Das Krokodil kehrt nach Zürich zurück

Die bekannteste Lokomotive der Schweiz soll am Ort ihrer Entstehung in Oerlikon öffentlich ausgestellt werden. Eine Hürde gilt es aber noch zu überwinden.

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Seit über zwölf Jahren will der Verein Oerlikon Industriegeschichte ein Exemplar des Krokodils, der berühmtesten Schweizer Lokomotive, an dessen Geburtsstätte nach Oerlikon zurückzubringen. «Dieser Traum muss nun definitiv wahr werden», sagte Gesamtprojektleiter Hansruedi Diggelmann gestern vor den Medien.

Knapp 100 Jahre nach Inbetriebnahme dieser legendären Elektrolok soll sie bis Ende 2018 in einem komplett veränderten Umfeld zu sehen sein: Das Schienenfahrzeug wird im Pocket Park an der Ecke Birch/Binzmühlestrasse auf dem Vorplatz des Gebäudes von PricewaterhouseCoopers (PWC) aufgestellt werden. Dort soll die Lok für Stadtführungen, schulische Projekte und Firmenanlässe benutzt werden. Zudem können Passanten an einer Informationssäule mit Touchscreen Wissenswertes über die Lokomotive und ihre Geschichte abrufen.

Der Verein will mit dem Krokodil aber nicht bloss ein Zeichen für die gloriose Vergangenheit der Maschinenindustrie setzen. «Eisenbahnromantik ist nicht unser Anspruch. Das Krokodil soll in Neu-Oerlikon als Symbol für die grosse Bedeutung Zürichs als Industrie- und Wissensstandort dienen», erklärt Diggelmann.

«Wir rechnen mit Gesamtkosten von 1,62 Millionen Franken.»Hansruedi Diggelmann, Gesamtprojektleiter

Einer der Unsicherheitsfaktoren des Projekts war lange Zeit die Finanzierung des Transports, der Renovation und des Aufstellens des 130 Tonnen schweren Kolosses. Das Geld ist fast zusammen: «Wir rechnen mit Gesamtkosten von 1,62 Millionen Franken», sagt Diggelmann. 1,5 Millionen Franken davon sind bereits ausbezahlt oder mindestens zugesichert worden – von Kanton und Stadt Zürich sowie privaten Gönnern und Sponsoren. Eine vergleichsweise kleine Hürde gilt es allerdings noch zu überwinden: Es fehlen 120’000 Franken. Diese Summe will der Verein mit einem Spendenaufruf auf einer neu gestalteten Website auftreiben.

Wind und Wetter ausgesetzt

Das Krokodil, welches nächstes Jahr nach Oerlikon kommt und durch einen Gitterkäfig vor Wetter und Vandalen geschützt ist, hat eine lange Geschichte hinter sich. Es befand sich zuletzt in Erstfeld in einer alten Dampfremise. Zuvor stand es seit den 80er-Jahren nur unweit davon entfernt auf einem Sockel und war viele Jahre Wind und Wetter ausgesetzt. Diesen Standort musste die Lokomotive räumen, weil der Platz neu als Standort für das Interventionszentrum der Neat genutzt wird.

Im Mai dieses Jahres wurde die alte Lok in die Industriewerke SBB Biel geschleppt, wo sie in den vergangenen Monaten von den SBB sorgfältig renoviert wurde. Anfang Februar 2018 wird die Lokomotive nach Seebach überführt. Dort darf sie kostenlos auf dem Industriegleis der Firma Bombardier stehen.

Das Krokodil der Baureihe Be 6/8 beziehungsweise Ce 6/8 lässt die Herzen der Eisenbahnfans seit je höher schlagen. Weltweit existieren nur noch neun Exemplare, drei davon sind noch betriebstüchtig. Gebaut wurden sie alle zwischen 1919 und 1926 in der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO). Insgesamt wurden 51 Krokodile hergestellt, die oft mehr als 50 Jahre im Einsatz standen. Von den Loks, die erhalten geblieben sind, stehen je eine im Verkehrshaus Luzern und in Mendrisio, zwei in Deutschland und eine in Österreich.

www.krokodil-oerlikon.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.12.2017, 10:02 Uhr

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