärung des Weltraums. Freunde des Kunsthauses bezahlen 40 Franken, an der Abendkasse gibt es Tickets für 55 Franken. Ein DJ legt auf, die Partyband Pianobeat spielt.

Der erste Mensch erscheint. An seinen schwarzen Lederschuhen haftet Mondstaub und auch an den High Heels seiner Begleiterin, die ihm folgt. Sie durchschreiten den Saal, über ihnen hängen Discokugeln und vollmondrunde Lampions. Wie weltenweite Wanderer wirken sie, entkoppelt auf ihrer Reise in eine andere Sphäre. Im Hintergrund leiser Jazz. Liftmusik?

Ein Countdown zählt von zehn bis null – und nichts geschieht.

Einen Stock höher befindet sich die Mondausstellung. Sie ist für die Ballgäste zugänglich, aber nur ohne die Drinks Luna Mule oder Bloody Saturn. «I am an astronaut, I look for something, but there is only emptiness and black or intense light that blinds me» steht dort an einer Wand: Ich bin Astronaut und suche nach etwas. Aber da ist nur Leere, Schwärze oder gleissendes Licht, das mich blendet.

Astronautinnen, Mondgöttinnen und intergalaktische Prinzessinnen ...
Astronautinnen, Mondgöttinnen und intergalaktische Prinzessinnen ...
Fabienne Andreoli
... versammelten sich im Zürcher Kunsthaus zu einem Mondball.
... versammelten sich im Zürcher Kunsthaus zu einem Mondball.
Fabienne Andreoli
... die durch die glitzernde Nacht tänzelten.
... die durch die glitzernde Nacht tänzelten.
Fabienne Andreoli
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Ein suchender Astronaut ist vielleicht jener Gast, der sich als Juri Gagarin verkleidet hat, ungeachtet der aufgeklebten US-Flagge auf der Brust – der erste Mann im Weltraum. Er begleitet seine Schwester, die selbst ernannte Dark Princess of Uruguru, auf seinem Rücken hat er es mit «Here with my sister» verdeutlicht. Nicht, dass die Männer hier denken, er sei ihr Freund, erklärt Juri. Nicht, dass die Frauen denken, sie sei seine Freundin, erklärt der Blick der Schwester.

Mit Nixon und Yoda

Der Mondball als Singlebörse? «La solitude» ist Thema der Ausstellung, sie ist die existenzielle Erfahrung der Kosmonauten, wie Mondbiograf Ben Moore im «Magazin» sagte: «Mit einem Mal begreifen, dass die Erde bloss ein klitzekleiner Planet in einem gewaltigen Kosmos ist – das muss die Perspektive auf alles verändern.» Juri aber wehrt ab, er ist in echt ein «Bürogummi» und kein Astronaut. Als Freunde des Kunsthauses und «aussergewöhnlicher Anlässe» sind die beiden gekommen, weitere Fragen verschiebt Juri auf später – in die Unendlichkeit.

Gegen 23 Uhr tänzeln rund 600 Ausserirdische, intergalaktische Prinzessinnen, Mondmänner, Richard Nixon und Yoda von «Star Trek» zu den Pianobeats und schlecken an den Raketen-Glacen, die es gratis gibt. Ein Countdown zählt von zehn bis null – und nichts geschieht, oder nur in der Vorstellung. Ein Herr mit silberner Fliege und silbernem Haar schwärmt von seinem Hobby: «Bei Mondscheinlicht zu fliegen, ist das Schönste.» Ein älteres Paar hat sich Pflanzengestecke auf den Kopf gesetzt.

Der Mondball ist Fasnacht für noble Kunstinteressierte. Hier ist «everybody dancin' in the moonlight», hier ist «everybody out of sight».

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