Das Haus mit dem speziellen Türknauf steht jetzt unter Schutz

Das «Seebähnli» ist vom Zürcher Stadtrat als wichtiger Zeuge der Nachkriegsarchitektur unter Denkmalschutz gestellt worden.

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Gewiss fällt das Haus an der Ecke Seebahn-/Kalkbreitestrasse in Wiedikon wegen seiner Höhe und der roten Farbe auf. Aber ein Schutzobjekt würde man nicht unbedingt vermuten, schliesslich ist es weder alt, noch schön, noch einzigartig. Doch das kantonale Planungs- und Baugesetz (PGB) definiert Schutzobjekte eben nicht nach Alter und Schönheit, sondern nach wichtiger Zeugenschaft: Zeuge einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder baukünstlerischen Epoche.

Und genau das ist das Haus Kalkbreitestrasse 33 für die städtische Denkmalpflege: ein bedeutender und gut erhaltener Zeuge der Nachkriegsarchitektur Zürichs. Weil Umbauten geplant sind, darunter eine Kleinbühne im Untergeschoss, hat der Stadtrat das bislang bloss inventarisierte Haus unter Schutz gestellt, damit dieser «wichtige architektonische Zeitzeuge» erhalten bleibt.

Getreu der Lage neben dem Graben der Seebahn – die Gleise entlang des linken Seeufers – trägt das Haus den Namen «Seebähnli», gut sichtbar angeschrieben mit einem Signet auf dem Vordach. Das Wohn- und Bürohaus wurde 1959/1960 nach den Plänen des Architekten Carl Dominik Burlet gebaut. Prägendes Element ist die geometrisch strukturierte Glasfassade in Rot, die unten von einem Vordach und oben von einem grossen Flugdach gerahmt ist. «Mit seiner farbkräftigen, auffälligen Fassadengestaltung nahm das ‹Seebähnli› die Signalfarben des Eisenbahnbetriebs auf und prägt damit den Stadtraum im Kreuzungsbereich bis heute.»

Geschützte Küchenschränke

Neben der dominanten, vorgehängten Glasfassade sind unter anderem geschützt: das Vordach mit den Oberlichtern und dem Signet «Seebähnli», die Eingangstür mit dem lokomotivförmigen Türdrücker, die Holzfenster mit dem Drehpunkt in der Mitte oder das auskragende Flugdach. Im Innern steht das Treppenhaus unter Schutz mit den mosaikartigen Böden aus Terrazzo, die Geländer und Handläufe, die Fenstersimse, die Wandund Oberschränke in den Küchen, die Türen und Bodenbeläge, sogar die Stirnbretter für die Vorhangschienen.

Der Eigentümer hat sich mit dieser Unterschutzstellung einverstanden erklärt und sich verpflichtet, die Renovation im engen Einvernehmen mit der Denkmalpflege durchzuführen. Dafür erhält er einen Beitrag von 45'000 Franken.

Etwa 6900 Gebäude in Zürich stehen unter Denkmalschutz oder sind im Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte aufgeführt, was ungefähr 13 Prozent des Baubestandes entspricht. Die Gemeinden und Kantone in der Schweiz sind verpflichtet, ein Inventar der möglicherweise schützenswerten Gebäude zu führen. Steht ein Bauprojekt an, wird der Wert dieses Gebäudes vertieft abgeklärt. Daraus folgt die definitive Unterschutzstellung oder die Entlassung aus dem Inventar, in Zürich durchgeführt vom Stadtrat.

Die letzte Inventarergänzung in Zürich erfasste die Bauten und Gärten von 1960 bis 1980. Darunter befinden sich der Globus an der Bahnhofstrasse, die Amtshäuser Helvetiaplatz und Werd, das Migros-Hochhaus, das Lochergut, die Wohntürme Hardau, die Pyramide am See oder das Swissôtel in Oerlikon.

Schon Anfang Jahr liess sich der Stadtrat von einem Wohn- und Bürohaus mit Flugdach begeistern und stellte den markanten Riegel an der Winterthurerstrasse 529–537 am Schwamendingerplatz unter Schutz. Er stammt aus dem Jahr 1957 und ist Zeuge dafür, wie die moderne Stadt in ein dörfliches Aussenquartier eingebrochen ist.

Erstellt: 10.08.2017, 10:32 Uhr

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