Das neue Eishockeystadion kommt nicht vor 2019

«Theatre of Dreams» heisst die neue Duplexarena für die ZSC Lions und Volero Zürich. Noch gibt es viele Hürden für das 220-Millionen-Projekt. Deshalb wird das Stadion erst 2019 oder 2020 stehen – statt 2017.

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«Was ist die richtige Architektur für einen Sportpalast?» Diese Frage habe sich die 15-köpfige Wettbewerbsjury immer wieder gestellt, sagte heute Mittwochnachmittag Jury-Präsidentin Ursula Müller vom städtischen Amt für Hochbauten. Am Schluss obsiegte der Vorschlag von Caruso St. John Architects aus London. Es sei das feingliedrigste Projekt gewesen, sagte Müller. Und ein sehr festliches.

Festlich deshalb, weil die Beton-Fassade dem Vorhang eines altmodischen Festzelts nachempfunden ist. Bei der Beurteilung ebenfalls ein Rolle gespielt hat gemäss Müller, dass das «Theatre of Dreams» das günstigste jener vier Projekte war, die es in die Endrunde geschafft haben.

«Nur» 5-prozentige Kostenüberschreitung

Die Kostenüberschreitung belief sich «nur» auf 5 Prozent, was in etwa 10 Millionen Franken entspricht. Dieser Betrag lasse sich bei der Verfeinerung des Projekts einsparen. Andere Projekte hätten das Kostendach von 193 Millionen um bis zu 17 Prozent (oder 33 Millionen) überschritten, ergänzte der Zürcher Sportminister Gerold Lauber (CVP) auf Nachfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Überzeugt habe, dass Caruso St. John zwar nur einen schmalen Platz im Osten des Gebäudekomplexes vorschlägt, auf dem die Fans von Norden und Süden her auf dem Stadiongelände ankommen, aber dafür zwei grosszügige Terrassen vorsieht. Die eine ist für die VIP vorgesehen und befindet sich auf der Nordseite über der ZSC-Trainingshalle. Die andere Terrasse ist südlich ausgerichtet, befindet sich über der Volleyballarena und ist fürs gewöhnliche Publikum und ausserhalb der Spieltage für die Quartierbevölkerung gedacht. Dazwischen ist das Eishockeystadion.

Prominente Konkurrenz

71 Architektenteams hatten sich beworben. Zwölf wurden von der Stadt Zürich ausgewählt, um ein Projekt einzureichen. Unter ihnen war David Chipperfield, der bereits den Erweiterungsbau des Kunsthauses baut. Weitere bekannte Namen waren die drei Zürcher Teams Graber-Pulver, E2A-Eckert-Eckert und EM2N.

Die Gewinner, Caruso St. John mit Büros in London und Zürich, sind der Zürcher Bevölkerung schon bekannt. Sie hatten das Nagelhaus beim Escher-Wyss-Platz konzipiert, das beim Stimmvolk durchgefallen ist. Von den bekannteren Teams hat es neben Caruso nur EM2N in die Schlussrunde gebracht und den 4. Preis gewonnen.

Eine Fassade wie ein Theatervorhang

Caruso St. John habe das trotz wenig Platz umfassende Raumprogramm geschickt umgesetzt, heisst es im Jurybericht. Schliesslich mussten ein Eishockeystadion für 12'000 Zuschauer (3100 Stehplätze), eine Volleyballarena für 3000 und ein Hockeytrainingsstadiönli für 700 Zuschauer auf 28'000 Quadratmetern integriert werden. Die beiden Hauptarenen wurden nebeneinander angeordnet.

Als «besonders stimmungsvoll» werden die Terrassen mit Blick auf die Stadt und das Limmattal bezeichnet. Die wellenförmigen Fassaden sollen an einen grossen Theatervorhang erinnern, weshalb Caruso St. John das Projekt «Theatre of Dreams» genannt habe – gewiss in Anlehnung an das Old-Trafford-Stadion von Manchester United, das ebenso bezeichnet wird.

Kulturlandinitiative als Unsicherheitsfaktor

Wann der Theatervorhang der neuen Arena aufgehen soll, ist allerdings noch unklar. Denn einerseits hat die Unsicherheit aufgrund der Kulturlandinitiative zu Verzögerungen geführt. Denn auch wenn Baudirektor Markus Kägi (SVP) jüngst den Einzonungsstopp für Schul- und Sportanlagen gelockert hat, ist die Umsetzung der Initiative noch nicht klar. Die Sportarena kommt auf dem Schrebergartenareal Vulkanstrasse zu stehen, das umgezont werden muss. Die Umsetzung der Initiative wird der Kantonsrat erst noch beschliessen – spätestens bis Mitte 2014. Gemäss Stadtrat Lauber ist nach Gesprächen mit dem Kanton aber nahezu sicher, dass die Kuklturlandinitiative den Stadionbauern nicht ins Gehege kommt.

Dennoch brauchen Investoren Rechtssicherheit, weshalb noch keine Nägel mit Köpfen gemacht werden können. Trotzdem wollen die ZSC Lions und Volero Zürich bis Herbst den Plan für die nächste Umsetzungsphase präsentieren. Ursprünglich war vorgesehen, das Stadion 2017 zu eröffnen. Dieser Zeitplan ist nun obsolet. ZSC-CEO Peter Zahner sprach von einer Eröffnung 2019 oder 2020. Die Verzögerung sei nicht so schlimm, sagte er. Wichtig sei, dass die neue Arena überhaupt kommt. Problematisch ist noch der Businessplan, der ein Defizit vorsieht. Damit die Bagger auffahren können, müsse die Rechnung aufgehen, sagte er.

Clubs zahlen 44 der 193 Millionen

Investoren braucht es, denn die ZSC Lions wollen 35, Volero 9 Millionen Franken Eigenkapital einschiessen. Zahner hat die Zusicherung von Investoren für die 35 Millionen, versicherte er. Volero-Präsident Stav Jacobi sagte, ihm seien etwas über 8 Millionen zugesichert worden. Und falls es sein müsste, würde er für die restliche knappe Million einspringen.

Das Gesamtprojekt kommt auf weit über 200 Millionen zu stehen. 193 Millionen kosten die drei grossen Hallen, Büros, Businessclub, Restaurant und Sportbar, Fanshop, 13 Verpflegungsstände, die Tiefgarage mit 350 Parkplätzen, die Passerelle zum Bahnhof Altstetten und die Stadionumgebung. 9 Millionen sind als Reserve eingeplant.

In der Summe nicht enthalten sind neben der Mehrwertsteuer (15 Millionen) die Kosten für die Altlastensanierung und eine Kanalverlegung (13 Millionen) sowie die geplante Fotovoltaikanlage. Das macht eine Gesamtsumme von über 220 Millionen. Die Stadt ist als eine Art Bank vorgesehen. Sie soll ein Darlehen von 149 Millionen gewähren. Finanzvorsteher Martin Vollenwyder (FDP) sagte im Februar 2012, er habe eine Offerte mit einem Zins von 1,75 Prozent für 20 Jahre. Die Zinsen und die 65-jährige Amortisation in der Höhe von jährlich 3,4 Millionen sollen die beiden Vereine zahlen.

Stadt deckt Teil des Betriebsdefizits

Die Stadt ist auch bereit, höchstens 2,5 Millionen ans laut vorläufigem Businessplan geplante Jahresbetriebsdefizit von 4 bis 4,4 Millionen zu zahlen. Über das Gesamtprojekt wird noch das Stadtparlament und mit Sicherheit auch das Volk entscheiden, da die 2,5 Millionen wiederkehrende Ausgaben sind. Gerold Lauber sagte, das Darlehen falle im Prinzip in die Kompetenz des Stadtrats, doch sei klar, dass das Stimmvolk «im Sinne der Einheit der Materie» über alles wird abstimmen können – frühestens 2016.

Vor Jahresfrist wurde gesagt, das Stadionprojekt schlage gleich drei Fliegen mit einer Klappe. So können die ZSC Lions mit ihren 40 Mannschaften den Terminschwierigkeiten im Hallenstadion ausweichen und ihren Sport besser vermarkten. Das ambitionierte Volero kann aus der improvisierten Heimarena – der Turnhalle des Schulhauses Im Birch in Oerlikon – ausziehen. Und die Stadt erhält mit dem unteren von zwei Rängen, der 7000 Zuschauer fasst, eine Halle zwischen der Grösse des Hallenstadions und der Saalsporthalle.

Erstellt: 13.03.2013, 14:31 Uhr

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Die Eisarena von Zürich

Die Eisarena von Zürich Die ZSC Lions wollen nach Altstetten ziehen. Für das Projekt gibt es bereits verschiedene Vorschläge.

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