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Das grosse Fragezeichen neben der Hardbrücke

Es ist das grösste der drei SBB-Areale, welche die Stadt umnutzen wird. Heute ist dort ein Wirrwarr an bester Lage.

Zehn Fussballfelder gross: Von der Hardbrücke aus ist die Dimension des Hardfeldes gut zu sehen.
Zehn Fussballfelder gross: Von der Hardbrücke aus ist die Dimension des Hardfeldes gut zu sehen.
Dominique Meienberg

Drei Areale öffnen die SBB in der Stadt Zürich für neue Nutzungen, insgesamt 140 000 Quadratmeter entlang der Hohlstrasse und an der Neugasse. Das grösste breitet sich auf knapp 70 000 Quadratmetern aus und liegt eingeklemmt zwischen Hardstrasse, Hardbrücke und dem Gleisfeld. Ihm widmet sich Teil 2 unserer kleinen Serie: Die grosse Leere.

Das Trottoir entlang der Hohlstrasse scheint schmaler, als es ist. Es ist keine schöne Gegend hier, der Verkehr dominiert, als Fussgänger fühlt man sich fehl am Platz. Bei der Duttweilerbrücke verkauft ein Autohändler auf einem kleinen Flecken Land unter alten Bäumen schöne alte Range Rover. Den Beginn des SBB-Areals markiert ein vollautomatisches Stellwerk: ein zweistöckiger Fremdkörper aus rötlich eingefärbtem Beton, mit kleinen, golden verspiegelten Fenstern. Von der Duttweiler-zur Hardbrücke steigt die Strasse an. Wie von einer 500 Meter langen (Süd-)Tribüne sieht man hinunter auf das Hardfeld. Zehn Fussballfelder fänden hier Platz.

Ein Abstellplatz an bester Lage

Von der Tribüne hat man einen perfekten Blick auf die markante Bruchsteinfassade des höchsten Gebäudes auf dem Areal. Es ist quasi das einzige vertikale Gleisfeld der Stadt – ohne Gleis allerdings. Die Fassade wurde als Ersatz für den verschwundenen Schotter geplant, als Lebensraum für Eidechsen und andere Lebewesen, die sich dank der Bahn in der Stadt wohlfühlen.

SBB-Areale mit neuer Nutzung

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Von der Osttribüne, der Hardbrücke, wird die Grösse des Areals so richtig sichtbar. Von dort oben gesehen entsteht auch der Eindruck, dass die zehn Fussballfelder unten deutlich unternutzt sind. Ein Wirrwarr, ein Abstellplatz – und das an bester Lage. Inspirierender ist da der Blick aus einiger Distanz, aus der Luft: Die Gebäude auf dem Hardfeld stehen schräg zum Gleisfeld und zur Hohlstrasse entlang von geschwungenen Gleisstümpfen. In der Vogelperspektive sehen diese aus wie Schweife eines Kometen, der gerade in das Wirrwarr der Schienen auf dem riesigen Gleisfelds «einspurt».

City-Logistik

Auf dem Gelände, das nicht mal in Begleitung von SBB-Vertretern zugänglich ist, findet heute ein bisschen das statt, was auch in Zukunft stattfinden soll. Das Stichwort ist City-Logistik und damit verbunden die Frage: Wie die Verteilung von Gütern in einer Stadt?

Das SBB-Areal Hardfeld: Es soll weiterhin ein Arbeitsgebiet bleiben. Bild: Dominique Meienberg
Das SBB-Areal Hardfeld: Es soll weiterhin ein Arbeitsgebiet bleiben. Bild: Dominique Meienberg

Hier sind zwei Firmen eingemietet, die Spross Gartenbau sowie das Elektrounternehmen Kummler & Matter. Die beiden Firmen beanspruchen die Fläche noch bis 2021 beziehungsweise 2031 im Baurecht. Die Vorstellungen, was Stadt und SBB hier einst realisieren, sind vage – viele grosse Fragezeichen rund um das riesige Gelände, das im kantonalen Richtplan als Industrie- und Gewerbezone eingetragen ist. In der Zone soll es belassen werden, sagt Barbara Zeleny, Projektleiterin SBB-Immobilien. Das heisst konkret: Zwischen Duttweilerund Hardbrücke wird eine urbane Mischnutzung von Gewerbe und Industrie, Forschung, Arbeit und einer einladenden Freiraumgestaltung entstehen.

Diese Mischung entspricht dem heutigen Stand der Stadtplanung. Beim Hardfeld kommt etwas dazu: «Hier können Züge rein- und rausfahren, in anderen Arealen nicht», sagt Zeleny. Deshalb sei es möglich, die Ver- und Entsorgung per Bahn zu erhalten. Im Vordergrund stehe eine Bündelung des Güterverkehrs, ein Umschlagplatz von Schienentransport und Feinverteilung, mit dem Ziel, weniger Lastwagen auf der Strasse zu haben. Im Jargon: City-Logistik.

Jedes der drei Areale verstehe sich als Erweiterung des bestehenden Quartiers, betont Zeleny. «Vielleicht», fügt sie an, «wird die Stadt in der Hohlstrasse die Tramlinie Nummer 1 wieder zum Thema machen.»

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