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Farbanschlag aufs türkische Konsulat

Im Zürcher Kreis 4 warteten die Polizeikräfte vergeblich auf die Nachdemo. Die Chaoten hatten ein anderes Ziel im Visier.

«Der beste Polizist ist das Wetter»: Was Polizeisprecher Marco Cortesi zum diesjährigen <nobr>1. Mai</nobr> in Zürich sagt. (Video: Lea Blum/Stefan Hohler)

Nach der Demo ist vor der Demo: Wie alle Jahre haben sich die Einsatzkräfte der Stadt- und der Kantonspolizei Zürich auch an diesem 1. Mai für eine sogenannte Nachdemo gewappnet. Regelmässig haben sich in früheren Jahren Chaoten im Kreis 4 zur unbewilligten Kundgebung im Anschluss an die offiziellen 1.-Mai-Anlässe versammelt. Es kam zu wüsten Ausschreitungen, Sachbeschädigungen, Verhaftungen.

Zwar wurde auch in diesem Jahr am Rande der Schlusskundgebung der offiziellen 1.-Mai-Demonstration mit einem Plakat zur «Solidarität mit dem bewaffneten Kampf in der Türkei und Syrien» zum Kanzleiareal im Kreis 4 gerufen. Aktiv wurden die Aktivisten aber im Kreis 6. Genauer beim türkischen Konsulat an der Weinbergstrasse 65. Mit Farbbeuteln haben die Chaoten die Fassade verschmiert und «Kill Erdogan» auf umliegende Hauswände gesprüht. Die Polizisten sind derzeit vor Ort. Gemäss ersten Informationen seien auf dem Platzspitz verdächtige Personen verhaftet worden.

Anschlag im Kreis 6: Polizisten bewachen das türkische Konsulat an der Weinbergstrasse 65 (Video: Lea Blum)

Umstrittenes Erdogan-Plakat in Zürich

Schon am Montagmorgen haben Aktivisten auf dem Kanzleiareal das umstrittene Plakat mit dem Bild des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aufgestellt, auf dessen Kopf eine Pistole gerichtet ist. Daneben steht in schwarzen Lettern der Schriftzug «Kill Erdogan – with his own weapons». Das Transparent sorgte vor wenigen Wochen bei einer unbewilligten Demonstration in Bern sogar für diplomatische Verstimmungen.

Wäre es auf offener Strasse präsentiert worden, hätte man es sichergestellt, sagte Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, gegenüber der NZZ. Man versuche nun, die Verantwortlichen zu eruieren. Gelinge dies, müssten sie mit einem Strafverfahren rechnen.

1. Mai ohne Nachdemo

Während die Polizei weiter nach den Aktivisten fahndet, die für die Farbanschläge und die Plakataktion verantwortlich sein könnten, blieb auf dem Kanzleiareal und dem angrenzenden Helvetiaplatz alles ruhig. Wo früher die Strassen abgeriegelt waren, Demonstranten eingekesselt wurden, Container brannten und Scheiben in die Brüche gingen, verkehren am 1. Mai 2017 sogar die Bus- und Tramlinien weiter nach Fahrplan. Einzig ein paar Medienvertreter und einige wenige Schaulustige haben sich dort im Anschluss an die offizielle Kundgebung eingefunden.

«Eingekesselt»: Personen werden von der Polizei am Rande der 1.-Mai-Kundgebung kontrolliert (Video: Lea Blum)

Marco Cortesi kann sich nicht erinnern, in seiner langjährigen Karriere je einen solch friedlichen Tag der Arbeit erlebt zu haben, wie er gegenüber Redaktion Tamedia sagt. Er führt dies auf das grosse Polizeiaufgebot zurück, das auch in diesem Jahr nötig gewesen sei. «Wir haben mehrere Personen festgenommen. Einige trugen brennbare Materialien und gefährliche Wurfgegenstände bei sich.»

500 Linksautonome am offiziellen Umzug

Obwohl alles ruhig blieb, markierten die Einsatzkräfte im Kreis 4 Präsenz: Wasserwerfer und Kastenwagen standen in Position, Polizisten flankierten Helvetiaplatz und Kanzleiareal. Denn auch an der diesjährigen 1.-Mai-Kundgebung haben gemäss einer Medienmitteilung der Stadtpolizei über 500 zum Teil vermummte Personen teilgenommen, die der linksautonomen Szene zuzuordnen sind. Schon während des offiziellen Umzugs kam es zu Sachbeschädigungen. Mehrere Farbanschläge und Sprayereien entlang der Route seien gemäss Mitteilung verübt worden. Ansonsten ist auch der Demonstrationsumzug am heutigen Tag der Arbeit völlig friedlich verlaufen.

Bereit für den Einsatz: Die Polizeifahrzeuge reihen sich auf der Stauffacherstrasse im Kreis 4 aneinander (Video: Lea Blum)

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