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Das Opfer war auch Zuhälterin

Eine 25-jährige Ungarin ist wegen Menschenhandel und Förderung der Prostitution zu einer dreijährigen Strafe verurteilt worden. Die Romafrau musste nicht nur auf den Strich, sondern unterdrückte vier Frauen.

Brutales Geschäft: Prostituierte und Freier auf dem Strassenstrich in Zürich.
Brutales Geschäft: Prostituierte und Freier auf dem Strassenstrich in Zürich.
Keystone

Klein und unscheinbar steht sie vor dem Gericht, mit leiser Stimme beantwortet sie die wenigen Fragen des Vorsitzenden. Die Romafrau hat dem abgekürzten Verfahren zugestimmt, die Verhandlung dauert nur knapp zwei Stunden. Die heute 25-Jährige ist geständig, zwischen Ende April 2009 und Mai 2011 als sogenannte Capo-Frau vier Landsfrauen auf den Sihlquaistrich ausgebeutet zu haben.

Capo-Frauen sind eine Art verlängerter Arm der männlichen Zuhälter. Der Name geht auf die Häftlinge in den Konzentrationslagern zurück, die zu Aufsehern befördert und ebenfalls Capos genannt wurden.

Männer schrecken Freier ab

Capo-Frauen sind in der Regel Täterinnen und Opfer. Ein Zuhälter kontrolliert in der Regel drei bis vier Frauen, will sich selbst aber nicht auf dem Strich blicken lassen. Er will einerseits der Polizei aus dem Weg gehen, andererseits mögen es die Freier nicht, wenn Zuhälter herumstehen. Damit sie trotzdem alles unter Kontrolle behalten, lassen die Zuhälter eine ihrer Frauen in der Hierarchie aufsteigen.

Dies war auch bei der Beschuldigten der Fall. Sie arbeitete ebenfalls auf dem Strich am Sihlquai und wurde von einem männlichen Roma-Zuhälter ausgebeutet. Der Mann sitzt im Gefängnis und wartet auf die Gerichtsverhandlung. Der Staatsanwalt fordert für ihn eine langjährige Freiheitsstrafe.

Sieben Arbeitstage in der Woche

Der Staatsanwalt wirft der Frau vor, die vier Landsfrauen überwacht, kontrolliert und ausgebeutet zu haben. So hat sie von einer Prostituierten verlangt, Sex ohne Gummi anzubieten. Eine andere musste auch bei tiefen Temperaturen in knapper Bekleidung am Sihlquai stehen.

Die Frauen mussten mit möglichst vielen Freiern ins Geschäft kommen. Sie mussten daher während sieben Tagen in der Woche von jeweils 19 Uhr bis 5 Uhr morgens an einem zugewiesenen Platz am Sihlquai oder an der Langstrasse anschaffen.

Zwei der vier Frauen knöpfte die Beschuldige das ganze verdiente Geld ab und gab es ihrem Zuhälter. Dieser gab den Frauen lediglich Geld für die Lebenskosten. Die beiden anderen Frauen mussten der Capo-Frau die Hälfte des verdienten Geldes abgeben.

Frau musste Hälfte ihres «Kaufpreises» zahlen

In einem Fall versuchte die Beschuldigte, im Auftrag ihres Zuhälters eine der Frauen an einem anderen Zuhälter für 5000 Franken «weiterzuverkaufen». Der Preis wurde dann von der Käuferschaft auf die Hälfte gedrückt, die Frau musste dafür die Differenz aus ihrem erwirtschafteten Einnahmen abgeben.

Das Gericht folgte dem Urteilsvorschlag des Staatsanwaltes und verurteilte die Frau zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monate, wovon die Hälfte unbedingt ausgesprochen wurde.

Da die Beschuldigte seit ihrer Verhaftung im Mai 2011 im Gefängnis sitzt, kommt sie frei. In Ungarn will sie nun arbeiten und «ein ganz normales Leben führen», sagte sie zum Vorsitzenden.

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