Das Rindvieh Gottes

Morgen spielt der FCZ im Letzigrund gegen Napoli. Das weckt Erinnerungen an Maradona. An Diego Armando – und den Muni.

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Eine Uhr für das Handgelenk Gottes. Darüber hat der Tagi heute berichtet: Wie Diego Armando Maradona im Oktober 1989 an der Bahnhofstrasse Uhrenshopping machte, für sich, seine Freunde und die Familie edle Schweizer Ware einkaufte. Drehen wir eine dieser göttlichen Uhren zurück: Nicht dreissig Jahre diesmal, sondern «nur» deren zwanzig. Im Februar 1999 entschied sich ein Rindvieh, die Bühne des Fussballs zu betreten. Die Alternative, Hundefutter, schien ihm keine wirkliche Option, also verliess er stürmisch den Schlachthof an der Herdernstrasse und suchte nebenan im Letzigrund Zuflucht. Er fand sie: 6000 Franken brachten dem FCZ verbundene Donatoren auf, um aus dem Schlachtvieh ein Maskottchen zu machen.

Keine billige Kopie, sondern eine grosse. Der Geissbock des 1. FC Köln kam dem damaligen Vizepräsidenten Hugo Hollenstein in den Sinn, «das wollten wir kopieren», sagte er später der «NZZ am Sonntag».

Die Fotografen machten ihn nervös

Das namenlose Schlachtvieh wurde vom FCZ also übernommen, man taufte es um: Maradona sollte das Tier heissen, Rindvieh Gottes, in Gedenken an den argentinischen Superstar. Am 28. Februar 1999 startete der FCZ in die Rückrunde der Fussballmeisterschaft, die damals noch Finalrunde hiess, der Gegner hiess FC St. Gallen, und der sollte auch mithilfe des neuen Glücksbringers punktlos in die Ostschweiz zurückgeschickt werden.

Das Blitzlichtgewitter war dem Tier ganz im Gegensatz zu seinem Namenspatron nicht geheuer.

Maradona wurde also vorgeführt, einen FCZ-Schal umgebunden, trottete er stolz über den Rasen des Letzi­grunds, wo sich die beiden Teams für das Spiel warmliefen. Wie zehn Jahre zuvor galt das Interesse des Medienpulks Maradona, das Blitzlichtgewitter war dem Tier ganz im Gegensatz zu seinem Namenspatron nicht geheuer. Obschon schön herausgeputzt, drehte der Muni durch.

Spieler auf der Flucht

Der damalige FCZ-Präsident Sven Hotz erinnerte sich in der «NZZ am Sonntag»: «Ich kam ahnungslos aus den Katakomben. Da sprang mir Maradona entgegen. Er rannte in Richtung Ersatzbank. Drei Fotografen stürzten übereinander. Die Spieler flüchteten hinters Tor. Der Stier drehte auf der Leichtathletik-Bahn ab, warf den Supporter-Präsidenten um und rannte die hintere Treppe hinauf.»

Dort klemmte er sich ungeschickt zwischen Plastiksitzen ein. Die Beruhigungsspritze des anwesenden Veterinärs tat schnell Wirkung, Maradona wurde abgeführt. Er kam zuerst ins Kloster Fahr, dort wurde aus dem Muni ein Ochse, kurz darauf wurde das Tier in den Jura verlegt. Maradona kam in Le Roselet in der «Stiftung für das Pferd» unter. Ab und zu erhielt er in diesem Altersheim der Pferde Besuch von FCZ-Fans, auch Präsident Hotz habe bei ihm vorbeigeschaut.

2011 wurde Maradona 14-jährig eingeschläfert. Die Hüften.

Erstellt: 13.02.2019, 16:35 Uhr

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