Das Grösste ist auch das Beste

Der Zürcher Prime Tower ist laut TA-Umfrage das mit Abstand beliebteste Hochhaus der Stadt. Andere prominente Türme kommen schlecht weg.

Rang 1 und der absolute Liebling unter den Giganten: der 126 Meter hohe Prime Tower in Zürich West.

Rang 1 und der absolute Liebling unter den Giganten: der 126 Meter hohe Prime Tower in Zürich West. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Der Prime Tower ist ein Glücksfall für die Stadt Zürich: Ihr mit 126 Meter gegenwärtig höchstes und bekanntestes Hochhaus ist zugleich auch das beliebteste – und zwar mit Abstand. Das zumindest legt die (nicht repräsentative) Notenvergabe von Tagesanzeiger.ch/Newsnet nahe, an der sich fast 900 Leserinnen und Leser beteiligt haben.

Zur Auswahl standen 35 Zürcher Hochhäuser, die man auf einer Skala von 0 bis 100 bewerten konnte. Dabei kam der Prime Tower, entworfen vom Architekturbüro Gigon/Guyer, auf einen Durchschnittswert von 70 Punkten. Überhaupt scheinen Annette Gigon und Mike Guyer den Nerv der Zeit zu treffen. Denn auch auf Rang 2 liegt ein Neubau aus ihrer Feder, diesmal eine Zusammenarbeit mit dem Atelier WW: das 70 Meter hohe schwarze Hochhaus auf dem Löwenbräu-Areal mit seiner markanten Auskragung. Es kam auf 61 Punkte.

Rang 2: Das Löwenbräu Black.

Knapp dahinter folgen zwei ältere Bauten, die beide auf 58 Punkte kamen: Das Hochhaus zur Palme von Haefeli Moser Steiger und André M. Studer, ein auf acht hohen Säulen schwebender Betonbau von 1964, in der TA-Kolumne «Bauzone» zum «coolsten Hochhaus der Stadt» erklärt. Und das SIA-Hochhaus am Schanzengraben von 1970, das von den Architekten Romero und Schaefle unlängst so umfassend umgestaltet wurde, dass es mit der ursprüngliche Form nur noch wenig zu tun hat. Mit 50 respektive 46 Meter gehören diese beiden übrigens zu den kürzeren Zürcher Hochhäusern – Grösse ist also nicht alles.

Rang 3: Hochhaus zur Palme (l.) und SIA-Hochhaus.

Die zeitgenössische Architektur kommt generell gut an: Unter den Top Ten befinden sich sechs Neubauten, die erst nach dem Jahr 2000 entstanden sind (sogar sieben, wenn man das SIA-Haus dazuzählt). Andererseits haben es aber auch zwei der ältesten Hochhäuser überhaupt weit nach oben geschafft.

Das Haus zur Bastei von 1955, entworfen vom umtriebigen Werner Stücheli, dem Zürich zum Beispiel auch das Limmatschiff verdankt. Und die Wohnhochhäuser am Letzigraben von 1952 mit dem auffälligen, Y-förmigen Grundriss, gebaut nach Plänen des damaligen Stadtbaumeisters Albert Heinrich Steiner. Mit nur gerade 26 respektive 33 Metern Höhe sind diese beiden Bauten so kurz geraten, dass sie nach heutigen Massstäben kaum noch als Hochhäuser gelten würden.

Interessanterweise bewegt die Rangliste entscheidend, wenn man die Abstimmenden danach fragt, welches ihr absoluter Favorit unter Zürichs Hochhäusern ist. Zwar wählt ein Drittel von allen auch hier den Prime Tower, aber dahinter schiebt sich das eben erst fertiggestellte Swissmill-Silo auf Rang zwei. Über 8 Prozent würden das mit 118 Metern zweithöchste Haus der Stadt zum Primus küren.

Das Swissmill-Silo.

Polarisierender Bau: Streuung der Bewertungen des Silos auf einer Skala von 0 (links) bis 100 (rechts). Im Vergleich dazu unten die Bewertungen des Prime Towers.

Das Silo hat also einige Fans, aber noch viel mehr Feinde. Bei der durchschnittlichen Bewertung schneidet es daher schlecht ab. Mit einer Punktzahl von 40 landet es abgeschlagen auf Rang 30. Dort befindet es sich in Gesellschaft von zahlreichen Hochhäusern, die ihm äusserlich verwandt scheinen: im Geist des Brutalismus stehende, rohe Betonbauten aus den Siebzigerjahren. Sie fanden bei unserer Jury keine Gnade.

Ungeliebte Betonbauten aus den Siebzigern

Das gilt zum Beispiel für das Hochhaus am Triemliplatz und die an Le Corbusier gemahnende Wohnsiedlung in Unteraffoltern – zwei Bauten, die die Stadt vor kurzem ins Inventar der schützenswerten Bauten aufgenommen hat. Es gilt aber insbesondere auch für das Schlusslicht der Rangliste, das alte Bettenhaus des Triemli-Spitals, das nun optisch etwas zurücktritt hinter dem gläsern glitzernden Neubau.

Kommt schlecht weg: Wohnsiedlung in Unteraffoltern von 1970.

Diese deutliche Ablehnung ist besonders dramatisch, weil einige dieser Häuser auch zu den bekanntesten der Stadt gehören, wohl auch aufgrund ihrer prominenten Lage. Das gilt neben dem Spitalgebäude besonders fürs ungeliebte Hotel Marriott nahe dem Hauptbahnhof und fürs Swissôtel am Bahnhof Oerlikon.

Versteckte Perlen

Auch das Gegenteil gibt es: Unbekannte Zürcher Hochhäuser an der Peripherie, die durchaus zu gefallen wüssten. Das gilt für das wohlwollend beurteilte neue Wohnhochhaus in Hirzenbach von Boltshauser Architekten. Weil es nahe der Stadtgrenze zu Wallisellen steht, hat es erst jeder Dritte der Abstimmenden schon gesehen. Es gilt aber auch für den Skykey von Theo Hotz nahe dem Hallenstadion und den dunkel glänzenden Büroturm Obsidian von Baumschlager und Eberle in Altstetten.

Das neue Wohnhochhaus Hirzenbach.

Übrigens scheinen sich bei weitem nicht alle gleichermassen für phallisch in den Himmel ragende Häuser zu interessieren – nur gerade 16 Prozent aller Umfrageteilnehmer waren Frauen. Und diese bewerteten die Bauten durchs Band negativer. Mit wenigen Ausnahmen: Die erwähnten Hochhäuser aus den Fünfzigerjahren schneiden bei ihnen besser ab als bei den Männern. Und auch dem neuen Hardturmpark mit seiner verspielten Fassade können sie etwas mehr abgewinnen.

Aus den Fünfzigerjahren: Die Hochhäuser beim Letzipark (l.) und zur Bastei.

Erstellt: 22.07.2016, 16:25 Uhr

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