Das pralle Leben in der Masoala-Halle

Wenn es draussen heiss ist, geht es im Masoala-Regenwald des Zoos Zürich noch heisser zu und her. Auch weil bei den Roten Varis die Pille abgesetzt wurde.

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Letztes Mal in der Masoala-Halle habe ich gesichtet: einige Reiher, Tauben, einen grossen Flughund, einen Tausendfüssler und natürlich die Schildkröten, die nicht zu übersehen sind. Neben all den Pflanzen natürlich. Und es war wohlig warm, während draussen garstiges Wetter herrschte.

Heute Mittwochmittag in der Masoala-Halle: Die Sommerhitze wird durch die Schwüle im Regenwald noch potenziert. Doch während uns der Schweiss ausbricht und wir träge werden, herrscht in der Tierwelt das pralle Leben.

Zuchtstopp für die Lemuren

Bei den Roten Varis hat es seit neun Jahren das erste Mal wieder Nachwuchs gegeben. Am 24. April brachte das hier geborene Weibchen Garabola drei Junge zur Welt. Und diese sind derzeit voll im Saft. Sie hangeln sich von Ast zu Ast, und selbst Robert Zingg, Seniorkurator des Zoos Zürichs, der heute den Medien den jüngsten Nachwuchs des Zoos vorstellte, ist überrascht, welch grosse Sprünge die Kleinen schon wagen.

Überraschend ist auch, dass alle drei überlebt haben. Denn die Jungensterblichkeit ist mit vierzig Prozent recht hoch. Nicht überrascht aber, weshalb es so lange dauerte, bis es bei diesen Lemuren wieder Nachwuchs gab. 2007 erhielt der Zoo nämlich einen Zuchtstopp für die Roten Varis, was zur Folge hatte, dass die vier Weibchen zur Empfängnisverhütung mit Hormonimplantaten versehen wurden.

Masterplan Roter Vari

Die Geburtenkontrolle für rund 500 Tierarten, darunter eben diejenige des Roten Vari, erfolgt in internationalen Zuchtprogrammen. Die rund 350 Zoos, die der europäischen Zoovereinigung Eaza angeschlossen sind, sind Teil von Zuchtprogrammen. Bei diesen geht es darum, dass in den Zoopopulationen die genetische Vielfalt möglichst hoch bleibt.

Der Zoo Zürich ist an fünfzig solchen Programmen beteiligt und in den zwei Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen (EEP) für das Südliche Vikunja und den Kappengibbon und in dem European Studbook (ESB) der Galapagos-Riesenschildkröte federführend. EEPs sind strengeren Regeln unterstellt als ESBs.

Bei den Roten Varis ist laut Zingg vor einigen Jahren die Übersicht über die genetischen Verhältnisse etwas verloren gegangen. Das führte zum Zuchtstopp und einem Masterplan Roter Vari. Und der erliess 2014 für zwei der vier Zürcher Weibchen eine Zuchtempfehlung. Heisst: Pille absetzen. Das Resultat lässt sich sehen.

Liebestolle Chamäleons

Sehen lassen sich bei heissem Wetter auch richtig viele Reptilien in der Masoala-Halle. «Ihnen behagen die Wärme und die Sonneneinstrahlung», sagt Robert Zingg. Bei den Chamäleons ist geradezu ein Aktivismus ausgebrochen. Sie tapsen über die Wege, balancieren auf den Abschrankungsseilen, kraxeln auf schwankenden Ästen.

Die Männchen sind in heller Aufregung, was sich bei ihnen in knalligen Rottönen auswirkt. Von wegen Tarnungskünstler! Das trifft im Moment nur auf die Weibchen zu, die meist ruhig und unter einem Blätterdach dasitzen, aber für die Aufregung der Männchen verantwortlich sind. An einer Ecke schleichen sich gleich vier an und kommen einander ins Gehege. Einige Schritte weiter haben sich zwei gefunden. Hier gibts wohl bald Nachwuchs – ganz ohne Empfehlung eines Zuchtprogramms.

Es kreucht und fleucht und fliegt

Daneben schaut ein zierlicher knallgrüner Gecko über den Blattrand, die knallroten Webervögel zwitschern aufgeregt und bauen ihre Hängenester, Tauben und Wachteln hüpfen raschelnd durch das Unterholz, ein Reiher schwebt majestätisch durch die Halle, und kleine Enten schnäbeln am Ufer des Weihers.

Die drei kleinen Varis aber machen jetzt Siesta. Sie liegen schlaff und alle viere hängen lassend über einem Ast. Wir möchten es ihnen gleichtun.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.07.2016, 16:15 Uhr

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