Das erwarten Zürcher von einer Wohnung

Wie viel bezahlen Sie? Wo wollen Sie wohnen? Brauchen Sie Luxus? Eine Befragung gibt Auskunft über die Vorlieben beim Wohnen.

Günstig muss sie sein: Jede dritte Person sucht eine Wohnung für 1500 bis 2000 Franken Miete pro Monat.


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Wo suchen Stadtzürcher nach einer neuen Wohnung, wenn sie aufgrund einer Kündigung ihre Wohnung aufgeben oder weil sie ihr Eigentum verkaufen müssten? Dies ist eine der Fragen, der eine neue Studie des Zürcher Planungsbüros Zimraum zum Thema städtische Dichte nachgegangen ist (siehe Box).

Die Befragung zeigt eine klare Tendenz: Wohnungssuchende sind zu manchen Kompromissen bereit – selbst was die Lärmbelastung anbelangt. Eines aber muss stimmen: die Lage der Wohnung. Nur eine Minderheit der Befragten würde eine Wohnung annehmen, die sich nicht im gewünschten Stadtkreis befindet. Sogar dann, wenn der Preis attraktiv wäre.

Wiedikon ist hoch im Kurs

Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer sucht so lange weiter, bis sie eine Wohnung an der gewünschten Lage gefunden hat, und für viele würde die neue Adresse die Postleitzahl 8003 oder 8045 enthalten, denn Wiedikon ist gemäss Studie bei potenziellen Wohnungssuchenden besonders hoch im Kurs.

Gesuchte Wohnlagen nach Präferenzen. (Grafik: Zimraum/zum Vergrössern anklicken)

Allzu hohen Ansprüchen muss die Wohnung nicht genügen. So können die Befragten gut ohne Badewanne oder neuste Ausbaustandards in der Küche leben. Auch würde den meisten eine Nasszelle pro Wohnung reichen. Die Bereitschaft, auf einen Balkon oder einen anderen privaten Aussenraum zu verzichten, ist hingegen weniger gross.

Unattraktiver Wohnraum nicht ausgeschlossen

Joëlle Zimmerli, die Verfasserin der Studie, ist überrascht von der Anzahl Personen, die «unattraktiven» Wohnraum beziehen würden. Die Attraktivität einer Wohnung lasse sich zwar nicht auf einfache Kriterien reduzieren und werde sehr individuell beurteilt – die einen stören sich an zu wenig Licht, andere an der Einsicht in die benachbarte Wohnung oder an einer zu alten Küche. «Interessant ist aber, dass viele bereit sind, Abstriche beim Wohnobjekt zu machen, damit sie in einem bestimmten Umfeld beziehungsweise an einer bestimmten Lage wohnen können.»

Worauf Mieter verzichten würden. (Grafik: Zimraum/zum Vergrössern anklicken)

Die Resultate der Studie lassen auch den Rückschluss zu, dass die Stadtbewohner weniger lärmempfindlich sind als bisher angenommen. Zwar würden die wenigsten neuen Wohnraum an stark befahrenen Strassen suchen. Gibt es aber keine Alternative im gewünschten Wohnumfeld, würde eine knappe Mehrheit selbst ein Schlafzimmer an lärmiger Lage akzeptieren.

Der von Menschen verursachte Lärm aus Innenhöfen, Restaurants oder Gewerbebetrieben ist für ein Drittel der Befragten kein abschreckendes Kriterium. Für ebenso viele spielen auch Geräusche aus anderen Wohnungen keine Rolle. Es besteht also auch eine Nachfrage nach Wohnraum, der nicht den gesetzlichen Anforderungen an den Lärmschutz entspricht.

Am liebsten eine Mietwohnung

Was die Wohnform anbelangt, gibt es einen klaren Favoriten: 56 Prozent der Umfrageteilnehmer würden sich nach einer Mietwohnung umsehen, 42 Prozent nach einer Genossenschaftswohnung. Eine Eigentumswohnung sucht hingegen nur jeder Vierte. Genossenschafter sind übrigens besonders treu: 82 Prozent von ihnen würden wieder in einer Genossenschaft nach neuem Wohnraum Ausschau halten. Der Wunsch danach, genossenschaftlich zu wohnen, ist laut Studie generell sehr gross – unabhängig vom Einkommen.

Bevorzugte Wohnungstypen. (Grafik: Zimraum/zum Vergrössern anklicken)

Wenn es um die Mietkosten geht, legen Genossenschafter allerdings die niedrigste Zahlungsbereitschaft an den Tag. Sie erwarten für dieselbe Wohnfläche geringere Wohnkosten als Mieter. Insgesamt wären knapp 20 Prozent der Befragten bereit, mehr als 2500 Franken für eine Wohnung zu zahlen. Jeder Dritte sucht etwas im Bereich zwischen 1500 und 2000 Franken, und für ein weiteres Drittel darf die Wohnung nicht mehr als 1500 Franken kosten.

Abstriche bei der Wohnfläche

Dafür ist die Mehrheit auch bereit, flächenmässig Abstriche zu machen. Jede sechste Person, die zu zweit auf Wohnungssuche gehen würde, wäre mit 2,5 Zimmern zufrieden. Fast die Hälfte der Personen, die zu dritt wohnen, kämen auch mit 3,5 Zimmern aus. Wer also Kleinwohnungen baut, tut dies nicht nur für Singles, sondern häufig auch für Paare oder gar Kleinfamilien.

 «Richtpläne, Gebäudehöhen und Quartierentwicklungsdogmen können nicht die einzigen Kriterien für Stadtentwicklung sein.»Joëlle Zimmerli, Studienverfasserin Zimraum

Um lebendige, aus Sicht ihrer Bewohner lebenswerte urbane Umfelder zu schaffen, müssten demnach gemäss Studienverfasserin Zimmerli die gesetzliche Rahmenbedingungen hinterfragt werden. «Es macht wenig Sinn, grüne Wohnquartiere mit klotzigen Bauten vollzustellen, nur weil es dort Planungsreserven gibt oder in innerstädtischen Quartieren, wo Dichte und Reibungsflächen toleriert werden, hundertjährige Gebäudekorsette zu erhalten.» In den Quartieren müsse mit mehr Augenmass geplant werden, so Zimmerli. «Richtpläne, Gebäudehöhen und Quartierentwicklungsdogmen können nicht die einzigen Kriterien für Stadtentwicklung sein.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.03.2018, 11:13 Uhr

Die Lage muss stimmen - und ein Balkon muss her: Die Kriterien an eine neue Wohnung. (Bild: Keystone )

Angaben zur Studie

Die Studie beruht auf einer standardisierten schriftlichen Befragung von 804 Teilnehmern, die im Juni 2017 durchgeführt wurde. Zimraum ist ein sozialwissenschaftliches Planungsbüro, das untersucht, wie Räume gesellschaftlich genutzt werden und wie man sie neu gestalten kann, um nachhaltige Nutzungskonzepte zu verankern. Geschäftsführerin ist die Soziologin und Planerin Joëlle Zimmerli. (tif)

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