Das erste Hamam von Zürich geht zu

Die Migros schliesst ihren Fitnesspark an der Münstergasse im Zürcher Niederdorf. Am neuen Standort beim Stadelhofen ist kein Dampfbad geplant.

Entspannen im Hamam: Ab August 2020 ist damit Schluss.

Entspannen im Hamam: Ab August 2020 ist damit Schluss. Bild: Migros PD

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«Du gehst ins Hamam? Was ist das denn?» Solche Fragen wurden noch gestellt, wenn man sich vor fast 20 Jahren auf den Weg in die Altstadt machte, um dort im Migros-Fitnesspark ein paar Stunden im Dampfbad zu entspannen. Das Hamam Münstergasse, am 24. September 2001 eröffnet, war das erste in Zürich. Bald wird es Geschichte sein.

Die Migros gibt den Standort im Niederdorf auf. Die Eintrittszahlen im Hamam sind laut Migros-Sprecher Francesco Laratta in den letzten fünf Jahren um 30 Prozent zurückgegangen. Und dieser Trend halte weiter an.

Zu viel Konkurrenz in der Stadt

Die Wellnessangebote in der Stadt hätten sich eben stark verändert, sagt Laratta. «Wir haben lange davon profitiert, dass wir das einzige Hamam von Zürich betreiben. Mittlerweile haben die Hamam-Besucherinnen und -Besucher eine Auswahl an verschiedenen Standorten.»

Tatsächlich muss heute niemand mehr fragen, was ein Hamam ist. Die Frage lautet viel mehr: «In welches Hamam gehst du denn so?» Neben jenem an der Münstergasse gibt es in Zürich auch im Thermalbad auf dem Hürlimann-Areal ein Dampfbad, 2011 startete das Hamam im Volkshaus beim Helvetiaplatz den Betrieb, und 2013 feierte das orientalische Hammam im Park der Villa Patumbah im Seefeld Eröffnung. Abgesehen davon gehören Dampfbäder mittlerweile zu Spa-Standards wie Saunas und Sprudelbäder.

Sanierung wäre zu kostspielig

Um bei dieser Konkurrenz mithalten zu können, müsste das älteste Hamam der Stadt saniert werden. Eine Option, welche die Migros «nicht weiterverfolgt», wie Laratta sagt. Ein solches Bauprojekt sei aufwendig und kostspielig, weil die konstante Feuchtigkeit in einem Dampfbad bautechnisch eine grosse Herausforderung darstelle. «Allein die Belüftung des Hamams im Untergeschoss ist äusserst komplex, und die Bewirtschaftung ist kosten- und ressourcenintensiv», sagt der Migros-Sprecher.

Training, ja, aber mit mehr Platz: Fitnessraum an der Münstergasse (Bild: Migros/PD)

Gegen eine Sanierung des heutigen Fitnessparks Münstergasse spricht auch, dass sich die Bedürfnisse der Besucher stark verändert haben. Gemäss Laratta sind heute sogenannte «Functional Trainings» ein grosses Thema – also ganzheitliche, sportartenübergreifende Muskel- und Gelenketrainings. «Das braucht viel Platz, und davon gibt es an der Münstergasse nicht genug.» Für die Migros sei es deshalb matchentscheidend gewesen, in einen Standort zu investieren, der sowohl den gestiegenen Platzansprüchen als auch dem Bedürfnis nach einer besseren Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz genüge.

An der Hufgasse im Seefeld ist das Unternehmen nun fündig geworden. Dort soll schon im kommenden August der neue Migros-Fitnesspark Stadelhofen eröffnet werden. Das Baugesuch erfolgte Ende August 2019. Der neue Standort befindet sich in Gehdistanz zum Bahnhof Stadelhofen sowie zu den Tram- und Bushaltestellen Opernhaus und Stadelhofen.

Migros plant keine weiteren Hamam-Bauten

Ein Hamam wird es dort allerdings nicht mehr geben. Man verzichte «aufgrund der bescheidenen Erfolgsaussichten» darauf. Die Migros plant zum jetzigen Zeitpunkt generell keine weiteren Hamams, sagt Laratta.

In den übrigen orientalischen Dampfbädern der Stadt sieht die Situation wesentlich besser aus. So verzeichnet Tobias Rihs, Initiant des Hamams im Zürcher Volkshaus, seit fünf Jahren «einen stetigen, leichten Zuwachs» der Besucherzahlen. «Klein aber fein», sei das Geheimnis des Erfolgs, so Rihs.

Klein aber fein, ökologisch-nachhaltig oder exklusiv: Ein Hamam muss sich von der Konkurrenz abheben.

Auch im «Hammam Basar + Salon» im Zürcher Seefeldquartier haben sich die Besucherzahlen seit der Eröffnung vor sechs Jahren «konstant positiv entwickelt», wie Inhaberin Lis Mijnssen sagt. Das liege unter anderem an der ökologisch-nachhaltigen Ausrichtung, der Lage im Patumbah-Park und der Architektur, mit der sich der Hammam von den anderen orientalischen Dampfbädern der Stadt abhebe.

Abgehoben im wahrsten Sinne des Wortes ist auch das Dachbad des Thermalbads im Engequartier. Es sei wie das irisch-römische Dampfbad im Untergeschoss der Anlage einzigartig für Zürich und ziehe viele Gäste an, sagt Geschäftsführerin Jessica Hilsenbeck. Sie zieht daher ebenfalls eine positive Bilanz der letzten fünf Jahre: «Es läuft gut, wir sind im Budget drin.»

Für den Ur-Hamam an der Münstergasse sind die Tage allerdings gezählt. Wann genau dort definitiv Schluss sein wird, steht derzeit noch nicht fest. Erfahrungsgemäss könne es bei Umbauarbeiten zu Verzögerungen kommen, sagt Migros-Sprecher Laratta. «Sicher ist, dass es einen nahtlosen Übergang geben wird: Der Fitnesspark Münstergasse wird bis zur Eröffnung des Fitnessparks Stadelhofen offen bleiben.»

Erstellt: 13.09.2019, 15:07 Uhr

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