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Das sind die Hitze-Hotspots in Zürich

Klimakarten zeigen, wo es in der Stadt besonders heiss wird – und welche Quartiere auch über Nacht kaum abkühlen.

Heiss, heisser, Zürich City: Momentan ist es überall unglaublich warm. Doch in der Stadt, vor allem im Zentrum, erreichen die Temperaturen noch einmal ein ganz anderes Level.

Täuscht dieser Eindruck? Nein, Klimakarten des kantonalen Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) bestätigen die Vermutung. Das Awel hat berechnet, wie hoch die Temperaturen am vierten Tag einer durchschnittlichen Wärmeperiode sind. Die Karten bilden also keine Messungen eines bestimmten Datums ab, sondern ein Klimamodell – und zeigen, wo sich in Zürich die Hitze-Hotspots befinden.

Besonders heiss wird es tagsüber dort, wo ein Grossteil der Böden versiegelt ist, es wenig Grünflächen gibt und dicht gebaut wurde. Das ist etwa in der Altstadt, beim Central und im Industriequartier Binz der Fall. Hier können die Temperaturen an einem Hitzetag mehr als 10 Grad höher liegen als in anderen Gebieten der Stadt.

Auch die Zonen entlang den Gleisanlagen vom Hauptbahnhof bis nach Altstetten sind ein Hotspot. Es gibt viele dunkle Baustoffe, die grosse Mengen Wärmeenergie speichern: Die Gleise, der Schotter und der Asphalt heizen sich mit der Sonnenstrahlung auf und geben die Wärme an die Umgebung ab. Nirgends ist die gefühlte Temperatur, auch Wärmebelastung PET (physiologisch äquivalente Temperatur) genannt, höher.

Wie stark Menschen die Wärmebelastung wahrnehmen, ist neben der Lufttemperatur auch von der Luftfeuchtigkeit und der Windgeschwindigkeit abhängig. «Auf wenig verbauten und begrünten Flächen ist es deshalb deutlich kühler. Das sieht man eindrücklich beim Friedhof Sihlfeld», erklärt Thomas Stoiber vom Awel. Denn die vielen Bäume dort spenden nicht nur Schatten, sondern entziehen der Umgebungsluft auch Wärme, wenn sie Wasser verdunsten.

Grünflächen wie Friedhöfe, Parks, Kleingärten und Sportanlagen erhitzen überdies viel weniger als Beton und andere Oberflächen. Allgemein gilt: Je heller der Belag, desto mehr Sonnenstrahlung reflektiert er und desto weniger Wärme speichert er. «Wenn ein Dach mit Dachpappe belegt ist, kann es bis zu 80 Grad heiss werden. Begrünt wird es dagegen nur 25 bis 30 Grad warm – ein riesiger Unterschied», sagt Stoiber.

In der Altstadt gibt es wenig Grün, dafür umso mehr versiegelte Oberflächen und Fassaden, die sich aufheizen. Hier reiht sich Haus an Haus, weshalb die Hitze kaum entweichen kann. Deswegen kühlt es auch in der Nacht viel weniger ab. Die Altstadt ist eine sogenannte städtische Wärmeinsel, wo die Temperaturen nachts mehr als 4 Grad über dem Mittelwert liegen können.

Die dichte Bebauung verhindert zudem, dass kältere Luft von ausserhalb reinströmen kann und es Durchlüftung gibt. Vom See her würden Winde entlang der Limmat wehen, in viele Teile der Altstadt gelangen sie jedoch nicht. Auch andere Quartiere profitieren nicht von den Kaltluftvolumenströmen, die sich nachts im Umland und am Rand der Stadt bilden. In den Kreisen 4 und 5 werden diese von Häusern abgeblockt.

Viel angenehmer ist es in Hirslanden, wo Fallwinde vom Adlisberg kältere Luft bringen. Auch das Quartier Enge zählt dank einer Kaltluftleitbahn vom Uetliberg her (siehe Pfeil in der Grafik) zu den kühleren Orten in der Stadt. Zusätzlich gibt es hier viel Luftzirkulation durch den nahen See, den Park beim Mythenquai und die offene Bauweise.

Die Enge gehört denn auch zu den Quartieren, in denen die Temperaturen zum Schlafen vergleichsweise angenehm sind. Während einer durchschnittlichen Wärmeperiode fallen sie in der Nacht auf etwa 16 bis 18 Grad. Das gilt gemeinhin als optimale Schlaftemperatur.

Spannend ist, dass der See wärmer ist. Dafür gibt es laut Thomas Stoiber vom Awel eine einfache Erklärung: «Wasser ist ein enormer Wärmespeicher und hat deshalb eine ziemlich konstante Temperatur. Am Tag sind 24 Grad kühlend, in der Nacht dann eher wärmend.»

Tagsüber hat Wasser aber einen guten Kühleffekt. Quartiere, die näher am See liegen, heizen nicht so stark auf. Dasselbe gilt für die Gebiete an den Hängen. Eine Temperatur, die bei der Station Fluntern am Zürichberg auf 570 Metern gemessen wird, muss also noch lange nicht für das Zentrum gelten, das weiter unten liegt.

In der City ist der Hitzeeffekt deutlich stärker spürbar. Teilweise bleiben die Temperaturen hier nachts bei über 20 Grad. Ist das der Fall, spricht man von einer Tropennacht.

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