Das neue Zürcher Tram trumpft mit einer Weltneuheit auf

Vergeblich aufs Tram spurten? Das ist passé, weil das neue Flexity eine Art Ampelsystem hat. Das Originalfahrzeug wurde heute in Wien vorgestellt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zürichs neue Tramkompositionen sollen neue Farben in die Stadt bringen: Grün werden sie leuchten, wenn ihre Türen in den Haltestellen geöffnet sind. Rot, wenn die Türen schliessen. «So wissen unsere Kunden, ob sich ein Sprint lohnt, um das Tram noch zu erreichen», erklärt Guido Schoch, Direktor der Zürcher Verkehrsbetriebe VBZ, bei der Präsentation. Gewohnt weiss leuchten die Züge dann während der Fahrt.

«So wissen unsere Kunden,
ob sich ein Sprint lohnt,
um das Tram noch zu erreichen.»
Guido Schoch, VBZ-Direktor

Farbe wechseln allerdings nicht nur die Scheinwerfer an der Front und im Heck der neuen Züge, sondern auch schmale Lichtbalken, die in jeder Türe eingebaut sind. Das ist eine Neuheit für Trams weltweit, und Schoch ist darauf ebenso stolz wie auf die sogenannte «Rieseldecke» der Züge, die durch feine Löcher klimatisierte Luft sanft und ohne störende Strömung in den Wagen verteilt.

Mitte 2020 in Betrieb

Um das Züri-Tram den Medien zu präsentieren, ist der VBZ-Direktor nach Wien gereist, wo die Züge im Werk des kanadischen Konzerns «Bombardier» endgefertigt werden. Bombardier hat sein Kompetenzzentrum für Strassenbahnen in Österreich. Die Wagenkästen werden aber aus Werken in Deutschland und Tschechien zugeliefert.

Im Herbst 2019 soll das erste Tram des Typs «Flexity» in Zürich ankommen und nach Probefahrten und Zulassungsverfahren Mitte 2020 in den Linienbetrieb genommen werden. Bis 2024 will Bombardier 70 Stück Flexity nach Zürich liefern, womit die VBZ ihre gesamte Flotte auf Niederflur umstellen können. Die älteren Trams 2000 sollen dann ausgemustert werden. Nur die sogenannten «Sänften», mit einem Niederflurteil in der Mitte, dürfen noch eine Zeit lang weiterfahren.

Transport per Lastwagen

Von Wien nach Zürich werden die Trams mit Spezial-LKWs gebracht. Ein Transport mit der Bahn sei zu langwierig und zu unsicher, erklärt Stéphane Wettstein, CEO von Bombardier Schweiz: Bei längeren Stehzeiten in Rangierbahnhöfen bestehe die Gefahr von Vandalismus.

Dass auch Wettstein nach Wien gekommen ist, unterstreicht die Bedeutung des Zürcher Auftrags für den wirtschaftlich angeschlagenen kanadischen Bahnbauer. Nicht nur wegen des Gesamtvolumens von 358 Millionen Franken für 70 Zügen und der Option auf den Bau weiterer 70 Einheiten: Es geht auch um eine Imagepolitur für Bombardier nach den zahlreichen Problemen mit den Fernverkehrs-Doppelstockzügen für die SBB.

Lange Geschichte

Probleme gab es auch beim neuen Züri-Tram, allerdings schon in der Phase der Ausschreibung. Die Einsprüche der Konkurrenz führten zur Verspätung beim Baubeginn und diese wiederum zu Engpässen bei den VBZ. Die Verkehrsbetriebe mussten deshalb die letzten beiden Mirage-Trams aus den 1960er-Jahren aus dem Museum holen, die nun zur Freude der Tram-Nostalgiker auf den Linien 8 und 17 verkehren.

Richtig kritisch könnte es diesen Herbst nach Eröffnung des ersten Teils der Limmattalbahn von Zürich-Farbhof nach Schlieren werden. Dann darf kein einziges Fahrzeug durch technisches Gebrechen oder Unfall ausfallen. Guido Schoch hofft, dass «wir Mitte 2020 mit dem Einsatz der ersten Flexity wieder mehr Luft haben».

«Mitte 2020 werden wir
mit dem Einsatz der
ersten Flexity-Trams
wieder mehr Luft haben.»
Guido Schoch, VBZ

Schwierigkeiten mit der Technik sind beim neuen Züri-Tram nicht zu erwarten. Das Modell Flexity ist altbewährt und fährt bereits in Basel, Wien, Marseille und anderen Städten. Für die Zürcher ist es auch eine Rückkehr zum traditionellen Bahnbau. Das Cobra-Tram mit Aluminium-Gehäuse und Einzelradantrieb hat sich als Irrweg erwiesen. Flexity wird wieder mit Stahl gebaut, die Räder sind durch Achsen verbunden. Das macht die Züge stabiler und ruhiger im Lauf.

USB-Stecker und Joystick

Trotz der Fertigung von der Stange wird das Fahrzeug eine Zürcher Handschrift tragen. Nicht nur bei den Farben und Leuchtbalken. Neu sind die Sitze aus Vollholz. Das sei ein klarer Wunsch der Kunden gewesen, sagt Schoch. Neu sind 24 USB-Stecker pro Fahrzeug – zum schnellen Aufladen elektronischer Geräte.

Und eine Premiere erwartet auch die Trampilotinnen und -piloten: Sie werden erstmals die Züge nicht mit einem Steuerrad beschleunigen und bremsen, sondern per Joystick. Bei der Cobra konnte das noch nicht durchgesetzt werden. Aber mittlerweile «fährt man Trams auf der ganzen Welt so», sagt VBZ-Chef Guido Schoch. «Das haben unsere Leute akzeptiert».

VBZ-Video zum Bau des Flexity-Trams.

Erstellt: 11.07.2019, 16:56 Uhr

Artikel zum Thema

Hurra, es ist ein Tram!

Das Flexity hätte das Zeug dazu, neues Zürcher Lieblingstram zu werden. Wenn nur der Name nicht wäre. Mehr...

Überraschend aufgeräumt: So sieht das neue Tram aus

Video Die VBZ haben heute das Flexity-Tram in der Zürcher Version vorgestellt. Es beinhaltet durchdachte Details. Mehr...

Testfahrt im künftigen Zürcher Tram

Kritik Das Flexity-Tram kommt in drei Jahren an die Limmat, in Basel fährt es schon. Dort offenbart es nebst Stärken auch eine Schwäche. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Blogs

Mamablog Ach, diese Instagram-Muttis!

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Harter Einsatz: Ein Demonstrant wird in Santiago de Chile vom Strahl eines Wasserwerfers getroffen. Die Protestbewegung fordert unter anderem höhere Untergrenzen für Löhne und Renten, günstigere Medikamente und eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll. (9. Dezember 2019)
(Bild: Fernando Llano) Mehr...