Das grosse Rätseln um den Prada-Laden

Seit mehr als zwei Jahren wird das Gebäude an der Bahnhofstrasse umgebaut. Der Eröffnungstermin ist aber immer noch nicht definitiv.

Der Prada-Laden an der Bahnhofstrasse hätte längst eröffnet werden sollen. Doch bis heute ist der Eingang versperrt. Foto: Sabina Bobst

Der Prada-Laden an der Bahnhofstrasse hätte längst eröffnet werden sollen. Doch bis heute ist der Eingang versperrt. Foto: Sabina Bobst

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Kein anderes Geschäft an Zürichs prominentester Shoppingmeile hat in den letzten Monaten für so viel Gesprächsstoff gesorgt wie die geplante Filiale der italienischen Luxusmarke Prada. Im Frühjahr hiess es, die Eröffnung des Ladens an der Bahnhofstrasse 42 stehe vor der Tür, weil Personal gesucht wurde. Aber dann geriet das Vorhaben ins Stocken. Jetzt sind Bauarbeiter am Werk. Schwarze Holzwände verdecken allerdings den Blick ins Innere des Gebäudes. «Alles ist sehr mysteriös», ist aus umliegenden Geschäften zu hören.

Prada selber nimmt zu konkreten Fragen des Umbaus keine Stellung – ausser zum Eröffnungstermin: «Im Juli ist es so weit», lässt eine deutsche Werbeagentur ausrichten, die für Prada kommuniziert.

Vielleicht stimmt dieser Termin, vielleicht auch nicht. Das Datum der Einweihung ist schon mehrfach verschoben worden. Erst hätte der Laden im Herbst 2014 eröffnet werden sollen. Dann wurde im Haus Asbest entdeckt. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1968. Es gehört der Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site (SPS). Sie betont, dass gebundener Asbest keine Fasern freisetze und deshalb nie eine Gefahr bestanden habe.

Konzept mehrfach geändert

Seit letztem Frühjahr ist die Asbestsanierung abgeschlossen. «Wir haben die asbesthaltigen Elemente unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen entfernt», heisst es vonseiten der SPS. Der Asbestabbau entspreche der langfristigen, nachhaltigen Investitionspolitik des Unternehmens. Die SPS schiebt jede Verantwortung für die Verzögerungen von sich. Prada habe sie selbst verursacht: «Sie hat ihr eigenes Ladenkonzept mehrmals geändert», sagt Martin Gut von der Immobiliengesellschaft.

Vor Prada hatte PKZ-Modehaus-Besitzer Olivier Burger in diesem dreistöckigen Geschäft zwischen 2002 und 2013 seine exklusive Damen- und Herrenmode verkauft. Der inzwischen verstorbene Eigentümer Olivier Burger soll laut dem Finanzmagazin «Bilanz» Anfang 2014 für das Überlassen seines langjährigen Mietvertrags an Prada ein Schlüsselgeld in zweistelliger Millionenhöhe erhalten haben. Die Verlierer dieses Deals zwischen Burger und Prada waren die beiden einzigen Geschäfte, die in Zürich bis zu diesem Zeitpunkt Prada exklusiv vertrieben hatten: Trudie Götz und Sträuli am Rennweg.

Prada hat in Zürich in die Wege geleitet, was das Unternehmen europaweit schon eingeführt hat. Es führt seine Geschäfte nun selber. Das machen auch andere Marken, wie Dior oder Dolce & Gabbana an der Bahnhofstrasse. Mit diesem Konzept wird der Zwischenhandel ausgeschaltet, das Unternehmen kassiert die ganze Marge allein. Das führt dazu, dass an den grossen Einkaufsstrassen der Welt überall die gleichen Luxusmarken anzutreffen sind.

Andere leisteten Aufbauarbeit

Auf der Strecke bleiben die, die Pionierarbeit geleistet haben. In Zürich hat Modekönigin Trudie Götz viel für das Image von Prada geleistet. Mit ihrer Firma Trois Pommes Prada hat sie die Marke in Zürich jahrelang aufgebaut. Seit 2015 gehört diese nun nicht mehr zu ihrem Sortiment. Ohnehin hat Trudie Götz ihr Imperium stark verkleinert. Auch Sträuli hat bei der Sportbekleidung für Prada Aufbauarbeit geleistet.

Inzwischen sind die Zeiten für Luxusmarken rauer geworden. Das Kundenverhalten verändert sich durch den Onlinehandel. Der Markenkult verliert laut einem Fachmann an Bedeutung. Das bekommen die Luxusgeschäfte an der Bahnhofstrasse zu spüren, der Konkurrenzkampf hat sich deutlich verschärft.

Spekulation über Eröffnung

Prada lässt sich davon nicht beirren. Ob Schlüsselgeld oder Neueröffnung: Aus Mailand erhält man dazu nur Schweigen. Das Gleiche gilt für die Kosten des Umbaus. Insider gehen davon aus, dass bei der Inneneinrichtung mit grosser Kelle angerichtet wird. Wann die Eröffnung sein wird, darüber wird spekuliert. An Juli glaubt hier niemand. Ein Insider tippt auf Herbst und damit auf die neue Kleidersaison. Das würde Sinn machen und deckt sich mit der Aussage von Martin Gut von der Immobilienfirma SPS: «Prada wird voraussichtlich im 3. Quartal einziehen und den Eröffnungsanlass wahrscheinlich für September planen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.06.2016, 23:13 Uhr

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