Das Bauschänzli erhält einen neuen Wirt

Die Tschanz-Gruppe um Stéphanie Portmann verliert die Bauschänzli-Pacht. Neu übernimmt die Candrian-Truppe, die etwa den Hauptbahnhof gastronomisch beherrscht.

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Es ist eine kleine Überraschung: Während fast die gesamte Gastrobranche davon ausging, dass die Tschanz-Gruppe um Stéphanie Portmann das Bauschänzli auch nach 26 Jahren behält, hat sich der Zürcher Stadtrat für einen neuen Biergarten-Wirt entschieden. Es ist die Candrian Catering AG.

Die Gruppe des 72-jährigen Verwaltungsratspräsidenten Martin Candrian ist in Zürich alles andere als eine Unbekannte. Zur Candrian Catering gehören zahlreiche Restaurants im Zürcher Hauptbahnhof (Au Premier, Brasserie Fédéral) und weitere bekannte Lokalitäten wie die Brasserie Lipp oder das Clouds im Prime Tower. Candrian betreibt auch vier Burger-King-Filialen in der Stadt. Insgesamt gehören 45 Gastrobetriebe zur Gruppe, welche einen Umsatz von 100 Millionen Franken erzielt.

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Die Candrian-Gruppe ist die neue Pächterin des Bauschänzli. Ein richtiger Entscheid?






Gemäss einer Mitteilung des Stadtrats haben sich 20 Gastroprofis fürs Bauschänzli beworben. Vier seien in die engere Auswahl gekommen. Der neue Mietvertrag gilt ab 1. Januar 2019 für fünf Jahre mit Option auf weitere fünf Jahre.

Schänzli-Grill auch bei schlechtem Wetter

Dem Stadtrat gefallen hat ein Konzept mit «lauschigem und gleichzeitig lebendigem Biergarten mit Selbstbedienung», einem bedienten Flussrestaurant, einer Lounge, einem Familienbereich sowie einem Grill und einem Glacéstand. Der «Schänzli-Grill» beim Eingang zum Biergarten soll auch auch bei schlechtem oder unsicheren Wetter in Betrieb sein.

Der neue Pächter setzt beim Speise- wie beim Getränkeangebot auf «Schweizer und wenn möglich auf regionale» Produkte. Ein weiterer Vorteil: Candrian verfügt in der Stadt über eine eigene Bäckerei, Metzgerei, Lachsräucherei und Kaffeerösterei, was kurze Anlieferzeiten und -wege ermögliche.

Grosser verdrängt Kleineren

«Es war der Mix aus Traditionellem und sanften Erneuerungen, der den Stadtrat überzeugte», sagt Kuno Gurtner, Sprecher der städtischen Liegenschaftenverwaltung. Mit der Candrian-Gruppe sei die Fortführung des auch bei Touristen beliebten Konzepts gewährleistet. Und gleichzeitig werde auch neue Kundschaft angesprochen, etwa Familien mit der Spielecke und dem Glacéstand sowie Arbeitstätige in der Umgebung mit dem Allwetter-Grill.

Dass der angebotene Mietzins und in Aussicht gestellte «namhafte Investitionen» eine gewisse Rolle bei der Vergabe spielten, verhehlt Gurtner nicht. Er betont aber, dass nicht der Bewerber mit der höchsten Offerte zum Zug gekommen sei. Intensiver diskutiert worden sei eher der Punkt, dass ein grösserer Player einen kleineren verdrängt. Wie Gurtner weiter erklärt, sei der Stadt auch der Aspekt der finanziellen Sicherheit wichtig gewesen. Candrian steht mit dem Gastro-Imperium für stabile Verhältnisse. Ausserdem punkte die Gruppe mit Produkten aus der Region.

Neuer Oktoberfest-König

Der Winterzirkus Conelli, für den Candrian heute schon das Catering besorgt, wird weiterhin Gast auf dem Bauschänzli sein. Auch das Oktoberfest, das der Grossvater von Stéphanie Portmann, Fred Tschanz, erfunden hatte, bleibt erhalten. Pikant: Candrian konkurrenzierte bisher das «Original»-Zürcher-Oktoberfest auf dem Bauschänzli mit der «Züri-Wiesn» im Hauptbahnhof. Nun ist Candrian der neue Oktoberfest-König mit zwei Grossausgaben, wobei das Bauschänzlifest «volkstümlicher, heimeliger und kleiner» bleiben soll, wie es heisst.

Der damalige Candrian-Geschäftsführer Patrick Candrian führte 2014 durch die HB-Baustelle und erklärte sein Gastro-Konzept für den Hauptbahnhof. Video: Jan Derrer

Daneben sind weitere Aktivitäten geplant: So findet jeweils am Sonntag ein Jazz-Brunch statt, am Dienstag kann Pétanque gespielt und an zwei weiteren Abenden zu Live-Musik getanzt werden. In den Schulferien können Kinder Zirkus-Workshops besuchen.

Die Stadt übernimmt derweil (gebundene) Ausgaben von 300'000 Franken für Unterhalts- und Erneuerungsarbeiten am Bauschänzli.


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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2018, 09:02 Uhr

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Die Geschichte des Bauschänzli

Das Bauschänzli wurde um 1657 als Teil der Stadtbefestigung erbaut, welche im vorangegangenen Dreissigjährigen Krieg geplant worden war. Es war damals ein Wallschild, also ein der Befestigungsmauer vorgelagertes Inseli. Der Zugang vom Kratzquartier mit dem Bauhaus war damals ein Steg mit einer Zugbrücke, wie es in einer Broschüre der städtischen Liegenschaftenverwaltung heisst. Noch Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die künstliche Insel als «Schänzli im See» bezeichnet. Der heutige Name dürfte im 19. Jahrhundert aus der Bezeichnung «Schanze beim Bauhaus» entstanden sein.

Seit 1907 ein Biergarten
Mitte des 18. Jahrhunderts wurden auf der Schanze Bäume gepflanzt. Als 1804 die Staatsgüter zwischen dem Kanton und der Stadt aufgeteilt wurden, verblieb die Schanze vorerst beim Kanton. Erst 1841 ging das Bauschänzli an die Stadt – mit der Auflage, dass es öffentlich bleiben muss und nicht überbaut werden darf. Bis zum Bau der Quaibrücke 1884 diente das Bauschänzli als Anlegestelle für die Dampfschiffe.
1907 richtete der damalige Metropol-Wirt Eduart Krug erstmals einen Biergarten ein. Danach blieb diese Nutzung. 1992 übernahm Odeon-Wirt Fred Tschanz, holte den Circus Conelli aufs Schänzli, der eine neue Bleibe suchte. Und im Herbst 1996 erfand Tschanz das erste Oktoberfest der Schweiz, das er auf seiner Insel plazierte. Im Winter 2001/02 wurden unter Mitwirkung der Denkmalpflege die Aussenmauern saniert. (pu)

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