Das Manifesta-Floss ist da

Heute Morgen hat der schwimmende Pavillon der Kunstbiennale Manifesta 11 am Bellevue angelegt. Die Überfahrt lieferte einen Vorgeschmack auf das, was Zürich diesen Sommer erwartet.

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Zürich, Freitagmorgen, 8 Uhr: Der «Pavillon of Reflections» ist angekommen an seinem Bestimmungsort in der Nähe des Bellevues. Schmale Latten dienen als provisorischer Steg. Eine Schar von Medienleuten, Manifesta-Mitarbeitern und Architekten schwärmt auf das Deck. Sie steigen auf das Sonnendeck, inspizieren die Bar, setzen sich auf die Bänke. Die Sonne bringt die Holzgitter auf dem Dach zum Leuchten. Es wird gelacht, gefilmt, fotografiert. Mit der Ruhe ist es vorbei. Bis vor wenigen Stunden hatten die Erbauer die Plattform noch ganz für sich.

Vorbereitungen zur Überfahrt

Stunden vorher, um 5.30 Uhr auf der gegenüberliegende Seeseite. Es herrscht Hektik. In einer halben Stunde soll das Floss am Mythenquai ablegen. Männer in Schwimmwesten bringen sich in Motorbooten rund um den schwimmenden Pavillon in Stellung. Auf Deck rollt eine Studentin ein Kabel ein. Über einen Monat lang haben 30 ETH-Architekturstudierende unter der Leitung von Tom Emerson das Floss hier aufgebaut. Die markant-filigrane Holzkonstruktion ist der Entwurf der jungen Menschen. Unterstützt wurden sie von diversen Firmen, die auf Holz-, Wasser- und Stahlbau spezialisiert sind. Einige von ihnen setzen sich für die Überfahrt auf die Tribüne.

Ein Superheld begleitet das Floss

Kurz nach 6 Uhr heisst es: Leinen los! Langsam gleitet das Floss über den See, an Rudersportlern und Enten vorbei. «Ein erhebender Moment», flüstert einer der Studenten. Die Bedingungen für den Transport sind ideal, es gibt keinen Wind. Wellen verursacht einzig das Taxiboot, das den schwimmenden Pavillon umkreist. Darauf steht Christian Jankowski. Der Kurator der Manifesta weiss, wie man sich inszeniert. Er trägt Turnschuhe, Anzug und einen Superman-Umhang in Schwarz-Weiss. Und zeigt für die Fotografen in Richtung Stadt. «Abgekürzt heisst der Pavillon of Reflections POV, so wie ‹Point of View›, das ist ein genialer Zufall!», wird er später sagen. Denn je nach Perspektive sei das Floss ein Kunstwerk, eine Badi, eine Bar oder ein Kino.

Ein Kraftakt wars!

Einige Minuten vor 7 Uhr hat das Floss den Anlegepunkt fast erreicht. Boris Gusic, Assistent des Architekturstudios Emerson und Projektverantwortlicher, drückt auf «Play» und Enrico Carusos Stimme erklingt. Das ist natürlich kein Zufall. Klaus Kinskis Fitzcarraldo träumt davon, im Urwald ein Opernhaus zu bauen und Caruso dort singen zu hören. Dafür muss aber ein Schiff über einen Berg gezogen werden. «Am Anfang eines solchen Projektes zeigen wir den Studenten jeweils einen ‹Fitzcarraldo›-Ausschnitt, um den Kraftakt zu verdeutlichen, der ihnen bevorsteht», sagt Gusic. In so grossen Gruppen Entscheidungen zu treffen, hinter denen dann alle stehen könnten, sei anspruchsvoll, aber auch eine gute Übung.

Zwei Studierende sitzen auf der Tribüne. Ihre Hosenbeine sind voller Sägemehl, ihre Augen voller Glück. Über ein Jahr lang haben sie auf diesen Moment hingearbeitet. «Wir haben unglaublich viel gelernt», sagt Jonatan Egli. Seine Mitstudentin Anna Stallmann macht ein Beispiel: «Die Zimmerleute, die beim Aufbau geholfen haben, besitzen ein unersetzliches Wissen», sagt sie. «Sie haben uns gezeigt, wie man auch auf der Baustelle noch einiges retten kann.»

Unterdessen ist die Plattform vertäut, der provisorische Steg gelegt. Der hölzerne Platz füllt sich flugs mit Menschen. Ein Vorgeschmack auf den Sommer? Am 11. Juni wird der Pavillon offiziell eröffnet. Tagsüber dient er als Badeanstalt, abends als Veranstaltungsort für die Manifesta. Jede Wette, dass das Floss zum Publikumsmagnet wird.

Erstellt: 27.05.2016, 14:36 Uhr

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