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Das Fifa-Museum muss sich wandeln

Trotz eines hohen Defizits ist der Weiterbetrieb offenbar nicht gefährdet. Doch es könnte zu mehr Entlassungen. Und der Gastrobetrieb wird wohl ganz eingestellt.

Das Fifa-Museum kommt an: Es ist das drittbestbesuchte der Stadt. Foto: Keystone
Das Fifa-Museum kommt an: Es ist das drittbestbesuchte der Stadt. Foto: Keystone

Statt der Ausstellung geben derzeit die Zahlen des Fifa-Museums in Zürich- Enge zu reden: Gestern hat der TA publik gemacht, dass das Museum «in einem ersten Schritt» acht Stellen streicht, nun wird klar, dass es wohl noch mehr sein werden. Hoch defizitär sei die Gastronomie, sagt Interimsdirektor Marc Caprez: «Das könnte bedeuten, dass wir diese ganz schliessen.» Angedacht sind eine Picknick-Area anstelle des Restaurants, Seminarräume anstelle der Bar. «Sicher ist, dass wir die Gastronomie in der heutigen Form nicht weiterführen können.»

Das Museum soll aber bleiben: «Die Schliessung ist derzeit keine Option», sagt Caprez. Die im vergangenen Jahr einberufene Taskforce der Fifa habe erkannt, dass es in Zürich ein Fussballmuseum brauche. Deshalb will das Fifa-Museum an den Kernkompetenzen festhalten. «Auf den kuratorischen Teil, das Research und Documentation Center sowie die Bibliothek kann auch in Zukunft nicht verzichtet werden», sagt der Museumsdirektor. «Sonst könnten wir unseren Auftrag – beschaffen, bewahren, erforschen, bekannt machen und ausstellen – nicht mehr erfüllen.»

Die Fifa sei bereit, das Museum weiterhin zu unterstützen, aber der derzeitige Selbstfinanzierungsgrad von 24 Prozent müsse besser werden. Das Betriebsdefizit betrug im ersten Jahr gemäss eigenen Angaben 25 Millionen Franken, trotz 130'000 Besuchern. Damit liegt das Fifa-Museum auf Rang 3 der bestbesuchten Museen in Zürich, die Eintritt verlangen.

Zahl der Stellen überrascht

Ein grosser Kostenpunkt ist das Personal. 104 Angestellte hat das Museum derzeit, die rund 40 Personen in der Gastronomie nicht eingerechnet. Das entspricht etwa 74 Vollzeitstellen. «Das ist viel», sagt Thomas Sieber, Dozent für Museumsgeschichte an der ZHDK. Vor allem, wenn man es mit anderen Zürcher Museen vergleiche. Das Museum für Gestaltung beschäftigt 45 Personen, das Museum Rietberg 34. Die beiden Museen rangieren bei den Besucherzahlen der bezahlten Museen in der Stadt Zürich auf den Rängen vier und fünf. Das Zürcher Kunsthaus beschäftigt 93 Personen, das Schweizerische Nationalmuseum (inklusive Landesmuseum) kommt auf 146 Vollzeitstellen. «Und die Beschäftigten des Schweizerischen Nationalmuseums müssen sich um eine Sammlung von bis zu einer Million Objekten kümmern», sagt Sieber. Da überrasche die Zahl der Angestellten im Fifa-Museum. Dort sind gerade einmal 1000 Exponate zu sehen.

Auch Bernhard Tschofen von der Universität Zürich, der sich mit Museumswissenschaften befasst, ist von der hohen Mitarbeiterzahl verblüfft. Er hätte eher mit 40 oder 50 gerechnet, stellt aber klar: «Damit ein Museum seine Aufgaben wahrnehmen kann, braucht es mehr als einen Direktor, jemanden an der Kasse und jemanden, der die Vitrinen abstaubt.» Für Laien mögen die Beschäftigtenzahlen eines Museums hoch erscheinen, sagt Tschofen. Aber im Hintergrund brauche es eine komplexe Organisation, die sich mit der Administration, der Technik, der Restaurierung befasse. Dass bei den Entlassungen die Kernkompetenzen des Museums möglichst verschont bleiben, erachtet Tschofen als zentral: «Spart ein Museum beim Kuratieren, der Restaurierung, der Wissenschaft und dem Vermitteln, verliert es an Schlagkraft. Museen dürfen nicht personell und intellektuell ausgehöhlt werden.»

Tschofen und Sieber von der ZHDK sind sich einig: Das Fifa-Museum hat im ersten Jahr mit 130'000 Besuchern ein gutes Resultat erzielt. Allerdings habe man sich zu Beginn verrechnet. Die angepeilten 250'000 Besucher seien unrealistisch: «Damit so viele Menschen das Museum besuchen, bräuchte es eine Lage in einem ikonischen Gebäude am See.» Nun muss sich das Museum trotz Kostendruck behaupten. «Das gelingt mit der etwas glatten Dauerausstellung nicht», sagt Tschofen. Es brauche Sonderausstellungen. Diese brächten Medienaufmerksamkeit und würden Besucher auch ein zweites Mal ins Museum locken. «Museen sind traditionell langsame Dampfer, heute punkten aber jene, die sich verändern und damit auch entwickeln.» Dafür müsste die Fifa mehr Selbstreflexion zulassen, mehr Ecken und Kanten erlauben, sich beispielsweise mit Machtverhältnissen hinter dem Fussballmythos auseinandersetzen. Dies sei bislang nicht geschehen: «Die Brasilien-Ausstellung war mehr ein gefälliger WM-Rückblick.»

Die Stadt Zürich steht hinter dem Fifa-Museum. Betriebswirtschaftliche Entscheidungen kommentiere die Stadt nicht, sagt Ralph Kreuzer, Sprecher des Schul- und Sportdepartements. Erfreulich sei aber, dass das Fifa-Museum der Stadt erhalten bleibe: «Es ist eine exklusive Pflanze, die den Museumsgarten erweitert.» Er stellt aber auch klar, dass das defizitäre Museum die Stadtzürcher Steuerzahler keinen Franken kosten soll. Das Museum erhalte keine Subventionen.

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