Darum sind diese Bäume am Zürcher Seebecken bemalt

Nicht nur Menschen, auch Baumrinde kann eine Art Sonnenbrand kriegen. Dagegen hilft diese «Sonnencreme».

Mit der Farbe werden Baumstämme vor der Sonneneinstrahlung geschützt.

Mit der Farbe werden Baumstämme vor der Sonneneinstrahlung geschützt. Bild: Leserreporter

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Kurz vor der Badi Enge sind derzeit viele von ihnen zu entdecken: Bäume, deren Stämme weiss gestrichen sind. Es ist ein Anblick, den man sonst eher aus dem Süden kennt. Wofür ist diese Farbe gut? Stehen die angepinselten Gewächse gar kurz vor der Fällung?

«Nein, nein, im Gegenteil», sagt Lukas Handschin, Mediensprecher von Grün Stadt Zürich. «Diese Bäume sollen speziell geschützt werden.» So wirke der weisse Anstrich als eine Art Sonnencreme für die Pflanzen. Denn ist ein Stamm stark an der Sonne exponiert, kann er einen Sonnenbrand bekommen. Will heissen, die Rinde bekommt bei Überhitzung Risse. Pilzen und Parasiten fällt es dann leicht, in den Baum einzudringen.

Vor allem neu gepflanzte Bäume brauchen Schutz

Insbesondere bei jungen, neu gepflanzten Bäumen gehe die Stadt so vor. «In den Baumschulen stehen sie noch dicht neben den anderen Bäumen. Wenn wir sie einpflanzen, sind die empfindlichen Stämme erstmals richtig der Sonne ausgesetzt», erklärt Handschin.

Doch es könne vorkommen, dass auch ältere Bäume «eingestrichen» würden, sagt Handschin. Als etwa 2011 im Arboretum bei der Rentenanstalt am Zürichsee ein riesiger Buchenast zu Boden gefallen ist, wurden der Stamm und die freigelegten Äste bemalt, um zu verhindern, dass die Sonneneinstrahlung durch das entstandene Loch in der Baumkrone die Rinde beschädigt.

Früher wurden in der Stadt teilweise noch Baumstämme zum Schutz vor der Sonne mit Schilfmatten umwickelt. Doch wird diese Methode nur noch selten angewendet, da die Matten die Sicht auf den Stamm verdecken und allfällige Schädigungen nicht rechtzeitig erkannt werden.

Sechs Jahre bis zur Verblassung

In den letzten Jahren sind neue Stammanstriche entwickelt worden. Sie bestehen aus Tonmineralien, Kalk, Gesteinsmehl, natürlichen Haftmitteln und diversen Spurenelementen und sollen das Rindengewebe pflegen, elastisch halten sowie Hitzeschäden und Frostrissen vorbeugen. Die Farbe legt sich dauerhaft als weisser Belag auf dem Stamm ab und schützt, ohne die Wuchs- und Schutzfunktion der Bäume zu beeinträchtigen.

Rund sechs Jahre lang hält der Anstrich, bis er langsam wieder verblasst. Diese Zeit genügt, damit die Rinde stark genug wird, um die Sonne zu ertragen, oder bis die Baumkrone gross genug ist, um dem Stamm Schatten zu spenden.

Markierungen nicht einheitlich

Nicht selten werden die Markierungen an Bäumen von Spaziergängerinnen und Spaziergängern falsch interpretiert. Die Anzeichnungen sind jedoch weder reglementiert noch einheitlich, das heisst, die Förster verwenden unterschiedliche Symbole und Farben. Im Folgenden stellen wir einige Beispiele vor:

Biotopbaum

An vier Seiten mit einem blauen Punkt markiert. Foto: zVg von der Burgergemeinde Bern

Diese Bäume haben für das Ökosystem Wald einen besonderen Wert und können Lebensraum für Insekten und Vögel sein. Sie werden normalerweise bis zum natürlichen Absterben erhalten.

Kalamitätsholz

Vierseitige Markierung mit dem Buchstaben K. Foto: zVg von der Burgergemeinde Bern

Vom Borkenkäfer über Pilzkrankheiten bis zu Sturmschäden – als Kalamität werden Schäden aller Art bezeichnet. Diese Bäume müssen in der Regel früher oder später zum Schutz des übrigen Bestandes oder der Waldbesucherinnen und Waldbesucher gefällt werden.

Unter Beobachtung

Gut sichtbare Zahl. Foto: zVg von der Burgergemeinde Bern

Strassen, Waldränder und viel frequentierte Waldplätze werden regelmässig vom Förster auf ihre Sicherheit untersucht. Werden potenzielle Gefahren erkannt, wird der entsprechende Baum mit einer Zahl katalogisiert und die Gefahr erfasst. Sie wird im Anschluss durch Fachleute beseitigt.

Aushebung

Zwei Schrägstriche, die von allen Seiten sichtbar sind. Foto: zVg von der Burgergemeinde Bern

Diese Bäume werden gefällt und verarbeitet. Besondere Bäume werden mit Standort erfasst, so kann auch nachträglich bestimmt werden, woher das Holz stammt. (saf)

Erstellt: 29.08.2019, 12:03 Uhr

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