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Das Kosmos braucht Dialog, keinen Ränkeschmied

Die Initiantinnen des offenen Briefes «Reclaim Kosmos» legen ihre Forderungen für das Kulturhaus dar.

Wie soll es nun weitergehen? Nachmittagsbetrieb im Kulturhaus Kosmos. Foto: Raisa Durandi
Wie soll es nun weitergehen? Nachmittagsbetrieb im Kulturhaus Kosmos. Foto: Raisa Durandi

Andreas Tobler fragte letzte Woche auf dieser Seite: «Wofür kämpft ihr an der Kosmos-Front?» Er fragt, ob es den Verteidigerinnen des Kosmos um mehr gehe als «um ihr Image», und spurt wortreich vor, wofür «die intellektuelle Linke» sich einzusetzen habe. Mit Verlaub, Herr Tobler, wofür wir uns einsetzen, entscheiden wir gerne selber. Und damit zurück zu Ihrer Frage.

An der Aktionariatsversammlung warf eine knappe Mehrheit den Kosmos-Mitgründer Samir, die Regisseurin Stina Werenfels und den Filmemacher Ruedi Gerber aus dem Verwaltungsrat. Gleichzeitig verweigerte sie 45 Prozent der Aktionäre (-innen) eine Vertretung im VR. Ein XXL-Artikel der «Republik» zeichnet genau nach, mit welchen Tricks das bewerkstelligt wurde. Nun mögen Sie, Herr Tobler, die Metapher «Putsch» für übertrieben halten, die Sachlage aber bleibt sich gleich. 45 Prozent der Aktionäre (-innen) sind nicht mehr vertreten. Was in jeder grösseren AG nicht anginge, ist umso stossender bei einer Publikumsinstitution, die eng mit der Kulturszene verzahnt ist und von dieser lebt.

Kommen wir zum zweiten Punkt, der uns skandalisiert. An der Versammlung spielte sich Herr Edwin van der Geest plötzlich als starker Mann auf. Bekannt ist er als Exponent der so-genannten Freunde der NZZ. Letztere wollte die an den Freisinn gebundene Aktienvinkulierung bei der NZZ aushebeln. Damit hätten kapitalkräftige SVPler wie Nationalrat Thomas Matter bei der NZZ Stimmen kaufen und dem Blatt einen nationalkonservativen Kurs verordnen können. Mit seiner Firma Dynamics Group preist sich Van der Geest an als Spezialist für Proxy Fights, das heisst für unfreundliche Übernahmen. Als Verwaltungsrat fürs Kosmos ist ein professioneller Ränkeschmied ungeeignet, besonders in einem VR, in dem alle Gegengewichte rausspediert wurden.

Ihr Anwurf, es ginge bei «Reclaim Kosmos» um ein paar versprengte Linke, zielt ins Leere. Das belegt die Tatsache, dass der offene Brief, den wir aufgelegt haben, von über 1000 Personen unterzeichnet wurde, darunter ein Ständerat, diverse Nationalrätinnen, Ex-Stadtpräsidenten und viele herausragende Persönlichkeiten aus Kultur und Gesellschaft. Sollten Sie, Herr Tobler, neben der Kultur auch die Zürcher Politik mitverfolgen, wüssten Sie, dass die SVP nicht bloss für Linke, sondern auch für weite Teile des Bürgertums ein rotes Tuch ist. Wir wollen im Kosmos nicht, wie Sie glauben, unser «Selbstbild veredeln». Sondern es bewahren als einen Ort mit einer breiten Palette kultureller Veranstaltungen und lebendiger politischer Diskussionen.

Deshalb bleiben auch unsere Forderungen: Proxy-Fight-Fachmann van der Geest tritt zurück. Und der kaum legitimierte Verwaltungsrat nimmt unverzüglich den Dialog mit den ausgeschlossenen 45 Prozent der Aktionäre (-innen) auf, um einen gemeinsamen Neuanfang zu finden. Alle wünschen dem Kosmos eine gedeihliche Zukunft. Wir sind uns aber sicher, dass der einseitig zusammengesetzte Verwaltungsrat um Bruno Deckert das nicht gewährleisten kann. Deshalb braucht es eine neue GV. Und deshalb, Herr Tobler, kämpfen wir weiter, selbst wenn Sie für uns etwas anderes vorsehen.

Patrick Frey (Komiker und Verleger, Aktionär Kosmos); Sabine Gisiger (Filmemacherin und Historikerin); Katrin Jaggi, (Städtebauerin und Architektin, Aktionärin Kosmos). Sie haben den offenen Brief «Reclaim Kosmos» initiiert.

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