Das schnelle Ende des Vermicelles-Hypes

Zürichs erster Vermicelles-Take-away wird vom Erfolg überrollt. Morgen schliesst die Vermicelleria verfrüht.

Der Ansturm war riesig: Die Schlange vor der Vermicelleria letzten Samstag.

Der Ansturm war riesig: Die Schlange vor der Vermicelleria letzten Samstag. Bild: PD

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Das temporäre Vermicelles-Restaurant in der Gelateria Tellhof im Kreis 4 hat eingeschlagen wie eine Bombe: Seit der Eröffnung am 1. November haben Nicole Heim, Hanna Büker und David Jäggi, die die Vermicelleria ins Leben gerufen haben, permanent Vermicelles verkauft (lesen Sie hier alles über das Pop-up-Projekt).

Das typische Schweizer Dessert liess das Trio eigens für das Pop-up in Biel produzieren – aus Aargauer und Bergeller Edelkastanien. Normalerweise werden Vermicelles aus ausländischen Früchten produziert, weswegen das mit Crowdfunding mitfinanzierte Projekt Pioniercharakter hat.

Das schätzen offenbar auch die Kunden. Selbst in der bittersten Kälte standen sie am Wochenende vor dem Tellhof bis zu 20 Minuten Schlange. Bisweilen sah es aus wie im Sommer vor der Gelateria di Berna. «Die Tür zum Pop-up war permanent offen», sagt Hanna Büker. «Wir waren nur damit beschäftigt, Essen herauszugeben.»

Schnell war klar, dass der Vorrat nicht reicht

Schon kurz nach dem Start war dem Team klar, dass die 300 Kilo Kastanien, die es für die Vermicelles kalkuliert hatte, nicht bis zum 24. November reichen würde. So lange wollten sie das Pop-Up betreiben. «Wir wurden total vom Erfolg überrollt und haben wohl das Take-away-Prinzip unterschätzt», sagt Büker.

Das Vermicelleria-Trio: David Jäggi, Nicole Heim und Hanna Büker. Bild: zvg

Obwohl man in der Gelateria auch an Tischen verweilen kann, kamen die meisten Gäste kurz vorbei, um sich Vermicelles to go zu holen, wie man das bekanntlich auch mit Glace zu tun pflegt. Und: Die Vermicelleria wurde zum Social Event.

Mit dem ersten Schnee ist die Marroni-Saison vorbei

Schon kurz nach der Eröffnung rasten Nicole Heim und David Jäggi wiederholt ins Bergell, um dort neue Kastanien zu erwerben. 300 Kilogramm hatten sie bereits verarbeitet, mindestens 600 weitere Kilo hätten sie gebraucht. Dass sie keine Kastanien aus dem Aargau bekommen würden, war von Beginn weg klar. Auch wurde schnell deutlich, dass das Team selbst mit täglichem Nachschub nicht nachgekommen wäre. «Wir beziehen die Kastanien bei einem Verein, nicht bei einem Grosshändler, da kommt man nicht so schnell zu neuer Ware», sagt Büker. Zudem habe es diese Woche im Bergell bereits geschneit – und die Marroni-Saison ist definitiv zu Ende.

So sieht, oder besser sah, das Vermicelles-Törtchen der Vermicelleria aus. Bild: zvg

Am Mittwoch hat die Vermicelleria das letzte Mal geöffnet, dann sind die Vorräte aufgebraucht. Damit schliesst sie über eine Woche früher als geplant. Wie und ob das «Vermi-Team» dem Marroni-Business weiter treu bleibt, lässt es noch offen. «Es war», sagt Hanna Büker, «auf jeden Fall eine lehrreiche und verrückte Erfahrung.»


Vermicelleria
Tellstr. 20, 8004 Zürich
Letzter Tag: Mi 13.11. 12.30 bis 22 Uhr
www.vermicelleria.ch

Erstellt: 12.11.2019, 17:20 Uhr

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